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"Geborene Europäerin": SPD setzt auf Barley | BR24

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Die SPD macht den offiziellen Haken unter die Personalie Barley: Die amtierende Bundesjustizministerin wird Spitzenkandidatin für die Europawahl. Parteichefin Nahles nennt Barley eine "geborene Europäerin" - und sie hat dafür schlagende Argumente.

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"Geborene Europäerin": SPD setzt auf Barley

Die SPD macht den offiziellen Haken unter die Personalie Barley: Die amtierende Bundesjustizministerin wird Spitzenkandidatin für die Europawahl. Parteichefin Nahles nennt Barley eine "geborene Europäerin" – und sie hat dafür schlagende Argumente.

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Die gebürtige Kölnerin Katarina Barley hat ihren Wahlkreis Landkreis Trier – eine europäische Grenzregion. Die SPD-Politikerin schrieb einmal, mit ihrem Fahrrad könne sie von zuhause aus an einem Tag vier Länder durchqueren. Luxemburg, Belgien und Frankreich sind eben nur einen Katzensprung entfernt. Der Blick über die Landesgrenzen ist Barley auch in die Wiege gelegt – ihr Vater ist Brite, sie hat beide Staatsbürgerschaften, spricht vier europäische Sprachen fließend. Der Vater ihrer beiden Söhne ist Spanier mit niederländischen Wurzeln.

Karriere als Juristin

Politisch sei ihr Elternhaus gewesen, sagt Katarina Barley, nie aber parteipolitisch. Vielleicht zieht es sie deshalb nicht sofort in die Politik sondern an die Uni, ein Jura-Studium sollte es sein. Und auch hier wieder lockt das Ausland, geht sie für zwei von der EU geförderte Semester nach Paris. Es schließt sich eine Karriere als Juristin an: Promotion, Anwältin in einer Hamburger Großkanzlei, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Bundesverfassungsgericht, Richterin in Trier und Wittlich.

Politik zunächst nur ehrenamtlich

Jura spielt damit zunächst die Hauptrolle im Leben von Katarina Barley, die Politik läuft zunächst nebenbei. 1994 tritt sie in die SPD ein und engagiert sich ehrenamtlich. Den Übergang zur Berufspolitikerin plant sie nicht wirklich generalstabsmäßig, erinnert sie sich. Es habe sich so ergeben, "ich war in der letzten Phase meiner Elternzeit, da gab es eine kommunale Kandidatur. Und ich habe gedacht: warum nicht?"

Aufstieg in der SPD

Barley schneidet bei dieser Wahl unerwartet gut ab und bezeichnet das als ihre "Initialzündung". Und so beginnt nach der juristischen Karriere ihre politische: Erst in ihrem Landkreis, seit 2013 auf Bundesebene. Einfache Abgeordnete bleibt sie aber nicht lang. Zwei Jahre später bereits wird sie Generalsekretärin ihrer Partei – eine wahre Senkrechtstarterin. Gefragt, wie sie auf das Angebot des damaligen SPD-Chefs Sigmar Gabriel reagiert hat, sagt Barley:

"Also der erste Gedanke war schon ein bisschen wie bei Obama und dem Nobelpreis, wow! Das ist schon eine große Ehre." Katarina Barley

Nächster Schritt: Ministeramt

Mit dem Attackieren, dem Leitmotiv eines Parteimanagers, fremdelt Barley dann allerdings etwas – und so kommt der nächste Schritt auf der Karriereleiter nach oben wie gerufen: 2017 wird überraschend das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend frei, weil Manuela Schwesig als Ministerpräsidentin nach Mecklenburg-Vorpommern geht. Barley übernimmt, um nach Bundestagswahl und langer Regierungsfindung dann weiter zu wechseln an die Spitze des Bundesjustizministeriums.

Unprätentiös und zugänglich

Von Mitarbeitern ist viel Lob für die neue Chefin zu hören: Unprätentiös sei sie, geradeheraus, habe immer ein offenes Ohr. Barley selbst sagt, ihr sei ein verlässlicher und fairer Umgang mit anderen wichtig. Und: ihr Jurastudium habe sie wohl auch gut vorbereitet auf die Politik: Man lerne dabei, Dinge von allen Seiten zu betrachten und vor einer Entscheidung abzuwägen. "Und das Beste und Nützlichste: Man lernt, Fachliches vom Persönlichen zu trennen."Sich fachlich streiten, aber anschließend dann doch gemeinsam ein Bier trinken – das habe sie schon als Anwältin gelernt. Und das würde der polyglotten SPD-Frau sicher auch nicht schaden als Abgeordnete des Europaparlaments. In Brüssel wird vielsprachig um gemeinsame Positionen gerungen, und das Bier-Angebot in der belgischen Hauptstadt ist legendär.