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Zum Abschluss des G7-Gipfels versprechen die führenden Industrieländer den ärmeren Ländern, auf die bisherigen Spenden nochmal eine Milliarde Corona-Impfdosen draufzusatteln. Zusammen macht das mehr als zwei Milliarden. Zu wenig, sagen Kritiker.

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G7 stellt ärmeren Ländern eine Milliarde Impfdosen bereit

Zum Abschluss des G7-Gipfels versprechen die führenden Industrieländer den ärmeren Ländern, auf die bisherigen Spenden nochmal eine Milliarde Corona-Impfdosen draufzusatteln. Zusammen macht das mehr als zwei Milliarden. Zu wenig, sagen Kritiker.

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Im Kampf gegen die Corona-Pandemie stellt die G7-Gruppe ärmeren Ländern mindestens eine Milliarde Dosen Impfstoff zur Verfügung. Zum Abschluss ihres Gipfels erklärte der Gastgeber, Großbritanniens Premier Boris Johnson, dass das bis Juni kommenden Jahres geplant ist. Möglich werden soll das sowohl über Spenden als auch über Zahlungen an das internationale Impfprogramm Covax, so Johnsson in Cornwall.

Insgesamt mehr als zwei Milliarden Impfdosen

Im Abschlusskommuniqué heißt es, dass es Zusagen über 870 Millionen Impfdosen gebe, die möglichst schnell und zur Hälfte bis Jahresende vor allem über die internationale Impfplattform Covax an die bedürftigsten Länder ausgeliefert werden sollen. Seit dem virtuellen G7-Treffen im Februar seien ferner Milliarden an Finanzzusagen zum Kauf von Impfdosen gemacht worden, heißt es weiter.

Mit den direkten Spenden und den Finanzzusagen kommen laut Abschlusserklärung seit Beginn der Pandemie mehr als zwei Milliarden Impfdosen der G7 für die Verteilung zusammen. Auch Kanzlerin Angela Merkel hatte am Vortag von 2,3 Milliarden Impfdosen gesprochen. Hingegen hält die Weltgesundheitsorganisation (WHO) elf Milliarden für notwendig.

Merkel: "Der Weg aus der Pandemie sind die Impfstoffe"

Nach Angaben von Merkel zeichnet Deutschland für die Verteilung von 350 Millionen Dosen verantwortlich. Dazu gehörten 30 Millionen Dosen, die Deutschland bestellt habe und weitergeben werde. "Das werden vermutlich im Laufe der Zeit noch mehr", sagte Merkel. Sie verwies auf Lieferprobleme der Impfstoffhersteller.

"Wenn wir etwas überzählig haben, werden wir das weitergeben", Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Ende des G7-Gipfels

Laut Merkel soll das spätestens im vierten Quartal passieren, wenn mehr Impfstoff von den Firmen geliefert werden solle, als für die Impfungen der Menschen in Deutschland nötig ist. Der Weg aus der Pandemie, so die Kanzlerin weiter, sei der Impfstoff - deshalb seien sich die G7-Staaten einig, dass man den Zugang aller zu den Impfstoffen sicherstellen müsse.

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Die G7-Staaten werden laut Bundeskanzlerin Angela Merkel ärmeren Ländern bis Ende 2022 2,3 Milliarden Corona-Impfdosen liefern.

Großbritanniens Ex-Premier Brown: G7-Gipfel ist verpasste Chance

Mehr Unterstützung für ärmere Länder bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie war einer der zentralen Punkte auf der Tagesordnung beim G7-Gipfel in Cornwall. Harsche Kritik an der Corona-Politik der G7 äußerte zuletzt Großbritanniens Ex-Premierminister Gordon Brown. "Dieser Gipfel wird als unverzeihliches moralisches Versagen in die Geschichte eingehen", so Brown im Sender Sky News. "Als wir elf Milliarden Impfdosen brauchten, haben wir einen Plan für eine Milliarde angeboten bekommen." Es sei außerdem unklar, wie genau die Impfungen verteilt werden sollen.

Entwicklungsorganisationen fordern Klarheit über Impfspenden

Auch Entwicklungsorganisationen fordern "mehr Klarheit" über die Verteilung der Impfspenden. Im Kurznachrichtendienst Twitter zitiert das Kinderhilfswerk UNICEF Deutschland die Exekutivdirektorin von UNICEF, Henrietta H. Fore: "Wir begrüßen großzügige Impfstoffspenden, aber wir benötigen sie rasch."

WHO-Impfprogramm stockt

Da die reichen Länder den Markt leergekauft haben und Indien wegen der schlimmen Infektionswelle im eigenen Land einen Exportstopp verhängt hat, kann die internationale Impfplattform Covax trotz der gemachten Finanzzusagen nicht genug Impfstoffe besorgen, um sie an arme Länder zu verteilen. Covax hatte bis Sonntag erst 83 Millionen Impfdosen an 131 Länder ausgeliefert.

Umweltaktivisten kritisieren: Klimaschutzpläne greifen zu kurz

Bei den Beratungen in Cornwall stand auch der Klimaschutz auf der Tagesordnung. Die G7-Staaten wollen laut Entwurf beschließen, bis 2030 mindestens 30 Prozent der Land- und Meeresflächen der Erde unter Schutz zu stellen. Außerdem sollen sich die Teilnehmerstaaten selbst verpflichten, ihre CO2-Emissionen bis 2030 im Vergleich zum Jahr 2010 fast zu halbieren. Klimaschützer kritisieren, diese Pläne brächten zu wenige Fortschritt und seien nur Bekräftigungen früherer Versprechen.

Globaler Infrastrukturplan als Gegengewicht zur "neuen Seidenstraße"

Desweiteren soll in Cornwall auf Initiative von US-Präsident Joe Biden ein Infrastruktur-Plan der führenden westlichen Industrienationen als Gegengewicht zu Chinas "neuer Seidenstraße" beschlossen werden: Mittel für Infrastrukturprojekte in ärmeren Ländern. Die Unterstützung ist als Maßnahme gedacht, um Chinas geopolitischen Einfluss zu bremsen.

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