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Bildrechte: picture alliance / NurPhoto | Thierry Thorel

Impfpflicht für Klinikpersonal in Frankreich

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Frankreich und Griechenland: Impfpflicht für Gesundheitspersonal

Nach Italien führen auch Frankreich und Griechenland eine Corona-Impfpflicht für Gesundheits- und Pflegekräfte ein. Die beiden EU-Länder reagieren damit auf die schnelle Ausbreitung der Delta-Variante.

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Von
  • Claudia Steiner

Aufgrund der ansteckenden Delta-Variante und einer gewissen Impfmüdigkeit führen Frankreich und Griechenland eine Impfpflicht für bestimmte Berufe ein. In Frankreich kommt die Impfpflicht für das Gesundheits- und Betreuungswesen, in Griechenland im Gesundheitssektor und in der Altenpflege.

Sanktionen für ungeimpfte Gesundheitskräfte

"Wenn wir jetzt nicht handeln, werden die Zahlen und die Einlieferungen in die Kliniken steigen", sagte Präsident Emmanuel Macron bei einer Fernsehansprache am Montag. Ab dem 15. September werde kontrolliert, ob das Personal in diesen Bereichen geimpft ist. Sollte dies nicht der Fall sein, dürften die Gesundheitsfachkräfte nicht mehr arbeiten und würden auch nicht bezahlt, so Gesundheitsminister Olivier Veran. Angesichts der ansteckenderen Delta-Variante sei es wichtig, Pflichten einzuführen.

Irgendwann müsse auch die Frage nach einer Impfpflicht für alle gestellt werden, betonte Macron. Er rief die ganze Bevölkerung auf, sich immunisieren zu lassen. "Es gibt einen neuen Wettlauf mit der Zeit", sagte er mit Verweis auf die Delta-Variante. Nur wenn alle Franzosen geimpft seien, könne man zur Normalität zurückkehren.

Frankreich hat bislang auf die Freiwilligkeit beim Impfen gesetzt. Zuletzt ließ die Impfrate aber nach. Wurden Ende Mai noch mehr als 400.000 Erstimpfungen täglich vorgenommen, sind es inzwischen nur noch 165.000. 53,1 Prozent der Bevölkerung hat eine Erstimpfung, 40,6 Prozent haben den vollen Schutz. Zudem steigen die Infektionszahlen wieder.

Gesundheitspass für Großveranstaltungen

Macron kündigte auch an, dass künftig bei dem Besuch von Großveranstaltungen, Diskotheken, Restaurants, Kinos und Theater ein sogenannter Gesundheitspass vorgelegt werden muss. Dieser bestätigt, dass die Person entweder geimpft ist oder ein PCR-Test erst kürzlich negativ ausgefallen ist. Ab Anfang August muss dieser Pass auch bei langen Zugfahrten und bei Flügen vorgelegt werden.

Noch am Montagabend brach die Seite zur Buchung von Impfterminen, Doctolib, in Frankreich zeitweise zusammen.

Impfpflicht in Griechenland im Gesundheitssektor

Griechenland kündigte ebenfalls an, dass sich Beschäftigte im Gesundheitssektor ab dem 1. September und in der Altenpflege ab sofort verpflichtend impfen lassen müssen. Künftig dürfen sich die Menschen auch nur noch in Innenräumen von Gastronomie- und Kulturbetrieben aufhalten, wenn sie gegen Covid-19 geimpft sind, wie Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis bekannt gab.

"Wir können das letzte Kapitel der Gesundheitskrise nur beenden, wenn jeder das Vakzin der Freiheit in seinem Arm hat", sagte Mitsotakis. Griechenland werde nicht wegen einiger weniger wieder runterfahren. "Nicht Griechenland ist in Gefahr, sondern nicht geimpfte Griechen."

Impfpflichten sind in Europa bisher selten. Italien, das besonders hart von der Pandemie getroffen wurde, war eine Ausnahme. Das Land verlangt bereits seit Mai von seinem Gesundheitspersonal eine Impfung. Wer sich nicht impfen lässt, riskiert eine Suspendierung vom Arbeitsplatz oder eine Gehaltskürzung.

Debatte um Impfpflicht für Lehrer

Auch in Deutschland wird derzeit über eine mögliche Impfpflicht für bestimmte Berufe diskutiert. Der Humangenetiker Wolfram Henn vom Deutschen Ethikrat meinte dazu kürzlich: "Wir brauchen eine Impfpflicht für das Personal in Kitas und Schulen." SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte dagegen zur "Rheinischen Post": "Eine Impfung gegen Covid-19 muss die freiwillige Entscheidung jedes Einzelnen sein. Hier muss und wird die Politik zu ihrem Wort stehen. Das gilt auch für Lehrer und Erzieher."

Isabella Eckerle, Leiterin der Forschungsgruppe Emerging Viruses an der Universität Genf, schrieb auf Twitter: "Wer sich beruflich um andere Menschen kümmert, der darf keine Gesundheitsgefahr darstellen. Betreuer von Kindern und auch Personal im Gesundheitsbereich sollten geimpft sein."

Ärztekammer gegen Einschränkungen für Ungeimpfte

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, sprach sich derweil gegen eine Einschränkung von Freiheitsrechten für Ungeimpfte aus. Dies käme einer indirekten Impfpflicht gleich, die er für falsch halte, sagte er. Nicht alle Impfwilligen hätten bisher ein Impfangebot wahrnehmen können. Für Kinder unter zwölf Jahren, Schwangere und Menschen mit bestimmten Erkrankungen gebe es noch kein Angebot. Reinhardt: "Diese Menschen darf man nicht vom gesellschaftlichen Leben ausschließen."

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