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Galgenfrist für den Ökokiller | BR24

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Kanister mit Glyphosat-Unkrautvernichter

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    Galgenfrist für den Ökokiller

    Man hat es in menschlichem Urin gefunden, in Seen und Flüssen, in Nahrungsmitteln: Glyphosat. Doch: Was macht das Unkrautvernichtungsmittel mit uns? Diese Frage entzweit Politik und Experten.

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    Die Studien – die Verstrickungen

    Obwohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Glyphosat für wahrscheinlich krebserregend hält, kommen deutsche Behörden zu dem Schluss, dass das Mittel unbedenklich sei: Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hält Glyphosat für ungefährlich. Auch die EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) kam zum Schluss, dass es sehr unwahrscheinlich sei, dass Glyphosat krebserregend für den Menschen sei. Schließlich kommt ein anderes Gremium der WHO jetzt auch zu der Aussage, Glyphosat sei wahrscheinlich nicht krebserregend. Dieser eklatante Widerspruch wirft Fragen auf: Wurde richtig geprüft? Ist jemand in seiner Entscheidung beeinflusst worden? Oder könnte es sein, dass die deutschen Behörden es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen, wenn es um Glyphosat geht?

    Das Argument der Kritiker: Unabhängige Studien wurden bei den Bewertungen zu wenig oder nicht beachtet. Außerdem wurden teilweise Argumentationsketten einfach übernommen – eine unabhängige Prüfung sähe anders aus. Es gebe insgesamt ungute Verstrickungen zwischen Forschung, Industrie und Politik – so lautet der Vorwurf. Forschungen werden von Monsanto und Co in Auftrag gegeben teilweise sogar finanziert. Bewertungsberichte werden nicht veröffentlicht. Studien aus dem universitären Bereich werden gerne mal abgewertet. Mittlerweile wurde sogar Anzeige gegen die Behörden und auch Monsanto erstattet.

    "Die Chemieindustrie ist eines der Flagg-Schiffe der deutschen Wirtschaft. Und den Eindruck hat man nach wie vor, dass da diese Schutzziele, die eigentlich da sind, nämlich der Schutz von Umwelt und Gesundheit, dass die einen weit geringeren Stellenwert haben, als die Förderung von Technologie, Fortschritt, Wettbewerb." Dr. Christoph Then, Gentechnik-Experte
    "Wir nehmen die Industrienähe nicht wahr. Dieser Dienstleistungsgedanke gegenüber der Industrie, den sehen wir so nicht. Es ist etwas, was einem Sorge bereitet, dass ein Bundesinstitut derart großen Zweifeln ausgesetzt ist. Das deutet ja auch darauf hin, dass die Industrie als Problem gesehen wird." Reinhard Appel, AG Glyphosat
    "Ich bin überzeugt, dass Glyphosat krebserregend ist – und alle Daten sprechen dafür. (...) Das BfR kommt zu der gleichen Beschreibung der Faktenlage, zieht aber andere Schlussfolgerungen." Dr. Peter Clausing, Toxikologe PAN.

    Der Einfluss des einzelnen

    Doch was kann nun jeder Einzelne von uns tun? Nicht viel. Glyphosat-belastete Nahrungsmittel meiden ist nicht so einfach. Schon alleine, weil die wenigsten darauf getestet wurden. Für die kritischen Konsumenten hat Agrarhändler Josef Feilmeier einen Tipp: Einfach mal beim Bäcker nachfragen, ob in seinem Brot Glyphosat drin wäre. Das wird er nicht beantworten können. Dann geht man - mit der Ansage, dass man erst wieder kaufen würde, wenn er das wüsste. Wer weiß, vielleicht denkt dann der eine oder andere um. Und lässt seine Lebensmittel zumindest mal testen.