Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt
Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt

Freie Arztwahl: Patientenschützer wehren sich gegen Begrenzung | BR24

© dpa-Zentralbild/Britta Pedersen

Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung

9
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Freie Arztwahl: Patientenschützer wehren sich gegen Begrenzung

Die Kassenärzte in Deutschland beklagen, dass zu viele Patienten zu oft verschiedene Fachärzte aufsuchen und so unnötig Kosten verursachen. Sie wollen deshalb die Auswahl begrenzen. Patientenschützer und Krankenkassen sind empört über die Pläne.

9
Per Mail sharen
Teilen

Kassenarzt-Präsident Andreas Gassen will die freie Arztwahl begrenzen. Es könne dauerhaft kaum jedem Patienten "sanktionsfrei gestattet bleiben, jeden Arzt jeder Fachrichtung beliebig oft aufzusuchen, und oft noch zwei oder drei Ärzte derselben Fachrichtung", sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Derzeit werde das nicht kontrolliert.

GKV: Keine Strafzahlungen für Kranke

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) kritisierte den Vorschlag: "Patientenbeschimpfung ist mit Sicherheit keine Lösung für die aktuellen Herausforderungen", sagte der Sprecher des GKV, Florian Lanz. Es sei "keine gute Idee", "durch die Hintertür Strafzahlungen für kranke Menschen" vorzubereiten, "die sich hilfesuchend an die vermeintlich falsche Stelle wenden". Lanz forderte, das Gesundheitswesen müsse sich nach den Bedürfnissen der Patienten richten "und nicht umgekehrt".

Patientenschützer: "Wie im Tollhaus"

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz warf Gassen Verunsicherung vor. "Wie im Tollhaus geht es bei den hauptamtlichen Ärztefunktionären zu", sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch der dpa. Bereits die Praxisgebühr habe nicht dauerhaft für weniger Arztbesuche gesorgt, deshalb sei sie 2013 wieder abgeschafft worden, betonte Brysch.

Gassen kritisiert Flatrate-Mentalität

Gassen kritisierte, die Gesundheitskarte funktioniere "wie eine Flatrate" und es gebe Patienten, "die das gnadenlos ausnutzen". Statt einer Wiedereinführung der Praxisgebühr schlug der KBV-Präsident eine Versicherungsreform gegen "Ärzte-Hopping" vor. "Eine Steuerung über ein Wahltarifsystem wäre ein guter Weg." Wer sich verpflichte, sich auf einen koordinierenden Arzt zu beschränken, sollte von einem günstigeren Kassentarif profitieren. "Wer jederzeit zu jedem Arzt gehen möchte, müsste mehr bezahlen", so Gassen.

Vorschlag: Selektiv-Verträge

Der KBV-Chef verwies auf sogenannte Selektiv-Verträge, die von privaten Krankenversicherungen bereits angeboten werden. Diese sollte es als Wahlmöglichkeit auch für alle Kassenpatienten geben, sagte er. Jemanden etwa für den Besuch eines zweiten Arztes derselben Fachrichtung zu bestrafen, wäre hingegen "zu aufwändig und vielleicht auch nicht immer sachgerecht".

© BR

Patienten in Lebensgefahr, weil Ärzte nichts von Vorerkrankungen oder Allergien wissen? Dieses Risiko ließe sich durch die elektronische Gesundheitskarte vermeiden. Doch die Karte hält auch mehr als zehn Jahre nach Einführung nicht die Versprechen.