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#FridaysForFuture: Beleg für neue Politisierung der Jugend?! | BR24

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Tausende Schüler und Schülerinnen sind heute während der Unterrichtszeit für eine andere Klimapolitik auf die Straßen gegangen. Sie schlossen sich damit der Idee der 16-jährigen Klima-Aktivistin Greta Thunberg aus Schweden an.

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#FridaysForFuture: Beleg für neue Politisierung der Jugend?!

In einigen bayerischen Städten haben wieder Schüler für mehr Klimaschutz demonstriert. Die Aktionen laufen unter dem Motto "#FridaysforFuture". Werden junge Menschen wieder politischer? Forscher sind skeptisch.

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Der Deggendorfer Schuldirektor und Präsident des Deutschen Lehrerverbandes Heinz-Peter Meidinger plädiert dafür, nicht mit Verweisen, sondern mit Diskussionsrunden auf Schulschwänzer zu reagieren, die an den Klima-Demonstrationen teilgenommen haben. Damit schlägt er einen Weg vor, den viele Jugendforscher und Politologen unterstützen.

Keine Demokratie ohne die jungen Menschen

Demokratie ist vor allem auch auf die Jungen angewiesen, das geht unter anderem aus einem Thesenpapier des Bundesjugendkuratoriums hervor, das im Auftrag der Bundesregierung Fragen der Kinder- und Jugendpolitik erörtert. Die Jugend gerät zahlenmäßig immer mehr in die Minderheit.

Daraus ergeben sich Probleme für das demokratische System: Einerseits seien Jugendliche in ihren Mitsprachemöglichkeiten eingeschränkt und schafften es nicht, relevante Themengebiete auf die politische Tagesordnung zu hieven. Andererseits sei es wichtig, Jugendliche an demokratische Entscheidungsprozesse heranzuführen, um die Teilhabe von allen zu ermöglichen. Politische Prozesse benötigen einen breiten Diskurs in der Gesellschaft, um Demokratie erlebbar zu machen und damit zu stabilisieren.

Jugend nicht immer unpolitischer

Die Annahme, dass Jugendliche in den letzten Jahrzehnten immer unpolitischer geworden seien, können Jugendforscher so nicht bestätigen. Durch die Digitalisierung sind die Formen des Engagements allerdings pluralistischer geworden. Wenn früher politisches Engagement durch eine bestimmte Parteizugehörigkeit ausgedrückt wurde, äußern sie sich heute anderswo, etwa digital in den sozialen Medien, oder projektbezogener als früher.

Politisches Engagement ist gezielter

Studien zeigen, dass das Engagement punktueller ist als früher, aber deshalb nicht weniger bedeutungsvoll. Auch soziales Engagement, etwa in der Flüchtlingshilfe oder einer Hausaufgabenbetreuung, kann gleichzeitig auch politisches Interesses sein. Ganz wichtig sei auch die Frage, ob Kindern, etwa durch Kindergemeinderäte oder Mitbestimmungsrechte an den Schulen, der Weg offen stünde, sich politisch und demokratisch auszuprobieren.

Sicherlich ist es zu früh, zu beurteilen, ob die aktuellen Proteste der Auftakt zu einer neuen Politisierung der Jugend sind. Zumindest aber fügen sie sich in eine aufkeimende Demonstrations- und Mitmisch-Kultur des letzten Jahres ein. Ob Großdemonstrationen gegen das Polizeiaufgabengesetz, die CSU, das bayerische Psychiatriegesetz oder gegen Rechtsextremismus – der Wille, sich politisch zu äußern und für die eigene Meinung auf die Straße zu gehen, ist vergangenes Jahr grundsätzlich hoch gewesen.

Jugendforscher beobachten nun gespannt, ob bestimmte Gruppierungen innerhalb der Jugendszene dadurch motiviert sind, weiterhin politisch aktiv zu bleiben.