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Fridays for Future verbündet sich mit dem Kirchentag | BR24

© BR / Johannes Reichhard

Heinrich Bedford-Strohm, der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland im Gespräch mit Luisa Neubauer von Fridays for Future

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    Fridays for Future verbündet sich mit dem Kirchentag

    Dieser Kirchentag unter dem Motto "Vertrauen" ist geprägt von Themen wie Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Doch nicht nur die Schals sind grün. Luisa Neubauer warb für ein Bündnis der Fridays for Future-Bewegung mit den Kirchen.

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    Experte: Der Erfolg des weiltweiten Klimaschutzes hängt an Deutschland

    Wenn Deutschland als viertgrößte Wirtschaftsmacht der Welt beim Klimaschutz scheitert – dann ist es unwahrscheinlich, dass die Welt erfolgreich ist im Klimaschutz, sagt der Direktor des Potsdam Instituts für Klimafolgenfoschung Johan Rockström, aber wenn Deutschland die Umkehrung der bisherigen Wirtschaftslogik gelingt, dann kann das etwas bewegen, damit die ganze Welt erfolgreich wird bei der Begrenzung des KLimwandels.

    Kirchentag trägt ein Biosiegel

    Applaus für den Klimaforscher in der übervollen Messehalle. Und nein, ,schämen muss sich der Evangelische Kirchentag nicht, er ist die einzige Großveranstaltung in Deutschland mit Biosiegel, EMAS zertifiziert, Bioessen, C02 neutral, wiederverwertbar. Und bevor es sich die Grünen gründeten, war schon der Kirchentag eine der wichtigsten Plattformen der Ökobewegung. Alte Hasen also, Klimaforscher und Zukunftsforscher waren hier schon oft zu Gast, und Forderungen wie von Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin von Brot für die Welt und dem EKD Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm, auch die sind auf Kirchentagen Tradition.

    ….. Applaus …Wir brauchen endlich mal eine mutige Regierung?
    Wenn wir eine mutige Regierung hätte, dann würde die sagen, wir wollen 1, 5 Prozent, und das legen wir verbindlich fest, und da machen wir einen nationalen Klimaschutzplan, da machen wir ein Klimaschutzgesetz … da legen wir fest, in welchen Schritten, wie wir was erreichen. Dann eiern wir nicht herum beim Kohleausstieg!

    Und die Präsidentin von Brot für die Welt stellt die Frage nach der Regierung:Heinrich Bedford-Strohm, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland antwortet sofort:

    Bedford-Strohm: Frage der Zukunft, wie können wir benutzen, was uns anteilsmäßig zusteht?

    "Das ist für mich die grundlegende Herausforderung, die Frage umdrehen, es kann nich wie bisher in fast allen bisherigen Diskussionen heißen: Wie können wir die Wirtschaft so verändern, dass wir Lebensstil aufrecht erhalten und ökologisch wirtschaften können. Sondern die Frage muss sich umdrehen: Wie können wir den Teil des Budgets am Gebrauch der natürlichen Ressourcen der Erde, der uns zusteht, so benutzen, dass wir ein gutes Leben führen können. Das ist die Frage der Zukunft. Heinrich Bedford-Strohm"

    Doch dann kam Luisa Neubauer, eines der Gesichter von Fridays for Future, von den fürs Klima streikenden Schülerinnen und Schülern – und dann sehen viele der Kirchentagsbesucher, selbst schon lange Menschen guten Willens, doch irgendwie alt aus.

