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Freiheitswolke und Trabikorso: Deutschland feiert den Mauerfall | BR24

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Am Himmel eine "Freiheitswolke", darunter ein internationales fröhliches Publikum: Sieben Tage hat Berlin den 30. Jahrestag des Mauerfalls gefeiert. Highlight: eine große Bühnenshow vor dem Brandenburger Tor.

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Freiheitswolke und Trabikorso: Deutschland feiert den Mauerfall

Am Brandenburger Tor feiern Zehntausende den 30. Jahrestag des Mauerfalls unter einer "Freiheitswolke". In Mödlareuth durchbricht ein Trabikorso noch einmal symbolisch die Grenze. Und auch andernorts wird gefeiert. Hier die Bilder zum Freiheitsfest.

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Die größte Party steigt in jener Stadt, in der am 9. November 1989 eine fast drei Jahrzehnte dauernde gewaltsame Trennung ihr friedliches Ende gefunden hat: Berlin. Eine ganze Woche lang hat die Stadt gefeiert. Höhepunkt ist am Samstagabend eine große Bühnenschau vor dem Brandenburger Tor. Zehntausende Menschen versammeln sich unter der "Freiheitswolke", einer vielfarbig illuminierten Kunstinstallation aus 30.000 Bändern, auf denen Menschen ihre Wünsche und Hoffnungen für die Gesellschaft geschrieben hatten. Viele klingen ungefähr so:

"Der Mauerfall steht für mich symbolisch dafür, dass es möglich ist, Kraft des persönlichen Engagements und selbstständigen Denkens das scheinbar Unmögliche zu erreichen - die Freiheit." Yuliya (45) aus Berlin

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ruft in seiner Rede dazu auf, auch andere Mauern zu erkennen und zu überwinden:

"Mauern aus Frust, Mauern aus Wut und Hass. Mauern der Sprachlosigkeit und der Entfremdung. Mauern, die unsichtbar sind, aber trotzdem spalten. Mauern die unserem Zusammenhalt im Wege stehen." Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

Doch nicht nur in der Hauptstadt wird gefeiert.

Die Bilder des Tages: Spektakel und Erinnerung von Berlin bis Großburschla

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In Berlin spielt die Musik auf der großen Bühne am Brandenburger Tor.

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Emotionaler Höhepunkt: Daniel Barenboim zelebriert mit der Staatskapelle Berlin Beethovens Fünfte - die "Schicksalssinfonie".

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"Visions in Motion" heißt diese Wunschzettel-Installation des US-Künstlers Patrick Sheam offiziell. Die Berliner nennen sie "Freiheitswolke".

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Was genau sich die rund 30.000 Menschen aller Altersgruppen wünschen, bleibt am großen Festtag verborgen. Dafür ...

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... beginnen die Bänder am Abend magisch zu leuchten.

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An der "East Side Gallery" machen Augmented-Reality-Installationen Geschichte lebendig - oder lassen es einfach krachen.

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Zuvor haben die Menschen an einem anderen erhaltenen Mauerabschnitt an der Bernauer Straße das Betonmonstrum mit Blumen gefüttert.

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Festrednerin hier: Bundeskanzlerin Angela Merkel.

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Dieser Scharfschütze ist kein DDR-Grenzposten, sondern einer von hunderten Sicherheitsleuten, die die Feierlichkeiten bewachen.

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Szenenwechsel: In "Little Berlin", dem einst ebenfalls geteilten fränkischen Dorf Mödlareuth, durchbricht eine Trabbi-Parade symbolisch die Mauer

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Jubel und Auspuffknattern, hautnahe Berührungen zwischen Menschen (Ost) und Menschen (West), Fotografenblitzlicht: Es ist fast wie damals.

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Auch Bayerns Inneminister Joachim Herrmann (CSU) feiert mit.

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In der "blauen Stunde" wird das frisch erweiterte Museumsdorf beleuchtet ...

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... Lichtstelen markieren den Mauerverlauf

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Auch an der Gedenkstätte Marienborn zwischen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt wird gefeiert - trotz Regen. Die Pfützen "verdoppeln" die Freude.

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Am Abend berichtet Musiker Wolfgang Niedecken (BAP) hier sehr persönlich über seine Erinnerungen an Mauer und Mauerfall.

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Im thüringischen Großburschla versammeln sich schwarz, rot und golden beschirmte Bürger und formieren sich ...

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... zum Wort "Freiheit"...

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... während am nördlichsten Ex-Grenzübergang Lübeck-Schlutup die Politprominenz Grenzkontrolle spielt.

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Selbst im Fußball hat "Mauer" an diesem 9. November eine ungewohnte Bedeutung: Vorm Bundesligaspiel zwischen Herta BSC Berlin und RB Leipzig ...

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... wird eine Mauer erst mit Absicht errichtet, dann effektvoll flachgelegt.

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Alles in allem: ein runder Geburtstag.

Bayern: Trabi-Korso und das "längste Gespräch Deutschlands"

Auch in Bayern wird an die historischen Umbrüche erinnert - immerhin hatte der Freistaat unter den westdeutschen Bundesländern mit 422 Kilometern die längste Grenze zur ehemaligen DDR. Im oberfränkischen Hof etwa hat das Bundesinnenministerium am Samstagabend zum "längsten Gespräch Deutschlands" geladen. Die oberfränkische Stadt ist Austragungsort des ersten Teils einer abendfüllenden Veranstaltungsserie, bei der entlang der 1.400 Kilometer langen innerdeutschen Grenze Menschen unter dem Motto "Unsere Geschichte schreibt Zukunft" miteinander reden sollen.

Die größte Feier aber findet im kleinen Grenzort Mödlareuth statt, das noch vor drei Tagen komplett abgeriegelt war, weil ihm US-Außenminister Mike Pompeo einen Besuch abgestattet hat - wofür sein deutscher Kollege Heiko Maas (SPD) sogar die Presse aussperren ließ.

Bis 1989 zerschnitten Beton und Stacheldraht das oberfränkische Dorf. 30 Jahre später, am 9. November 2019 durchbricht, ein Trabi-Korso symbolisch noch einmal die Mauer des Museumsdorfs. Und Bayerns Innenminister erinnert daran, dass der glückliche Ausgang der friedlichen Revolution damals keineswegs so unausweichlich war, wie es heute bisweilen scheint:

"Keiner vermochte damals zu sagen, ob die Rufe nach Freiheit nicht wie die Studentenproteste auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking mit Waffengewalt blutig erstickt würden." Joachim Herrmann