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Freiheit und Geschwindigkeit: "Wie schnell darf ich fahren?" | BR24

© dpa-Bildfunk/Marius Becker

Seit Jahren wird über ein Tempolimit von 130 km/h gestritten.

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    Freiheit und Geschwindigkeit: "Wie schnell darf ich fahren?"

    Es ist eine alte Debatte: Soll auf deutschen Autobahnen ein Tempolimit eingeführt werden? Wer mit Befürwortern und Gegnern spricht, merkt schnell: Es geht dabei um mehr als Geschwindigkeit.

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    Ende Oktober 2019 haben es die Grünen wieder einmal im Bundestag versucht. Aber ihr Vorstoß zur Einführung eines Tempolimits scheiterte krachend: Nur 126 Abgeordnete dafür, fast 500 dagegen. Andere Abstimmungen in den vergangenen Jahren gingen ähnlich aus und scheiterten vor allem am Widerstand der Union.

    Für Mario Sauter, IT-Experte aus München, war die Entscheidung des Bundestags richtig. "Ein Tempolimit braucht niemand", sagt er.

    "Ich finde, dass ein Tempolimit grundsätzlich meine Freiheit beschneidet.“ Mario Sauter

    Christoph von Gagern, pensionierter Physiker aus München, sieht das völlig anders. Seit den 1980er Jahren engagiert sich der 69-Jährige für die Einführung eines Tempolimits.

    "Irgendwann muss das Umdenken anfangen und dass es so lange dauert, ist frustrierend." Christoph von Gagern

    Natürlich sei das Tempolimit eine Einschränkung der Freiheit - aber eine notwendige, findet er.

    Seit Jahren die gleichen Argumente

    Das Thema spaltet Deutschland: Im ARD-Deutschlandtrend vom Oktober sprachen sich 53 Prozent der Befragten für ein Höchsttempo 130 auf Autobahnen aus, 45 Prozent dagegen. Gegner und Befürworter eines Tempolimits stehen sich nicht selten feindselig gegenüber. Eine Annäherung gibt es nicht. Auch nicht beim Thema Sicherheit. Mario Sauter fühlt sich sicher auf den Autobahnen - auch bei höheren Geschwindigkeiten. "Grundsätzlich sollte ich immer aufmerksam sein beim Fahren. Wenn ich schnell und vorausschauend fahre, dann ist das kein Problem", sagt Sauter.

    Der pensionierte Physiker Christoph von Gagern dagegen ist überzeugt, dass ein Tempolimit die Autobahnen deutlich sicherer machen würde: "Es gibt immer wieder Situationen, in denen man sich unsicher fühlt." Die Rücksichtslosigkeit bei hohem Tempo hat seiner Meinung nach drastisch zugenommen.

    © BR/Linus Lüring

    Pro: Christoph von Gagern hält die Einführung eines Tempolimits für dringend notwendig.

    © BR/Linus Lüring

    Kontra: Mario Sauter ist gegen ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen.

    Hilft ein Tempolimit beim Klimaschutz?

    Auch in der Frage, ob man langsamer fahren sollte, um das Klima zu schonen, gibt es keine Einigkeit. Für Mario Sauter sollte man die Autokonzerne stärker in die Pflicht nehmen, damit sie spritsparendere Technologien in ihre Wagen einbauen. Das sei wirksamer, als die Geschwindigkeit zu begrenzen. Christoph von Gagern fordert dagegen, dass in den Zeiten der Klimakrise jede mögliche Maßnahme ergriffen werden müsse, um CO2 einzusparen.

    Tempolimit als deutsche Identitätsfrage

    Wer über das Tempolimit diskutiert, merkt schnell, dass mehr dahinter steckt als nur eine Frage nach Geschwindigkeit - nämlich die Frage danach, wie man in einer Gesellschaft zusammenleben will.

    Mario Sauter sagt: "Alle, die für ein Tempolimit sind, sollten sich fragen, ob das vielleicht ihr Recht als freie Bürger leben zu können, einschränkt." Viele hätten nach dem zweiten Weltkrieg dafür gekämpft, wieder eine freie Gesellschaft in Deutschland aufzubauen. Diese Freiheit solle man auch nutzen, meint er. Christoph von Gagern dagegen hebt den Gegensatz zwischen individueller Freiheit und Gemeinwohl hervor. Nicht alles was man als Einzelner tun dürfe, sei auch gut für die Gemeinschaft.

    Der Streit ums Tempolimit er wird sich wohl noch länger hinziehen. Und damit auch die Frage, was Freiheit bedeutet und wie schnell wir fahren wollen.