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Merz und Röttgen halten Kanzlerkandidaten Söder für möglich | BR24

© REUTERS/Hannibal Hanschke/Pool

Archivbild: Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder

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    Merz und Röttgen halten Kanzlerkandidaten Söder für möglich

    Ungewöhnliche Töne von zwei Bewerbern um den CDU-Vorsitz: Laut Norbert Röttgen müsste der neue Parteichef auch einen Kanzlerkandidaten aus der CSU unterstützen, für Friedrich Merz ist ein Kandidat Markus Söder zumindest "denkbar".

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    Die Entscheidung soll erst in rund einem halben Jahr fallen, dennoch nimmt die Debatte über den Kanzlerkandidaten der Union Fahrt auf. Nach Meinung des CDU-Außenpolitikers und Bewerbers für den Parteivorsitz, Norbert Röttgen, muss der neue CDU-Vorsitzende bereit sein, gegebenenfalls eigene Ambitionen zurückzustellen und auch einen Kanzlerkandidaten aus der CSU zu unterstützen.

    "Ich habe von Anfang an gesagt, dass ein CDU-Vorsitzender den Willen und den Anspruch haben muss, Kanzler zu werden", sagte Röttgen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Aber er müsse, falls notwendig, eben auch die andere Rolle annehmen, also Vorsitzender sein und nicht Kanzlerkandidat. "Ein CDU-Vorsitzender, der das nicht will oder kann, wäre der Falsche", betonte der Bundestagsabgeordnete.

    Röttgen: CSU-Kanzler als Merkel-Nachfolger wäre "Riesenleistung"

    Im Dezember will die CDU auf einem Parteitag einen neuen Vorsitzenden wählen, anschließend wollen CDU und CSU darüber beraten, wer die beiden Parteien als Kanzlerkandidat in den Bundestagswahlkampf führen soll. Laut Umfragen favorisieren die meisten Wähler Söder als Kanzlerkandidaten der Union. Der CSU-Chef ist im Zuge der Corona-Krise zu einem der beliebtesten Politiker in Deutschland aufgestiegen.

    Fest stehe, sagte Röttgen, dass sich CDU und CSU auf einen Kandidaten verständigen müssten. "Der CDU-Vorsitzende muss in beiden Konstellationen die Interessen seiner Partei vertreten können." Sollte die Union mit einem CSU-Politiker in den Wahlkampf ziehen und gewinnen, wäre es laut Röttgen eine "Riesenleistung": "Wenn ein CSU-Kandidat gewinnen würde, dann hätten wir es geschafft, nach 16 Jahren CDU-Kanzlerschaft gleich wieder einen Unionspolitiker ins Kanzleramt zu bringen." Den Wettbewerb um den Parteivorsitz hält Röttgen nach eigenem Bekunden derzeit für völlig offen.

    Merz: Kanzlerkandidat Söder "denkbar"

    Anders als in vorherigen Interviews wollte der CDU-Wirtschaftspolitiker Friedrich Merz in der ZDF-Sendung "Markus Lanz" eine Kandidatur Söders nicht ausschließen. Auf die Frage nach einem Kandidaten Söder sagte er: "Denkbar, klar."

    Darüber, ob es einen Kanzlerkandidaten Söder unter einem CDU-Chef Merz geben könne, denke er aber gar nicht nach, versicherte er. "Ich denke darüber nach, was wir am 4. Dezember in Stuttgart auf dem Bundesparteitag der CDU machen, und da werden wir einen Vorsitzenden wählen." Vor vier Wochen hatte Merz in der "FAZ" noch betont, er sehe Söder nicht als Konkurrenten um die Kanzlerkandidatur: "Ich nehme seine Äußerung ernst, dass er in Bayern bleiben will."

    Merz sieht "historische Argumente" für einen CDU-Kandidaten

    Nach Meinung von Merz müssen Kandidat, Themen und Zeit zusammenpassen. Darüber würden die Vorsitzenden von CDU und CSU gemeinsam beraten und einen Vorschlag für die beiden Parteivorstände machen.

    Er deutete allerdings an, dass er es für sehr wahrscheinlich hält, dass der neue CDU-Vorsitzende auch Kanzlerkandidat der Union wird - dafür gebe historisch einige Argumente: "Kanzlerkandidaten der CSU hat es immer nur dann gegeben, wenn die CDU mit ihren Vorsitzenden sehr unzufrieden war. Und ich unterstelle mal, dass das wahrscheinlich zum Jahreswechsel 2020/2021 nicht der Fall sein wird."

    Söder: Falscher Zeitpunkt für Spekulationen

    Auch Söder stellte einmal mehr klar, dass über die Kanzlerkandidatur "in der Union traditionell beide Parteien gleichberechtigt" entscheiden. Er werde als CSU-Vorsitzender natürlich seinen Beitrag leisten, sagte Söder der "Augsburger Allgemeinen". Sein eigener Platz sei in Bayern.

    Unabhängig davon sei jetzt nicht der Zeitpunkt, über den Kanzlerkandidaten zu spekulieren. "Das wirkt wie eine Fußballmannschaft, die nach einer 2:0-Führung zur Halbzeit sagt, wir stellen das Spielen ein und reden bereits über die nächste Saison", warnte Söder.

    Unions-Fraktionsvize verlangt von Söder Klarheit

    Unions-Fraktionsvize Carsten Linnemann (CDU) stellte den bisherigen Zeitplan dagegen in Frage: Seiner Meinung nach sollte Söder schon vor dem CDU-Parteitag erklären, ob er bei der Bundestagswahl im September 2021 Kanzlerkandidat der Union werden wolle oder nicht. "Diese Frage müssen wir vor dem CDU-Bundesparteitag im Dezember mit der CSU klären und nicht erst im Januar", sagte er Angang der Woche dem Bielefelder "Westfalen-Blatt". "Es geht zwar um die Wahl des neuen CDU-Vorsitzenden, aber in Wahrheit geht es um den Kanzlerkandidaten der Union." Die CDU-Delegierten sollten bereits wissen, ob Söder konkret Interesse an der Kanzlerkandidatur habe.

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