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Friseure: So lief die Wiedereröffnung und das gilt jetzt | BR24

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Bei den Baumärkten und Gartencentern in Bayern hatte man sich auf einen Ansturm eingerichtet. Bishre sieht es aber ruhig aus. Reichlich zu tun haben heute viele Friseure - bei den meisten platzen die Terminkalender aus allen Nähten.

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Friseure: So lief die Wiedereröffnung und das gilt jetzt

Nach fast elf Wochen Lockdown haben viele bayerische Friseure bereits seit Montag ihre Salons wieder geöffnet. Die Terminkalender sind bei den meisten rappelvoll. Die Kunden sind froh über ein Stück wiedergewonnener Lebensqualität.

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Von
  • Tobias Burkert

Sonja Fischer ist Friseurmeisterin in Leinburg bei Nürnberg. Viele Titel hat sie in ihrem Beruf bereits "erschnitten". Jetzt könnte noch der für die vielleicht längste Arbeitszeit hinzukommen: In den kommenden drei Wochen will sie ihren Salon von 5 Uhr morgens bis nachts um 22 Uhr geöffnet lassen, rund 50 Kunden in zwei Schichten täglich zusammen mit ihrem Team frisieren.

Friseure: Alle wollen schnell einen Termin

Dabei geht es der Fränkin weniger um Geld als um den Servicecharakter. "Ich habe sehr viele Stammkunden, die zum Teil bis aus München nach Leinburg kommen, die warten alle auf einen schnellen Termin", so Fischer. Dafür stehe sie gern auch mal extra lang in ihrem Laden. Adrenalin dafür habe sie genug.

Endlich wieder schneiden zu dürfen, sei einfach das schönste Gefühl, da spüre sie keine Müdigkeit, auch wenn sie in der Nacht vor der Wiedereröffnung kein Auge zugemacht habe. Das Telefon klingelt nonstop, außerdem kommen die Terminanfragen quasi alle fünf Minuten per Whatsapp oder E-Mail. Jeder käme dran, verspricht Sonja Fischer, früher oder eben später.

Strenge Hygiene-Auflagen beim Friseur

Sonja Fischer kann mehrere Personen gleichzeitig in ihrem Salon bedienen. Bei 250 Quadratmetern Ladenfläche sind die dafür die geforderten Mindestabstände von 1,5 Metern gut einzuhalten. Die dürfen nur während des Schnittes unterschritten werden.

Um die Situation zu entzerren, hat sie einen zusätzlichen Platz im Untergeschoss eingerichtet. Am Nachmittag ist es so warm, dass sie zwei Kunden sogar auf der Terrasse schneidet. Anfangs sei es schon ein wenig chaotisch gewesen, aber im Laufe des Tages habe sich das alles schnell eingespielt, so die Friseurmeisterin.

Pandemie-Alltag mit FFP2-Maske und ohne Smalltalk

Neu sei, dass sich jeweils nur ein Friseurmitarbeiter nah am Kunden aufhalten dürfte – da sei die Absprache mit den Kolleginnen wichtig. Wer geschnitten oder gefärbt werden will, muss laut Verordnung eine FFP2-Maske tragen, beim Personal hingegen reichen auch medizinische Masken. Außer es handelt sich um "gesichtsnahe" Tätigkeiten wie Make-Up oder Bartpflege, dann benötigen auch die Beschäftigten eine FFP2 Maske.

Jeder Kunde muss sich mit Uhrzeit und seinen Kontaktdaten in eine Liste eintragen. Irgendwie wirkt alles schon sehr gewohnt für die meisten. Pandemie-Alltag sozusagen, auch das regelmäßige Lüften. Was fehlt, ist der obligatorische Kaffee beim Friseur, der ist Tabu. Auch netter Smalltalk während des Schnittes sollte unterbleiben, um nicht unnötig Aerosole zu verbreiten.

Friseurbesuch: Ein Gewinn an Lebensqualität

Trotz der Umstände ist die Laune bei den meisten Kunden in Leinburg bestens. Von wiedergewonnener Lebensqualität spricht eine Frau mit gesträhnter Kurzhaarfrisur, die längst nicht mehr richtig kurz ist. Ein Nürnberger Anwalt, der gleich vor Gericht erscheinen muss, bezeichnet seinen Haarschnitt als ein "kleines Stück wiedererlangter Würde" und dankt schmunzelnd dem bayerischen Ministerpräsidenten.

Ein junger Mann nutzt den früh ergatterten Termin sogar zum kompletten "making over". Eine Dauerwelle soll es werden, wenn die Haare schon mal lang genug dafür seien. Genug Zeit für dieses Umstyling habe er mitgebracht.

Viele Friseure erhöhen die Preise

Bei vielen Friseurgeschäften sind bereits nach dem ersten Lockdown die Preise gestiegen, um den Mehraufwand durch die Auflagen zu kompensieren. Generell sei jetzt mit Preiserhöhungen zu rechnen, denn viele Friseure würden ihre Preise neu kalkulieren aufgrund der bestehenden Schutz- und Hygieneauflagen, so der Landesinnungsmeister des bayerischen Friseurhandwerks, Christian Kaiser.

Sein Blick in die Zukunft der Branche ist wenig rosig: Jedem vierten Salon in Bayern drohe die Schließung. Bei vielen Betrieben seien die Corona-Hilfen noch nicht angekommen. Wer überleben wird, zeige sich im kommenden Dreiviertel-Jahr.

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