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Friedrich Merz: Der Konservative - ein Porträt | BR24

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Friedrich Merz, Kandidat für den CDU-Parteivorsitz

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Friedrich Merz: Der Konservative - ein Porträt

Lange war Friedrich Merz der Favorit im Rennen um den CDU-Parteivorsitz. Sein Versprechen: eine starke Führung, klare, konservative Konturen. Jetzt bröckelt die Zustimmung. Ein Porträt des Kandidaten von Nina Landhofer.

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Von
  • Nina Landhofer

Die Konkurrenten Armin Laschet und Norbert Röttgen liegen laut Umfragen zwar noch hinter ihm, doch immer mehr Stimmen sprechen sich gegen Friedrich Merz aus: Die Frauen-Union hat sich ebenso gegen ihn positioniert, wie der hessische Ministerpräsident Bouffier mit mächtigem Landesverband im Rücken oder Bundesbildungsministerin Anja Karliczek. Es könnte doch noch knapp werden.

Schwarz-Grün mit dem Konservativen Friedrich Merz?

In der Klimapolitik fordert Friedrich Merz schnelles Handeln, durch eine ökologische Erneuerung der Marktwirtschaft. Seine Vorschläge bleiben dabei vage – wohl auch, um sich eine Koalition mit den Grünen nicht zu verbauen. Die erscheint möglich, aber schwierig, denn in vielen anderen Politikfeldern passt Merz nicht zu den Grünen.

Mit dem Begriff der "Leitkultur" hatte Friedrich Merz im Jahr 2000 eine Debatte um Integration entfacht und sie im Wesentlichen geprägt. Klare Kante fordert er deshalb beim Thema Zuwanderung - notfalls auch mit Grenzschließungen. Auch bei anderen innenpolitischen Themen hat sich Merz immer sehr konservativ positioniert: Etwa, als er gegen eine Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe stimmte. Viele Frauen in seiner Partei haben ihm das bis heute nicht verziehen.

Politisches Comeback von Merz nach gut elf Jahren?

Vor zwei Jahren startete der gebürtige Sauerländer mit seiner Kandidatur für den CDU-Parteivorsitz das erste Mal ein Comeback nach seinem politischen Rückzug vor gut elf Jahren. Als Angela Merkel bekannt gab, nicht mehr für den CDU-Vorsitz zu kandidieren, war Merz der erste, der die Hand hob. Kritiker sehen darin bis heute darin Rachefeldzug: gegen die Frau, die ihn ins politische Aus manövrierte und damit indirekt für seinen Rückzug aus der Politik 2009 verantwortlich war. Bei seinem ersten Comeback-Versuch unterlag er knapp Annegret Kramp-Karrenbauer.

Diesmal hielt sich der mittlerweile 65-jährige lange zurück, bis er seine Kandidatur bestätigte. Tarierte aus, beobachtete, wer den Hut ins Rennen warf. Im Gegensatz zu Armin Laschet (zum Porträt), der gemeinsam mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ein Team bildet, erhebt er aber den alleinigen Anspruch auf die Parteispitze und gilt nicht als Teamplayer.

Friedrich Merz - der Merkel-Gegner

Im Jahr des Mauerfalls ging Merz in die Politik – wurde erst Europa-Abgeordneter, später saß er im Bundestag, dann sogar Fraktionsvorsitzender, wenn auch nur für zwei Jahre. Dann drängt ihn Angela Merkel aus dem Amt, überlässt ihm nur den Vizeposten. Seitdem liegen die beiden im Clinch. Vom Hoffnungsträger zum Merkel-Gegner.

Seit 2009, nach dem Rückzug aus der Politik, war er Anwalt in einer internationalen Kanzlei und Vorsitzender mehrerer Aufsichtsräte.

Friedrich Merz - der Populist

Die Chancen, neuer Vorsitzender der CDU zu werden, stehen nicht schlecht: die großen süddeutschen Landesverbände haben sich mehrheitlich für ihn ausgesprochen, auch die Junge Union. Allerdings steht sich der Vater dreier erwachsenden Kinder gern selbst im Wege: Dann poltert der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende der Investmentgesellschaft BlackRock los, spricht etwa von Neidsteuer wenn es um eine höhere Besteuerung der Vermögenden geht.

Dass er damit polarisiert, finden seine Befürworter gut. Hauptsache weg von der politischen Mitte einer Angela Merkel.

Chancen und Risiken von einem CDU-Vorsitzenden Merz

Damit ist Merz aber selbst sein größter Gegner, immer dann wenn er über das Ziel hinausschießt: als er zum Beispiel auf die Frage, was er von einem homosexuellen Bundeskanzler hielte, auf Pädophilie zu sprechen kam. Auch seine Frauenwitze, herablassende Äußerungen gegenüber Fridays for Future oder Hartz IV–Empfängern schüren die Angst, dass dies der wahre Merz sein könnte, der der Partei damit das Genick bricht.

Vor den Frauen zumindest muss er sich in Acht nehmen – die haben ihm schon 2018 den Partei-Vorsitz vermasselt.

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Die CDU bestimmt an diesem Wochenende über ihre künftige Führung. Drei Kandidaten stellen sich zur Wahl: NRW-Ministerpräsident Laschet, der Außenpolitiker Röttgen und Ex-Fraktionschef Merz. Einen klaren Favoriten gibt es nicht.

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