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Gab es "Hetzjagden" in Chemnitz? LKA-Bericht nennt neue Details | BR24

© dpa/Monika Skolimowska

Haben Rechtsextreme in Chemnitz Menschen gejagt? Ein sächsischer LKA-Bericht spricht dazu nun eine recht eindeutige Sprache.

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Gab es "Hetzjagden" in Chemnitz? LKA-Bericht nennt neue Details

Hetzjagd oder keine Hetzjagd, das war hierzulande 2018 die Frage. Konkret ging es darum, ob Rechtsextreme in Chemnitz wirklich "Jagd" auf Menschen gemacht hatten. Ein sächsischer LKA-Bericht gibt nun neue Hinweise, auch dank Auswertungen von Chats.

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Über das Wort "Hetzjagd" wurde in Deutschland 2018 viel gestritten. Regierungssprecher Steffen Seibert hatte es benutzt, als er in einer Erklärung rechtsextreme Ausschreitungen in Chemnitz verurteilte. Auch Kanzlerin Angela Merkel griff es später auf.

Es war in der sächsischen Stadt zu Protesten und Krawallen gekommen, nachdem Migranten einen 35-Jährigen bei einem Messerangriff getötet hatten. Auf Videos im Netz war in der Folge zu sehen, wie Migranten beziehungsweise Menschen mit südländischem Aussehen durch die Straßen von Chemnitz getrieben wurden.

LKA-Bericht bringt neue Erkenntnisse

Die Echtheit genau dieser Videos zweifelte der damalige Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, wiederum an. Auch wenn sich diese Zweifel – zumindest im Faktenchef des ARD-faktenfinders – als relativ substanzlos erwiesen, blieben die Vorkommnisse in Chemnitz fortan Gegenstand von teils erbitterten Diskussionen.

Ein Bericht des sächsischen Landeskriminalamtes bringt nun ein wenig neues Licht ins Dunkel. In dem vertraulichen Bericht, den WDR, NDR und Süddeutsche Zeitung gemeinsam auswerten konnten, erhärten sich die Hinweise darauf, dass es durchaus zu rechtsradikalen Aggressionen kam.

Die Protestierenden in Chemnitz zeigten demnach "eine hohe Gewaltbereitschaft gegenüber den eingesetzten Polizeibeamten, Personen mit tatsächlichem oder scheinbaren Migrationshintergrund, politischen Gegnern, sowie Journalisten."

Chats ausgewertet - das Wort "Jagd" fällt

Noch deutlicher zeigen im Zuge der Ermittlungen analysierte Chat-Verläufe von Beteiligten, dass die rechtsextreme Seite sich durchaus planhaft zu Angriffen auf Migranten verabredete. So ist laut Süddeutscher Zeitung von Demonstranten zu lesen, die "Bock" hätten, "Kanacken zu boxen". Auch das viel diskutierte Wort "Jagd" fällt im Zusammenhang mit den Ausschreitungen. Hinzu kommen offenbar zahlreiche Nachrichten, in denen Rechtsradikale mit Gewalt gegenüber Migranten prahlen.

Mit den Chat-Inhalten konfrontiert, konnte Ex-Verfassungsschützer Hans-Georg Maaßen laut Tagesschau keine klare Beurteilung vornehmen. Für die Verfasser der Nachrichten fordert er jedoch Konsequenzen. Von "Hetzjagden" möchte Maaßen angesichts der neuen Erkenntnisse, vor allem im Zusammenhang mit dem ersten Tag der Demonstrationen in Chemnitz, allerdings weiterhin nicht sprechen.

Urteil im Strafprozess zum Messerangriff von Chemnitz

Den Ausschreitungen vorausgegangen war ein Messerangriff, bei dem ein Syrer und ein Iraker einen 35-jährigen Mann mit einem Messer so schwer angegriffen haben sollen, dass er an den Messerstichen starb. Erst in der vergangenen Woche war der Syrer Alaa S. in Chemnitz deshalb wegen Totschlags zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Der mutmaßliche Mittäter ist weiterhin flüchtig und weltweit zur Fahndung ausgeschrieben.

© BR

Ein Jahr nach dem tödlichen Messerangriff in Chemnitz ist das Urteil gefallen: Das Landgericht sprach den 24-jährigen Angeklagten wegen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung schuldig und verurteilte ihn zu neun Jahren und sechs Monaten Haft.