Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat sich für die Förderung von Fracking-Gas in Deutschland als Ersatz für russisches Erdgas ausgesprochen
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Der Bohrturm einer Ölförderplattform, die nach dem Prinzip des "Frackings" arbeitet.

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Gas-Krise: Kretschmer befeuert Fracking-Diskussion

Unabhängig von russischem Erdgas werden – das ist das Ziel Deutschlands. Sachsens Ministerpräsident hat nun die umstrittene Förderung von Fracking-Gas befürwortet. Auch sein bayerischer Amtskollege Söder setzt sich dafür ein.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat sich für die Förderung von Fracking-Gas in Deutschland als Ersatz für russisches Erdgas ausgesprochen. Er habe die Abhängigkeit vom Ausland immer kritisch gesehen, deswegen müsse Deutschland jetzt "auch alles in die Waagschale werfen, was wir an Ressourcen in unserem Land haben", sagte Kretschmer dem Berliner "Tagesspiegel".

Zuvor hatten bereits Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und FDP-Vize Wolfgang Kubicki die umstrittene Technologie als Methode zur Gasgewinnung in Deutschland ins Spiel gebracht. Kritik daran gab es aus Niedersachsen.

Kretschmer: "Energiepreise müssen runter"

Wenn russisches Gas nicht mehr als Brückentechnologie zur Verfügung stehe, müsse Deutschland auch auf die eigenen Gas-Vorkommen zurückgreifen, forderte der CDU-Politiker. "Heimisches Fracking-Gas wäre eine Möglichkeit, um die Abhängigkeit von Russland und auch vom Weltmarkt zu reduzieren", sagte er.

Scharfe Kritik übte Kretschmer an der Energiepolitik der Regierungskoalition. "Das ist ein Weg, den dieses Land nicht aushält", sagte er dem "Tagesspiegel". "Diese Energiepreise zerstören alles, was die Grundlage ist, für unsere gesunde Wirtschaft und sozialen Frieden."

Die Bundesregierung dürfe nicht "ideologiegetrieben" handeln, gab er zu bedenken. Stattdessen müssten alle Kapazitäten bei Braunkohle, Wasserkraft, Biomasse und Atomkraft genutzt werden. "Die Preise müssen runter", forderte der sächsische Ministerpräsident.

Auch Söder hält Fracking für denkbar

Auch der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte in der Vergangenheit wiederholt gefordert, dass Fracking in Deutschland "ergebnisoffen" geprüft werde. Der CSU-Chef nannte etwa die USA als positives Beispiel: "Die Amerikaner haben sich durch Fracking vom Nahen Osten völlig unabhängig gemacht." In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" warf Söder zudem die Frage auf, ob es mit Blick auf die Energieknappheit nicht angemessen sei, über die Nutzung heimischer Gasreserven nachzudenken. Dabei brachte er Fracking in Niedersachsen ins Spiel.

Der niedersächsische Energieminister Olaf Lies (SPD) erteilte diesem Vorschlag jedoch eine klare Absage. "Der Vorschlag ist wie immer, die Lösung bei anderen zu suchen. Das ist typisch Bayern", sagte er. Fracking sei für Niedersachsen keine Option. Auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil reagierte ungehalten auf den Ratschlag seines bayerischen Amtskollegen. "Geht's noch?!", fragte der SPD-Politiker via Twitter und ergänzte: "Lieber Markus Söder, wie wär's endlich mit Windkraft in Bayern?".

Kubicki wirbt für Fracking-Technologie

Der FDP-Vize Wolfgang Kubicki hatte kürzlich ebenfalls dafür geworben, die Möglichkeiten des Frackings in Deutschlands auszuloten, um unabhängiger von Erdgaslieferungen zu werden. "Fracking kann über Jahrzehnte einen erheblichen Beitrag zur Versorgungssicherheit in Deutschland leisten", sagte der FDP-Politiker.

Experte: Fracking-Verbot ohne sachliche Grundlage

Beim Fracking wird in Erdschichten enthaltenes Erdgas mit Chemikalien und Druck extrahiert. Seit 2017 ist hierzulande die Ausbeutung von Gasvorkommen in Schiefer- und Kohleflözschichten verboten, weil dies als Gefährdung unter anderem für das Grundwasser gilt.

In der Debatte über die Nutzung von Fracking-Gas hatten die Befürworter zuletzt Zuspruch aus einer von der Bundesregierung zu dem Thema eingesetzten Expertenkommission bekommen. Der stellvertretende Vorsitzende der Expertenkommission Fracking, Holger Weiß, stellte das in Deutschland geltende Verbot der Erdgasförderung durch das sogenannte Fracking infrage.

"Man kann das eigentlich nur mit ideologischen Vorbehalten erklären. Einer sachlichen Grundlage entbehrt das", sagte Weiß der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Die beim Fracking mittlerweile verwendete Flüssigkeit sei kein Gift mehr, "das ist Spüli". "Heutzutage kann man Fracking mit einem vertretbaren Restrisiko machen", sagte Weiß.

Mit Material von AFP

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