Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt
Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt

Friedrich Merz: Aus der Finanzwelt zurück in die Politik | BR24

© pa / dpa / Jens Büttner

Friedrich Merz

Per Mail sharen

    Friedrich Merz: Aus der Finanzwelt zurück in die Politik

    Mit der geplanten Rückkehr von Friedrich Merz in die Politik wird die Kritik lauter: Seine Gegner vermuten Interessenkonflikte. Denn der Jurist hat in der Finanzbranche Karriere gemacht.

    Per Mail sharen

    Wirtschaft und Finanzen waren schon immer die Themen, mit denen sich Friedrich Merz am meisten befasste - auch in seiner Zeit als aktiver Politiker. So leitete er bereits Mitte der 90er-Jahre eine Steuerreformkommission und wurde danach Obmann im Finanzausschuss des Bundestags. Doch schon länger hat sich der Jurist aus dem tagespolitischen Geschäft zurückgezogen und arbeitet stattdessen verstärkt in der Finanzbranche.

    Parallel-Job als Fusionsexperte

    Von 2005 bis 2009, während Angela Merkels erster Kanzlerschaft, war Merz zwar noch Mitglied im Bundestag. Aber schon damals arbeitete er parallel für eine internationale Anwaltskanzlei. Er half Unternehmen, bei Fusionen rechtliche Fragen zu klären - eine klassische Aufgabe von Investmentbankern. Schon damals gab es allerdings immer wieder Kritik daran, dass seine Beratertätigkeit zu Interessenkonflikten mit seiner Rolle als Abgeordneter führen würde.

    Karriere in der Finanzwelt

    2006 klagte Merz zusammen mit anderen Abgeordneten gegen die vom Bundestag beschlossene Veröffentlichungspflicht von Nebeneinkünften. Diese Klage wurde allerdings 2007 vom Bundesverfassungsgericht abgewiesen.

    Im Jahr 2009 beschloss Merz, sich gänzlich aus der Politik zurückzuziehen, und nannte als Grund unter anderem seine beruflichen Pläne. Zu dieser Zeit nahm Merz' Karriere in der Finanzwelt weiter Fahrt auf, mitten in der Finanzkrise. Der Bankenrettungsfonds, die sogenannte SoFFin, gab ihm den Auftrag, die kriselnde WestLB zu verkaufen. Laut Medienberichten sollte Merz für diesen Job 5.000 Euro pro Tag bekommen. Derartige Tagessätze sind für hochrangige Finanzberater nicht unüblich - trotzdem musste sich Merz auch dafür viel Kritik anhören.

    Dennoch blieb der Jurist weiterhin umtriebig: Zwischenzeitlich hatte er rund 20 Aufsichtsratsmandate verschiedener Unternehmen inne.

    Chefaufseher bei Blackrock

    Seit gut zwei Jahren nun ist er Chefaufseher bei Blackrock Deutschland. Blackrock gilt als der größte Vermögensverwalter der Welt und verwaltet über sechs Billionen US-Dollar. Zu seinen Kunden zählen Pensionskassen, Stiftungen, Versicherungen und Staatsfonds. Außerdem ist Blackrock Marktführer bei Indexfonds - Fonds also, die die Wertentwicklung eines Aktienindex nachbilden und eine vergleichsweise preisgünstige Möglichkeit bieten, in Aktien zu investieren.

    1988 in den USA als kleiner Anleihehändler gestartet, ist Blackrock heute an US-Banken, Ölgiganten und Konsumgüterkonzernen wie Nestlé oder Apple beteiligt. Auch an vielen deutschen Dax-Konzernen hält der Vermögensverwalter Anteile.

    Kritik von Ökonomen

    Diese Machtfülle stößt zunehmend auf Kritik: Manche Ökonomen wie Inigo Fraser-Jenkins, Analyst beim Vermögensverwalter Bernstein, warnen, dass solche Indexfonds, wie auch Blackrock sie anbietet, eine neue Finanzkrise auslösen könnten. Andere kritisieren, dass das hohe Geldvermögen von Blackrock dem Vermögensverwalter zu viel Mitsprache in politischen und unternehmerischen Belangen ermöglicht.

    Rückkehrer in die Politik sind selten

    Dass Top-Manager aus der Finanzwelt in die Politik wechseln, ist in Deutschland bisher die absolute Ausnahme. In den USA dagegen kommt das häufiger vor: Der aktuelle US-Finanzminister Steven Mnuchin zum Beispiel war über 15 Jahre lang Investmentbanker bei Goldman Sachs. Dort wird so etwas toleriert, teils sogar wertgeschätzt, weil Wissen aus der Praxis in der Politik genutzt werden kann.

    Hierzulande ist die Perspektive dagegen meist eine andere: Eine Kandidatur von Friedrich Merz als Parteivorsitzender würde sicherlich ein weiteres Mal für Kritik sorgen, weil Interessenkonflikte befürchtet werden.