Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt
Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt

Freiheit und Klimawandel: "Was darf ich essen?" | BR24

© stock.adobe.com/Robert Kneschke

Frisches Obst und Gemüse vom Markt ist gesund und lecker. Aber ein Fleisch darf für viele trotzdem nicht fehlen.

20
Per Mail sharen
Teilen

    Freiheit und Klimawandel: "Was darf ich essen?"

    Fleischlose Ernährung hat Vorteile. Nicht nur für den eigenen Körper, sondern auch für die Gesellschaft. Aber vorschreiben lassen möchte man sie sich nicht.

    20
    Per Mail sharen
    Teilen

    Es gibt viele Vorteile, wenig oder kein Fleisch zu essen: Man lebt in der Regel gesünder, setzt sich für das Tierwohl ein und der CO2-Fußabdruck wird kleiner. Trotzdem sind in Deutschland die Veganer und Vegetarier in der deutlichen Minderheit. Ein "Veggie-Day", wie ihn die Grünen im Bundestagswahlkampf 2013 forderten, entfachte eine sehr emotionale Debatte. Jeder solle doch das essen, was er wolle, wandten die Gegner ein.

    Keine Einschränkung, sondern Bereicherung

    Annalena Meyer ist Lehrerin für Sport und Deutsch. Ihr Vater wuchs auf einem Bauernhof auf. "Ich weiß aus meiner Kindheit, was es heißt, ein Tier zu schlachten", sagt sie. In ihrem Kühlschrank stehen Sojamilch und Sojajoghurt, ein aus dem Garten gepflückter Kürbis und Tofu. Seit vier Jahren ist sie Vegetarierin. Sie meint, ihre neue Lebensweise habe ihr viele neue Möglichkeiten aufgezeigt. "Wir haben als Vegetarier so viel mehr Vielfalt. Freunde von mir haben zum Beispiel noch nie von Hummus gehört. Und wir ernähren uns fast ausschließlich davon!"

    © Annalena Meyer

    Die überzeugte Vegetarierin Annalena Meyer findet, dass man zur Not mit Verboten "nachhelfen" muss.

    Nicht nur Schnitzel und Hühnchenbrust essen

    Bei Gerhard Langreiter kommt vier bis fünf Mal in der Woche Fleisch auf dem Tisch. Langreiter ist Landwirt in Oberneukirchen bei Mühldorf am Inn. Auf seinem Hof leben 170 Säue. Etwa 1.000 Ferkel kommen im Jahr auf seinem Hof zur Welt. Rund 70 davon behält er. Der Rest wird geschlachtet. Es ist sein Beruf, seine Lebensgrundlage. Fleischkonsum hält er nicht für verwerflich: "Wir essen in Deutschland nur noch die Edelteile. Die Schweineohren und Gedärme verscherbeln wir ins Ausland." Jeden Tag ein Schnitzel oder eine Hühnerbrust zu essen, sei aber nicht gesund, das bestreite er nicht.

    © BR/Jean-Marie Magro

    Gerhard Langreiter ist Landwirt und hat 170 Säue. Er findet: Fleischessen gehört dazu.

    Verzicht auf Fleisch: Jeder kann, nicht jeder will

    Annalena Meyer will mit ihrem Vegetarismus niemanden bekehren - aber schwer fiel ihr die Umstellung nicht. Wer sage, er könne nicht auf Fleisch verzichten, dem entgegnet sie: "Nein, du willst es nur nicht." Den großen Wandel vom Fleischesser zum Vegetarier könnten die Menschen aber nicht alleine schaffen. Dafür braucht es maßgebliche Veränderungen, die von der Politik angestoßen werden müssen, meint sie. "Manchmal kann man eben nur mit Verboten etwas bewirken".

    "Ich mache mir keine Sorgen. Gott sei dank sind wir Menschen nicht total blöd, sondern haben durchaus was im Kopf." Gerhard Langreiter

    Von Verboten hält der Landwirt Langreiter gar nichts: "Ich bin Unternehmer und möchte selbst entscheiden, ob ich einen Stall baue oder nicht." Die Landwirtschaft werde sowieso momentan in ein sehr dunkles Licht gerückt. Man mache schon sehr viel für den Klimaschutz und bemühe sich um artgerechte Verhältnisse, das falle oft unter den Tisch. Langreiter findet, dass die Zukunft zu schwarz gemalt wird. Er sei guter Dinge, das man mit all den technischen Fortschritten der letzten Jahre auch die Klimakrise in den Griff bekommen könne. Und das ohne Verbote.