    "Wir haben gehört, was alles schief läuft, und ein bisschen gehört, was man besser machen könnte, aber dann auch wieder gelernt, dass eigentlich gerade alles schiefer läuft als man sich hätte vorstellen können, das ist krass, weil das Konzept Hoffnung droht zu scheitern, weil wozu sollte man Hoffnung haben, wenn selbst die letzten Experten sagen, es sieht alles düster aus. Und und jetzt sind wir hier bei den Experten für Hoffnung, bei der Task force für Hoffung, das sind die Kirchen, die die Menschen im Herzen berühren. (Louisa Neubauer)

    Applaus …

    Luisa Neubauer wirbt für ein Bündnis mit den Kirchen

    "Ich sehe die jungen Menschen, die sind viel jünger 12, 15 Jahre und die fragen , sind wir noch zu retten und wir wissen es nicht.Wir müssen uns davon verabschieden, dass andere Menschen für uns die Welt retten werden. Dass andere die Klimaschutzziele für uns erfüllen werden. Das funktioniert nicht, das hat die letzten dreißig Jahre nicht funktioniert und es wird auch in Zukunft nicht funktionieren, davon müssen wir uns verabschieden. "

    Unter Applaus appelliert Luisa Neubauer an die Kirchentagsbesucher, dass sie sich anschließen, sollen. Es sind eindringliche Worte der Einladung, die beim Publikum auf Begeisterung stoßen:

    „Liebe Mensshen, die sich in Gemeinden engagieren, liebe Kirchenvertreterinnen und Kirchenvertreter, liebe Menschen, die sich mit Religion, Glaube, Gott, Frieden, Schöpfung, Hoffnung beschäftigen, werdet zu unseren Verbündeten! Schließt Euch uns an, werdet zu denjenigen, die die Welt selbst retten, die die Ärmel hochkrempeln, die sich nicht ablenken lassen. Die sich nicht aufhalten lassen von Leuten, die Angst vor Zukunft haben, die sich nicht ablenken lassen von diesem Maß der Mitte, das in der Politik gepredigt wird, sei der Weg vorwärts. Wir lassen uns nicht ablenken von Leute, die behaupte, mit der Physik könnte man verhandeln. Wir lassen uns nicht albenken von den Leuten, die sagen wir machen ja schon und überhaupt: China und Indien. Nein wir schließen uns zusammen.

    Applaus brandet auf.

    Zuhörer am Kirchentag sind begeistert und berührt von der Fridays-for-future-Aktivistin

    „Ich fand die Rede sehr bewegend. Ich denke schon, dass die Kirche sich dazu positionieren sollte. Ein Knackpunkt für uns ist gewesen, dass die Kinder jetzt auf die Straße gehen müssen für das, was wir verbockt haben die letzten Jahre, das ist für mich berührend zu sehen. Aber trotzdem schön, dass wir dabei sein dürfen, und dass wir es mit ihnen vielleicht doch noch reißen können.

    Hirschausen: Glauben ist eine erneuerbare Energie

    Fast eine Predigt, was Luisa Neubauer von Fridays for Future, in der Halle da bietet, und am Ende legt sie noch mal nach – und klar wird: auch die vielen wichtigen Podien eines Kirchentags allein werden die Welt nicht retten.

    Was wir von Euch brauchen ist Eure volle Power, Eure Zuversicht, Eure Fähigkeit Menschen zu berühren in den Herzen. Nicht immer in den vollen Kirchensälen, aber immer hier drin. Am 20. September streiken wir in ganz Deutschland und wir fordern Euch alle auf mitzukommen. Wir fordern Euch auf, in Euren Gemeinden zu überlegen, wo ihr Geld anlegt, denn ihr könnt nicht mit Kirchengeldern Kohlestrom mitfinanzieren, wenn ihr die Schöpfung bewahren wollt. Und wir fordern Euch auf klimaneutral zu werden. Es wäre nicht das erste Mal, dass Kirchen eine Revolution mitgestaltet haben und wir zählen auf Euch.

    Applaus für die 23jährige – und vielleicht stimmt es ja auch für die vielen Klima- und Umweltprojekte, die sich auf dem Kirchentag vernetzen, was der Kabarettist Eckhard von Hirschhausen sagt:

    Glauben ist eine erneuerbare Energie, und deshalb komm ich immer wieder gern auf den Kirchentag .