Kundgebung von Fridays für Future

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Weltweiter Klimastreik: Fridays for Future wieder auf der Straße

Weltweiter Klimastreik: Fridays for Future wieder auf der Straße

Die Klimaschutzbewegung Fridays For Future hat für Freitag zu einem weltweiten Klimastreik aufgerufen. Allein in Bayern soll es in rund 50 Städten Demonstrationen geben. Gefordert werden der Ausbau erneuerbarer Energien und eine echte Verkehrswende.

Bühne aufbauen, Flyer verteilen, Interviews geben: Der 19-jährige Philipp hat den heutigen internationalen Klima-Streiktag lange mit vorbereitet. Als Teil der Augsburger Fridays for Future-Bewegung (FFF) hält der Student am Freitag sogar eine Rede. "Wir wollen den Leuten klarmachen, dass die aktuellen Krisen nur gemeinsam gelöst werden können", sagt Philipp.

Denn die Klima-Krise werde zum Beispiel die Energie-Krise und die soziale Krise noch verstärken, "aber unsere Regierung nimmt die Klima-Krise nicht ernst genug". Deswegen geht er in Augsburg auf die Straße. Der Student engagiert sich bei der FFF-Bewegung schon seit deren Entstehung 2019. In Augsburg beginnt die Klima-Demo um 16 Uhr am Königsplatz.

Vom Schülerstreik zur sozialen Bewegung

Von Coburg bis Murnau, von Würzburg bis Weiden, finden bayernweit rund 50 Protest-Aktionen für mehr Klimaschutz statt. Sie sind Teil des weltweiten Klimastreiks der am Freitag unter dem Motto #PeopleNotProfit“ stattfindet, also "Menschen vor Profit". Denn Fridays for Future fordert auf allen Kontinenten und überall in Deutschland ein, dass die Politik Menschenleben vor Konzerninteressen stellt.

Fast alle Aktionen beginnen erst nach Schulschluss, also nachmittags oder abends. Jeder Schüler, jede Schülerin kann also problemlos teilnehmen. Es gibt Andachten, Filmvorführungen, Menschenketten, Rad-Demos. Auch an der Vielfalt der Veranstaltungen zeigt sich die breite Unterstützung, die FFF mittlerweile quer durch die Gesellschaft erfährt, von den "Artists for Future" über die "Omas for Future" bis zu den "Psychologists for Future".

Würzburger "Omas for Future"

Mit ihrer Gruppe "Omas for Future" nimmt in Würzburg Angelika Deyerling an der Klima-Demo teil. Seitdem die 64-Jährige Sonderpädagogin im Ruhestand ist, setzt sie sich aktiv für mehr Klimaschutz ein: "Schließlich ist es auch unsere Generation, die es verbockt hat, früher mit dem Klimaschutz zu beginnen." Sie möchte ihren drei Enkeln eine möglichst heile Umwelt hinterlassen. Manchmal deprimiert es sie, dass die Politik umweltpolitische Maßnahmen viel zu langsam umsetzt: "Dann trösten wir uns gegenseitig in unserer 'Omas for Future'- Ortsgruppe." Der Umzug in Würzburg beginnt um 13 Uhr am Hauptbahnhof.

Weniger Demonstranten erwartet als 2019

Für den Protestzug in Regensburg wurden bei der Polizei 1.000 Teilnehmer angemeldet, weitaus weniger als zu Beginn der FFF-Bewegung 2019. Damals waren bis zu 6.000 Menschen auf der Straße. In Würzburg werden heute 500 Demonstranten erwartet, im September 2019 waren es 8.000. Die meisten Demonstranten bayernweit werden heute in München erwartet, bis zu 6.000. Dort beginnt der Protestzug um 12 Uhr am Königsplatz.

In Augsburg sind für heute 600 Demonstranten angemeldet. Das sind weniger als zehn Prozent der Teilnehmerzahlen von Herbst 2019. Damals posierte Klima-Vorkämpferin Greta Thunberg das erste Mal vor dem schwedischen Parlament mit dem Plakat, das um die Welt gehen sollte: "Schulstreik für das Klima." Aus ihrem Streik entstand die weltweite Organisation FFF.

Die Hochphase der FFF-Bewegung scheint zwar vorbei zu sein. Dennoch geht Philipp weiterhin auf die Straße. "Wir dürfen die Klima-Krise nicht vernachlässigen", sagt der Student.

FFF springt auf aktuelle Themen wie 9 Euro-Ticket auf

Auch wenn an diesem Freitag weniger Menschen demonstrieren sollten, sei die FFF-Bewegung mit ihren Anliegen dennoch präsent in der Gesellschaft. Damit das Thema Klimaschutz nicht vergessen werde, stelle die FFF-Bewegung immer wieder Bezüge zu aktuellen Themen her, sagt Julia Metag, Professorin für Kommunikationswissenschaft an der Uni Münster: "Am Beispiel der Dürre- und Hitzewelle im Sommer weist FFF auf die Klimakrise hin." Auch das 9-Euro-Ticket sei eine Möglichkeit für mehr Klimaschutz, habe FFF häufig betont. Öffentlichen Nahverkehr kostengünstiger zu machen, sei eines ihrer Ziele.

Aktivisten hoffen auf neuen Schwung in der Klima-Debatte

In Nürnberg haben Aktivisten im Vorfeld des Klima-Streiktages wieder ein Klima-Camp errichtet, und zwar in der Fußgängerzone am Weißen Turm. 14 Tage lang soll hier rund um die Uhr ein Zeichen für mehr Klimaschutz gesetzt werden. Mit dabei ist die Studentin Lou Schwarz. "Ich habe das Gefühl, dass wieder neuer Schwung in die Klimadebatte kommt", meint die 23-Jährige.

Der Protestzug startet um 12 Uhr am Jakobsplatz, nach einem Zug durch die Innenstadt wird an Klimacamp gemeinsam diskutiert und gegessen. Die nächsten zwei Wochen werden dort jeden Tag Informationsveranstaltungen und Workshops unter anderem zu den Themen Klima und Energie-Krise angeboten. Bereits im September 2020 hatte FFF Nürnberg ein Camp nahe des Rathauses aufgebaut, das nach 600 Tagen endete.

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