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Bildrechte: picture alliance/dpa | Christoph Soeder

Fast 200 Nationen haben sich auf eine gemeinsame Abschlusserklärung geeinigt. Beim Streitthema Kohleausstieg wurde auf Drängen Indiens auf den letzten Metern noch eine Formulierung abgeschwächt, um einen Kompromiss zu erzielen.

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Gedämpfte Begeisterung nach Klimakonferenz in Glasgow

Tränen, Wutausbrüche und Jubel prägen das Ende der UN-Klimakonferenz. Für die einen ist es ein "Schritt in die richtige Richtung", ein "guter Kompromiss". Vielen anderen gehen die Beschlüsse von Glasgow nicht weit genug. Ein Blick nach Brüssel.

Von
Jakob MayrJakob MayrBR24  RedaktionBR24 Redaktion
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Glasgow ist ein Schritt in die richtige Richtung, erklärt EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen. Das Ziel bleibe erreichbar, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Begeisterung klingt anders. Die Hoffnungen die auf der UN-Klimakonferenz ruhten, waren groß.

Klimakonferenz betont 1,5-Grad-Ziel

Auf der Haben-Seite verbucht die EU, dass große Staaten neue Ziele angekündigt haben, wenn es darum geht, ihren Ausstoß klimaschädlicher Gase zu senken. Immerhin wird im Abschlussdokument klar das 1,5-Grad-Ziel betont.

Für den CDU-Europaabgeordneten Peter Liese ist das Glas nach Glasgow mehr als halbvoll: "Es ist sehr positiv, dass sich vor Glasgow und während der Konferenz fast alle großen Emittenten von Treibhausgasen verpflichtet haben, klimaneutral zu werden."

Klimaziele: Kurzfristig zu wenig Anstrengung

Das Problem: Mit ihren langfristigen Klimazielen sind die Staaten auf dem richtigen Weg. Aber in den entscheidenden kommenden Jahren tut sich zu wenig. Bis 2030 reichen die angekündigten Ziele nur für einen Pfad von etwa 2,4 Grad Erderwärmung.

Es braucht deshalb mehr Anstrengungen, um das Endziel zu schaffen, sagt die Klimaexpertin der Europa-SPD, Delara Burkhardt. Die klaffende Lücke zum 1,5 Grad-Ziel hätten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer tatsächlich nicht schließen können. "Ob es unterm Strich mehr Klimaschutz gibt und die Vorsätze Wirklichkeit werden, das entscheidet sich durch konkrete Maßnahmen."

Europäische Union will Emissionen bis 2030 deutlich senken

Die Europäische Union will ihre Emissionen bis 2030 um 55 Prozent senken im Vergleich zu 1990 - durch ein umfangreiches Programm, das Mitgliedsstaaten, Parlament und Kommission noch beschließen müssen.

Glasgow zeigt: Die bisher geplanten Maßnahmen reichen nicht aus, sagt der Grünen-Europaabgeordnete Michael Bloss. "Das bedeutet für die EU auch ihr Fit-for-55-Paket ist ungenügend und muss verbessert werden in der Umsetzung." Als Beispiele nennt er einen schnelleren Kohleausstieg bis zum Jahr 2030 und ein schnelleres Ende für Verbrennungsmotoren.

EU-Mitgliedstaaten zerstritten

Das Problem: Die EU-Mitgliedsstaaten haben zwar das gemeinsame Klimaziel beschlossen – bis 2050 unter dem Strich nicht mehr Klimagase ausstoßen als eingespart werden.

Sie streiten aber, wie dieses Ziel erreicht werden soll, sagt die Sozialdemokratin Burkhardt: "Einige wollen kein Aus des Verbrennermotors, die anderen keinen CO-Preis auf Benzin, andere wollen ihre Waldwirtschaft nicht umstellen. Es ist aber keine Zeit mehr zum Bremsen."

Glasgow sendet deutliches Signal: Kohlezeitalter geht zu Ende

Zwar sendet Glasgow das deutliche Signal, dass weltweit das Kohlezeitalter zu Ende geht – erstmals wird im Beschlusstext erwähnt, dass die Kohleverstromung heruntergefahren wird und die internationale Kohlefinanzierung ausläuft. Allerdings haben China und Indien verhindert, dass gemeinsam der komplette Kohleausstieg gefordert wurde.

Dass China seine Emissionen bis 2030 sogar noch steigern will, hält der Christdemokrat Liese für problematisch: "Deshalb braucht es hier mehr Anstrengungen. Wir müssen unsere Gesetzgebung in der EU noch stärker darauf ausrichten, wie wir Drittstaaten mit ins Boot bekommen. Und die EU muss ihre Klimadiplomatie verstärken."

Von der Leyen: Versprechen des Klimagipfels schnellstmöglich umsetzen

Es gibt also für die Europäische Union viel zu tun nach Glasgow. Kommissionschefin von der Leyen fordert, die Versprechen des Klimagipfels schnellstmöglich umzusetzen, um sich dann höhere Ziele zu stecken.

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