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Fridays for Future: Mit Maske zum Klimastreik | BR24

© dpa-Bildfunk

Fridays-for-Future-Demonstranten am 25.9.20 in Berlin

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Fridays for Future: Mit Maske zum Klimastreik

"Fridays for Future" hat zum ersten Demo-Tag seit der Corona-Pandemie gerufen und mobilisierte Tausende in Deutschland. Die erste große Aktion in Bayern fand in Nürnberg statt. Die Klima-Aktivisten wollen zur Bundestagswahl 2021 den Druck erhöhen.

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Von
  • Vera Weidenbach
  • Tina Wenzel
  • BR24 Redaktion

Pünktlich zum Beginn der Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor, hört es in Berlin auf zu regnen. Die Straße des 17. Juni ist übersäht mit weißen Punkten in zwei Metern Entfernung. "Wir wissen, dass es nervt, aber bitte haltet die Abstände ein", rufen alle zehn Minuten die Moderatoren von der Bühne. Denn immer mehr junge Menschen strömen auf die Straße. Ihre Schilder sind so bunt, wie ihre Masken.

"Wir sind sowas von noch da"

Seit Beginn der Pandemie kämpft die Klimaschutzbewegung "Fridays for Future" auch darum, die politische und mediale Aufmerksamkeit zurückzugewinnen, die in den letzten Monaten von Meldungen über Infektionszahlen und Testzentren bestimmt wurde. Der erste Demo-Tag soll deshalb ein starkes Signal werden: Veranstaltungen in 400 deutschen Städten und weltweit mehr als 3.000 Aktionen.

"Wir sind sowas von noch da!", ruft Luisa Neubauer von der Tribüne. Die 24-jährige Klimaschutzaktivistin musste in den letzten Wochen in vielen Interviews erklären, wie es weitergehen soll, mit einer Protestbewegung, die nicht protestieren darf. Heute wirkt sie fast erleichtert, als sie auf die vielen Schilder blickt.

Tausende Demonstranten in ganz Deutschland

Die Polizei spricht in Berlin von rund 10.000 Demonstranten. Die Veranstalter selbst melden doppelt so viele.

Auch in anderen deutschen Städten kann "Fridays for Future" Tausende mobilisieren. In Köln sprechen die Organisatoren von 7.000 Teilnehmern. In Bonn sind es laut Polizei 2.000 ebenso in Bremen und Frankfurt am Main. Polizei-Sprecher in verschiedenen Städten melden friedliche Demonstrationen – die Maskenpflicht werde eingehalten.

Größter Demo-Zug in Nürnberg

Der größte zusammenhängende Demonstrationszug in Bayern findet laut Veranstalter in Nürnberg statt. Es sei "unheimlich motivierend", wieder zu streiken und trotz Corona auf die Straße gehen zu können, sagt "Fridays for Future-Sprecherin" Fabia Klein.

"Die Klimakrise schläft nicht. Damit die Politik jetzt endlich was tut, müssen wir auf die Straße gehen und zeigen, dass wir noch da sind." Fridays for Future-Sprecherin Fabia Klein

Auch in anderen Städten in Mittel- und Oberfranken demonstrieren Aktivisten. In Erlangen organisierte die Ortsgruppe mehrere kleine Veranstaltungen in der Stadt. Auch in Bayreuth, Bamberg und Hof finden Aktionen statt.

Helena Marschall, eine der Mitorganisatoren der Proteste, sagt BR24, auch während Corona hätten sie nicht aufgehört über die Klimakrise zu sprechen. "Fridays for Future" habe Online-Proteste, Menschenketten und Fahrraddemos organisiert.

Regensburg erwartet Tausende Teilnehmer

In Regensburg, wo mit 3.500 Menschen die meisten Teilnehmer erwartet worden sind, kommen laut Polizeiangaben 600 Demontranten zusammen - die Organisatoren sagen, es seien dreimal so viele. In München sind es über 400 Personen. Eine große Demo ist in der Landeshauptstadt wegen der hohen Infektionszahlen abgesagt worden.

In Rosenheim beteiligen sich am Klimastreik laut Polizei rund 200 Menschen. Auch etliche Gruppen im Allgäu machen mit. In Kempten nehmen nach Polizei-Angaben 160 Personen teil, in Lindau, Memmingen und Sonthofen werden jeweils 100 Demonstranten gezählt – wobei die Organisatoren gerade in Sonthofen von 200 Demonstrierenden sprechen, wie ein BR-Reporter bestätigt. Bei einer weiteren Klimademo in Lindenberg versammeln sich trotz strömenden Regens etwa 50 Menschen.

In Niederbayern sind zum Beispiel für Passau und Deggendorf Demonstrationen angekündigt.

Druck zur Bundestagswahl erhöhen

Auch Luisa Neubauer in Berlin gibt sich auf der Bühne kämpferisch: "Menschen haben das hier nicht für möglich gehalten“, sagt sie. Aber Fridays for Future werde besonders im kommenden Jahr zur Bundestagswahl weiter Druck machen. "Sie können sich auf etwas gefasst machen", ruft Neubauer zum Schluss.

Mit "Sie" sind die Politiker gemeint, die nach Ansicht der "Fridays for Future"-Aktivisten nicht genug gegen den Klimawandel tun. Das Klimapaket der Bundesregierung geht ihnen nicht weit, der Kohleausstieg bis 2038 nicht schnell genug – der müsse schon bis 2030 kommen.

Grünen-Chef Robert Habeck sagte am Morgen, es sei wichtig, dass die Proteste weitergingen. Der Druck auf der Straße sei notwendig, um Politik immer weiterzutreiben.

Altmaier: "Kompromisse können nicht dauernd verändert werden"

Auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier begrüßte, dass die jungen Menschen wieder auf die Straße gehen. Die Erderwärmung mache keine Pause, sagte der CDU-Politiker im Deutschlandfunk. Zu der Forderung den Kohleausstieg zu beschleunigen, sagte er: Ein Kompromiss, der über drei Jahre verhandelt worden sei, könne nicht dauernd verändert werden.

© BR

Nach coronabedingter Pause gingen weltweit Aktivisten der Fridays for Future-Bewegung auf die Straße.

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