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Fridays for Future: Wer demonstriert da eigentlich? | BR24

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Die einen kritisieren die Jugendlichen fürs Schulschwänzen. Andere feiern sie als neue Protestgeneration. Heute gehen wieder Tausende auf die Straße. Doch wer demonstriert da eigentlich genau? Und warum? Das beantwortet eine erste Studie.

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Fridays for Future: Wer demonstriert da eigentlich?

Die einen kritisieren die Jugendlichen fürs Schulschwänzen. Andere feiern sie als neue Protestgeneration. Heute gehen wieder Tausende auf die Straße. Doch wer demonstriert da eigentlich genau? Und warum? Das beantwortet eine erste Studie.

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Sie sind jung, weiblich und häufig zum ersten Mal auf einer Demo – so die ersten Erkenntnisse einer Befragung, die Forscher des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung und des Forschungszentrums Socium der Universität Bremen durchgeführt haben.

Viele Demonstranten weiblich, gebildet und zum ersten Mal auf einer Demo

Laut der Umfrage sind mehr als die Hälfte der Demonstranten bei "Fridays for Future" Frauen. Das sei ungewöhnlich, sagt Prof. Dieter Rucht, emeritierter Soziologieprofessor und Vorstandsmitglied am Institut für Protest- und Bewegungsforschung. Normalerweise seien auf Demonstrationen mehr Männer als Frauen.

Umfrage im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung

Die Forscher haben im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung Umfragen durchgeführt – knapp 700 Teilnehmer der Demonstrationen wurden befragt, davon die Hälfte online und die andere Hälfte vor Ort bei Demonstrationen in Berlin und Bremen. Da sich die Ergebnisse der beiden Umfrageformen weitgehend decken, halten die Forscher sie für "annähernd repräsentativ".

Die meisten Demonstranten sind zwischen 14 und 19 Jahren alt. Zu jüngeren Demonstranten haben die Forscher keine Angaben, da sie aus rechtlichen Gründen nur Jugendliche über 14 Jahren befragt haben. Darüber hinaus kommt die Mehrheit der Demonstranten aus einem akademischen Elternhaus und hat Abitur oder strebt es an.

Schüler wollen Zukunft jetzt gestalten

Auf die Frage, warum die Schüler demonstrieren, kam häufig das Stichwort "Zukunft". Laut Sabrina Zajak, Juniorprofessorin für soziale Bewegungen an der Ruhr-Universität Bochum, gehe es den Jugendlichen dabei vor allem darum, "die Zukunft ins Hier und Jetzt" zu holen. Sie wollten handeln und sähen auch sich selbst in der Verantwortung, ihr Konsumverhalten zu ändern. So gäben viele an, dass sie gezielt nachhaltige Produkte kaufen und Energie sparen.

© pa/dpa/Sachelle Babbar

Fridays-for-Future-Demo in München, Januar 2019

Die meisten identifizieren sich mit keiner politischen Partei

Bei Politikern und Unternehmen sehen die Demonstranten allerdings wenig Lösungskompetenz. Zwar schätzen sich die meisten Jugendlichen bei Fridays for Future als politisch links ein, identifizieren sich aber mit keiner politischen Partei. Falls sie sich doch einer Partei zuordnen, dann den Grünen (36 Prozent) oder den Linken (12 Prozent). Gerade einmal 1,5 Prozent identifizieren sich mit der CDU und 3,2 Prozent mit der SPD.

Ein Ende der Volksparteien sieht Zajak darin aber noch nicht:

"Ich denke, was sie sehen wollen, ist Handeln - und das vermuten sie in dem Bereich eher bei den Grünen und bei den Linken. Aber was man schon sagen kann: Wenn die großen Parteien da nicht aktiv werden und handeln, dann ist das natürlich problematisch." Prof. Sabrina Zajak, Institut für Protest- und Bewegungsforschung

Neue Form der Protestkultur

Laut Zajak zeigen die Fridays-for-Future-Demonstrationen auch, dass sich die Protestformen geändert haben. Während zum Beispiel die Demonstrationen in der 68er-Generation von den Universitäten auf die Schulen übergeschwappt seien, sei nun die Schule selbst der Ursprung der Proteste.

Außerdem sei es neu, dass weltweit Jugendliche für das gleiche Thema auf die Straße gingen. Das liege natürlich auch daran, dass der Klimawandel ein globales Problem ist, das sich überall bemerkbar macht. Von einer neuen Protestgeneration würde Rucht allerdings nicht sprechen. Das sei zu verallgemeinernd:

"Hier ist ein kleiner Teil einer Generation aktiv geworden, das wird auch Spuren hinterlassen, aber viele sind davon überhaupt nicht berührt. Die interessieren sich weder für Klimaschutz, noch für die Demonstrationen, noch für Umweltschutz im Allgemeinen." Prof. Dieter Rucht, Institut für Protest- und Bewegungsforschung.

Interessant ist, dass die Jugendlichen laut Studie zwar enttäuscht sind von den politischen Entscheidungsträgern. Zugleich sind sie aber optimistisch, dass sich der Klimawandel eindämmen lässt.