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Friedensgespräche für Afghanistan begonnen | BR24

© picture alliance / Xinhua News Agency

Eintreffen von Abdullah Abdullah dem Vorsitzenden des Rates der Friedensgespräche

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    Friedensgespräche für Afghanistan begonnen

    Zu Beginn der Friedensverhandlungen zwischen den Taliban und der afghanischen Regierung haben die Beteiligten ihren Willen bekräftigt, zu einer Lösung zu kommen. Doch das Misstrauen auf beiden Seiten sitzt nach wie vor tief.

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    Fast zwei Jahrzehnte nach der US-geführten Militärinvasion in Afghanistan haben in Katar innerafghanische Friedensgespräche begonnen. Delegationen der Taliban und der Regierung Afghanistans kamen in Doha für eine Eröffnungszeremonie zusammen.

    Die Auftaktsitzung wurde von Katars Außenminister Scheich Mohammed bin Abdul Rahman al-Thani eröffnet. Neben ihm waren auch der UN-Sonderbeauftragte für Afghanistan, Zalmay Khalilzad, und Mike Pompeo anwesend. Der US-Außenminister forderte die Verhandlungsparteien nachdrücklich zum Abschluss eines Friedensvertrags auf. "Ich kann nicht entschlossen genug darauf dringen, diese Gelegenheit zu nutzen", sagte Pompeo. "Wir hoffen, dass dieses Kapitel eines der Versöhnung und des Fortschritts ist und nicht eine weitere Chronik der Tränen und des Blutvergießens."

    Ziel: dauerhafter Frieden

    Der Vorsitzende des Hohen Rats für Versöhnung, Abdullah Abdullah, bezeichnete den Beginn der Friedensgespräche in dem Emirat als einen Moment, der in Afghanistans Geschichte als Ende der Gewalt eingehen wird. "Wir sind mit gutem Willen und in guter Absicht hierher gekommen, um das 40-jährige Blutvergießen zu beenden und einen landesweiten und dauerhaften Frieden zu erreichen", sagte Abdullah.

    Viel Misstrauen

    Beide 21-köpfigen Teams hatten sich in den vergangenen Wochen akribisch vorbereitet. Der Beginn der Gespräche war mit großen Hoffnungen verbunden. Die Regierung hat einen Waffenstillstand als Forderung zur obersten Priorität erklärt, doch Experten zweifeln an einer schnellen Umsetzung. Am Rande der Veranstaltung wurde immer wieder betont, dass noch viel Misstrauen zwischen den Konfliktparteien herrsche.

    Das Morden geht weiter

    Der vielleicht größte Streitpunkt ist die anhaltende Gewalt: Fast täglich kommt es noch zu Anschlägen und Angriffen. Erst Anfang der Woche war Vizepräsident Amrullah Saleh nur knapp einem Attentat entgangen. Zum anderen geht es um die Rolle der Frauen und die Verfassung des künftigen Afghanistans. Die Taliban wollen am Liebsten wieder ein islamisches Emirat errichten, mit der Scharia anstelle der jetzt geltenden Verfassung der Islamischen Republik Afghanistan.

    Und auch der vereinbarte Gefangenenaustausch sorgt für Diskussionen. So wurden inzwischen fast alle Taliban-Kämpfer freigelassen und die besonders gefährlichen Anführer, denen schwere Anschläge mit vielen Toten vorgeworfen werden, wurden sogar mit nach Doha gebracht. Wie diese verurteilten Straftäter künftig in die Gesellschaft zu integrieren sind, wird einer der Knackpunkte der Verhandlungen sein.

    US-Truppenabzug vereinbart

    Ein Abkommen der Taliban mit den USA von Ende Februar verpflichtet die Islamisten zur Aufnahme der Friedensverhandlungen. Die Vereinigten Staaten wollen im Gegenzug ihre Soldaten abziehen; erst am Donnerstag kündigte US-Präsident Donald Trump einen weiteren Truppenabbau an. Dass die Gespräche nun begonnen haben, ist das wichtigste Zugeständnis, dass die Amerikaner den Taliban im Gegenzug für ihren Abzug abringen konnten.

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