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Französischer Ex-Präsident Jacques Chirac gestorben | BR24

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Jahrzehntelang prägte er das Bild von Frankreich: Jacques Chirac, der frühere Staatspräsident und Premierminister. Heute starb der konservative Politiker im Alter von 86 Jahren.

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Französischer Ex-Präsident Jacques Chirac gestorben

Der frühere französische Staatschef Jacques Chirac ist tot. Der konservative Politiker starb im Alter von 86 Jahren. Chirac galt als volksnah aber auch resolut - und machte sich um die deutsch-französische Freundschaft verdient.

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Jacques Chirac war ein Phänomen in Frankreich: Die Bilanz seiner zwei Amtszeiten als Präsident ist innenpolitisch gesehen eher mager. In der Öffentlichkeit hatte er sich zuletzt kaum noch gezeigt. Und trotzdem wurde er bei seinen Landsleuten immer beliebter. Er galt als der beliebteste ehemalige Präsident der fünften Republik.

Vielleicht, weil Jacques Chirac etwas besaß, was sich viele in den heutigen, aufgeregten Debatten von Politikern wünschen würden: eine ausgesprochene Toleranz, eine echte Nähe zu den Menschen.

Erst mal war er "der Bulldozer"

Anders als die Zuneigung seiner Landsleute hatte sich der Vollblutpolitiker seinen Spitznamen "der Bulldozer" bereits in recht jungen Jahren verdient, gefürchtet dafür, seine politischen Widersacher eiskalt aus dem Weg zu rammen.

"Der Präsident aller Franzosen"

Trotzdem musste er drei Mal Anlauf nehmen, bis er schließlich an einem Abend im Mai 1995 vor seinen Anhängern feierlich verkünden konnte: "Meine lieben Landsleute – ich werde der Präsident aller Franzosen sein."

Gestählt durch bereits fünfundzwanzig Jahre in der Politik unter anderem als Minister, Premierminister und Bürgermeister von Paris ging Jacques Chirac auch als Präsident Auseinandersetzungen selten aus dem Weg. Bereits kurz nach seiner Wahl brach er ein Tabu, als er sich zur Mitverantwortung Frankreichs bei der Judendeportation im Dritten Reich äußerte:

"Ja, der kriminelle Wahnsinn der Besatzer, wurde, das wissen wir alle, von Franzosen unterstützt. Unterstützt auch vom französischen Staat." Jacques Chirac

Veto gegen den Irak-Krieg

Auch wenn die Bedeutung dieser Aussage heute auch in Frankreich große Anerkennung findet – die wohl mutigste Entscheidung, die Jacques Chirac in seinem Politikerleben getroffen hat, war eine andere: Sein Veto im UN-Sicherheitsrat gegen den Krieg im Irak:

"Ich muss festhalten", sagte er mit Blick auf den Vorwurf aus Washington, der Irak besitze Massenvernichtungswaffen – "dass ich in dieser Richtung keinerlei unanfechtbare Beweise kenne.".

Auch in Deutschland wurde Chirac für diese Haltung gefeiert.

Die Deutsch-französische Freundschaft als Herzensanliegen

Die Freundschaft mit dem Nachbarn auf der anderen Rheinseite war für Chirac ein großes, ein persönliches Anliegen. 2004 lud er mit Gerhard Schröder erstmals einen deutschen Bundeskanzler zum Jahrestag der alliierten Landung in der Normandie ein.

"Die Französinnen und Franzosen empfangen Sie", begrüßte er dort den Bundeskanzler, "mehr denn je als Freund, sie empfangen Sie als Bruder!“"

Querelen mit Affären und Affärchen

Innenpolitisch entglitten Jacques Chirac allerdings in seiner zweiten Amtszeit mehr und mehr die Zügel: Innerparteiliche Affären und Affärchen. Ein gescheitertes Referendum über den europäischen Verfassungsvertrag, schwere Unruhen in den migrantisch geprägten Vorstädten. Wegen eines Schlaganfalls muss er Monate pausieren.

Nach seiner Amtszeit sah er sich mit alten Vorwürfen wegen Veruntreuung öffentlicher Mittel konfrontiert, die ihm 2011 als erstem ehemaligen Staatschef in Frankreich eine Verurteilung einbrachten – zwei Jahre auf Bewährung.

Eines der wenigen öffentlichen Ereignisse, auf denen Chirac immer noch regelmäßig anzutreffen war, war die jährliche Messe der Landwirte: "Ich bin immer glücklich hier oder überhaupt mit Landwirten zusammen zu sein", sagte er dort, "sehr glücklich. Das ist das Leben!“"

Ein Museum als Denkmal

Es war genau diese offene Menschlichkeit, die ihn mit den Jahren beliebter machte. Mit dem Musée du quai Branly hat er sich in Paris, in der Stadt, die er rund 18 Jahre als Bürgermeister und zwölf Jahre als Präsident regiert hat, ein gefeiertes Denkmal gesetzt. Dessen Inhalt, der Geschichte anderer Völker und Kulturen, widmete er sich mit seiner ganzen Begeisterung Zeit seines Lebens und rief die amtierenden Politiker dazu auf, sich in Frieden und Toleranz zu üben.

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Der frühere französische Staatschef Jacques Chirac ist tot. Der konservative Politiker starb im Alter von 86 Jahren. Chirac galt als volksnaher aber auch resoluter Vollblutpolitiker - und machte sich um die deutsch-französische Freundschaft verdient.