BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: stock.adobe.com/adydyka2780

In Paris einigten sich vor fünf Jahren 195 Länder, dass die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad begrenzt werden soll im Vergleich zu 1990. Doch wenn es so weitergeht wie jetzt, wird man dieses Ziel nicht erreichen. Auch Deutschland muss mehr tun.

54
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Fünf Jahre Pariser Klimaabkommen: Ziele allein reichen nicht

In Paris einigten sich vor fünf Jahren 195 Länder, dass die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad begrenzt werden soll im Vergleich zu 1990. Doch wenn es so weitergeht wie jetzt, wird man dieses Ziel nicht erreichen. Auch Deutschland muss mehr tun.

54
Per Mail sharen
Von
  • Sophie von der Tann

Schon jetzt ist die Erde im Durchschnitt 1,2 Grad wärmer als 1990. Das Pariser Klimaabkommen sieht vor: Die Temperaturen sollen nicht höher klettern als maximal zwei Grad, möglichst sogar nicht höher als 1,5 Grad. Doch das UN-Umweltprogramm rechnet bis Ende des Jahrhunderts mit drei Grad Erderwärmung. Eine bittere Bilanz, findet Ottmar Edenhofer, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Man sei noch weit entfernt vom Scheitelpunkt bei den Treibhausgasemissionen. Die Pariser Klimaziele rücken damit in die Ferne.

Corona-Krise nur eine Delle in der Klimakurve

In Deutschland sind die Treibhausgasemissionen zwar deutlich zurückgegangen seit 1990. Das Ziel für dieses Jahr – 40 Prozent weniger Treibhausgase zu produzieren – kann sogar noch erreicht werden. Allerdings nur wegen der Corona-Krise, in der mehr Menschen im Homeoffice sind, weniger reisen, viele Fabriken im ersten Lockdown stillstanden. Doch Corona wird nur eine Delle sein in der Kurve der Treibhausgasemissionen. Edenhofer rechnet damit, dass die Emissionen global nach der Krise wieder so stark steigen werden wie zuvor.

Deutschland "mittelmäßig" im Klimaschutzindex

Beim Klimaschutzindex hat sich Deutschland zwar leicht verbessert, liegt im Vergleich der emissionsstärksten Staaten aber immer noch im Mittelfeld - Einen Platz vor der Ukraine und einen nach Kroatien. Der Index wird angeführt von Schweden, Großbritannien und Dänemark. Dass Deutschland nur mittelmäßig abschneidet, liege vor allem daran, dass in verschiedenen Bereichen die Emissionen kaum oder gar nicht zurückgegangen seien, erklärt Christoph Bals. Er ist politischer Geschäftsführer der Umweltorganisation Germanwatch, die den Index mit herausgibt. So seien die Emissionen beim Verkehr genauso hoch wie 1990.

Zu viele Emissionen beim Verkehr und beim Heizen

Auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze von der SPD sieht im Bereich Verkehr und bei Gebäuden noch Handlungsbedarf. Energiewende bedeute auch, dass man im Bereich Wärme weg von Kohle und fossilen Energieträgern müsse. Damit Unternehmen und Verbraucher umsteigen auf klimafreundliche Alternativen, ist laut Ottmar Edenhofer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung ein Preis auf CO2 entscheidend. Ab 2021 soll der kommen. Diesel, Benzin und Heizöl werden dann teurer.

Die CO2-Preise für die Erzeugung von Strom könnten auch dafür sorgen, dass Kohlekraftwerke sich bald nicht mehr lohnen. Manfred Fischedick vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie geht davon aus, dass Kohlekraftwerke deshalb schon bis 2030 vom Netz gehen werden – also vor 2038, wie von der Regierung beschlossen.

Mehr Windräder und Solaranlagen nötig

Damit es aber weiterhin genug Strom gebe, müssten deutlich mehr Solar- und Windkraftanlagen gebaut werden, so Fischedick. In den letzten beiden Jahren seien die Zubauraten sehr drastisch gesunken. Diesen negativen Trend müsse man dringend umkehren und mindestens doppelt so viele Windräder und Solaranlagen bauen wie in den letzten zwei Jahren. Kommende Woche will der Bundestag ein Update des Erneuerbare-Energien-Gesetzes beschließen. Umweltverbände kritisieren: Die Ziele sind nicht hoch genug gesetzt, die geplanten Windräder und Solaranlagen werden nicht ausreichen.

Höheres EU-Klimaziel sorgt für mehr Druck

Dass Deutschland sich noch mehr in Sachen Klimaschutz anstrengen muss, ist spätestens klar, seit sie EU-Regierungschefs diese Woche beschlossen haben, dass alle EU-Länder insgesamt weniger Treibhausgase ausstoßen dürfen. Damit müssten auch die nationalen Klimaziele hochgesetzt werden, sagt Niklas Höhne, Leiter des NewClimate Institute. Heißt: Mehr Treibhausgase einsparen als bisher geplant. Denn das Klimapaket beruhe auf viel zu niedrigen Zielen und selbst dafür seien die Maßnahmen nicht ausreichend, so Höhne.

Möglich ist es noch, das 1,5 Grad-Ziel des Pariser Abkommens zu erreichen – dann dürften aber in den kommenden zehn Jahren auf der ganzen Welt nur noch halb so viel Treibhausgase ausgestoßen werden wie jetzt.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!​