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Französischer Kardinal wegen Missbrauchsvertuschung verurteilt | BR24

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Philippe Barbarin, der Erzbischof von Lyon, wurde heute wegen Missbrauchsvertuschung zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten verurteilt.

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Französischer Kardinal wegen Missbrauchsvertuschung verurteilt

Der einflussreiche Erzbischof Philippe Barbarin ist wegen Vertuschung von Missbrauchsvorwürfen zu sechs Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt worden. Das Urteil kommt überraschend. Die Staatsanwaltschaft hatte keine Verurteilung gefordert.

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In Frankreich ist der Erzbischof von Lyon, Kardinal Philippe Barbarin, wegen Missbrauchsvertuschung gegen einen pädophilen Geistlichen zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Ein Gericht in Lyon sprach ihn am Donnerstag schuldig, einen katholischen Priester gedeckt zu haben, der Kinder und Jugendliche missbraucht haben soll.

Überraschendes Urteil

Die Vorsitzende Richterin Brigitte Verney erklärte, die Schuld des 68-jährigen Erzbischofs beziehe sich auf sein Schweigen zu einem jüngeren Fall von Missbrauch ab dem Jahr 2014. Die Staatsanwaltschaft hatte weiter zurückliegende Vorwürfe für verjährt erklärt. Das Urteil ist eine Überraschung, weil selbst die Staatsanwaltschaft gegen einen Schuldspruch war.

Barbarin und weiteren hohen Kirchenbediensteten wurde vorgeworfen, Kinder nicht vor dem Geistlichen Bernard Preynat geschützt zu haben, der des Missbrauchs an 70 Pfadfindern in den 1980er Jahren beschuldigt wird und einen eigenen Prozess bekommen soll. Ein Teil der in Rede stehenden Fälle war bereits verjährt.

Nach seiner Verurteilung hat kündigte Barberin seinen Rücktritt an. Er werde diesen beim Papst einreichen, sagte der Kardinal am Donnerstag in Lyon.

Barbarin: "Habe nie versucht, etwas zu vertuschen"

Vor Gericht hatte Barbarin stets beteuert, keine Informationen über sexuellen Missbrauch zurückgehalten zu haben. "Ich habe nie versucht, etwas zu vertuschen", sagte er laut dem Sender Franceinfo bei dem Verfahren. Er habe keine Tatsachen in Verbindung mit dem Priester Preynat verschleiert. Barbarin gab an, er habe den Geistlichen nicht von seinen priesterlichen Ämtern suspendiert, weil der ihm geschworen habe, seit 1990 kein Kind mehr missbraucht zu haben.

Auf die Frage, warum Barbarin den Fall nicht an die Justiz meldete, antwortete er: "In diesem Moment habe ich nicht gedacht, dass ich das tun muss, da die Fälle verjährt waren und das Opfer selbst bestätigt hat, dass es nichts mehr ändern könne." Er habe sich aber Zeit für ein Gespräch mit dem Opfer genommen.

Auch Präfekt der Glaubenskongregation unter den Beschuldigten

Unter den Beschuldigten bei dem Verfahren war auch der heutige Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Luis Ladaria. Er Soll Barbarin geraten haben, den Missbrauch zu vertuschen. Er war bei dem Prozess jedoch nicht anwesend, da der Vatikan diplomatische Immunität geltend gemacht hatte.

Ende Februar hatte Papst Franziskus zu einem Missbrauch-Gipfel in den Vatikan geladen. In den drei Tagen der Konferenz gab es viele Schuldeingeständnisse, konkrete Schritte seien aber nicht beschlossen worden, kritisierten Opfer. Erst vergangene Woche war der australische Kardinal George Pell wegen Kindesmissbrauchs verurteilt worden.