BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

#fragBR24: Erkranken arme Menschen schwerer an Covid-19? | BR24

© BR24
Bildrechte: BR24

Ob arm oder reich: Wer an Corona erkrankt, bekommt medizinischer Hilfe. Trotzdem verläuft die Krankheit bei einkommensschwachen Menschen oftmals schlimmer. Woran liegt das?

1
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

#fragBR24: Erkranken arme Menschen schwerer an Covid-19?

Ob arm oder reich: Wer an Corona erkrankt, bekommt medizinischer Hilfe. Trotzdem verläuft die Krankheit bei einkommensschwachen Menschen oftmals schlimmer. Woran liegt das?

1
Per Mail sharen
Von
  • Katharina Semke

Aufstocker und Niedriglöhner, Kurzzeitarbeitslose, Langzeitarbeitslose – je schwieriger die sozioökonomische Stellung, desto größer das Risiko, mit einer SARS-CoV-2-Infektion im Krankenhaus behandelt werden zu müssen. Darauf weist eine Studie des Universitätsklinikums Düsseldorf und der AOK Rheinland/Hamburg hin.

Untersucht wurden die Versicherungsdaten von 1,3 Millionen Menschen. Das Ergebnis legt nahe, dass Menschen in Arbeitslosigkeit oder Sozialhilfe im Falle einer COVID-19-Infektion häufiger einen schweren Krankheitsverlauf haben.

"Selbst diejenigen, die wir Ergänzer nennen, also Aufstocker und Beschäftigte im Niedriglohnsektor, haben bereits ein höheres Risiko", berichtet Studienleiter Professor Nico Dragano. Am gefährdetsten seien Langzeitarbeitslose. Menschen ohne Krankenversicherung konnten in der Studie nicht berücksichtigt werden.

Einkommen wirkt sich auf die körperliche Verfassung aus

Obwohl der Zusammenhang zwischen Armut und Gesundheit seit langem dokumentiert ist, haben die Wissenschaftler noch keine abschließende Erklärung für den häufigeren Krankenhausaufenthalt von ärmeren Covid-19-Patienten. Frühere Studien zu anderen Krankheiten weisen allerdings die Richtung.

"Beim Verlauf einer Corona-Infektion spielen Vorerkrankungen eine wichtige Rolle", weiß Sozialepidemiologe Dragano. Langzeitarbeitslose Menschen etwa seien häufig vorbelastet in die Pandemie gegangen. Es ist erwiesen, dass sie öfter an Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes leiden. Dies könne bei einer Corona-Infektion zu einem schwereren Krankheitsverlauf führen. Die Studie fand heraus, dass ihr Risiko, wegen Corona im Krankenhaus behandelt werden zu müssen, im Vergleich zu sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um das 1,8-Fache erhöht ist.

Soziale Gruppen haben unterschiedliches Gesundheitsverhalten

Das Gesundheitsverhalten der sozialen Gruppen kann sich stark unterscheiden. Eine Studie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf kam 2018 zu dem Schluss, dass der Raucheranteil in Bevölkerungsgruppen höher ist, je niedriger Schulabschluss und Einkommen sind. Rauchen kann bei einer Corona-Infektion Lungenkomplikationen begünstigen. "Auch der Bewegungsmangel ist ungleich Verteilt, ebenso wie die Inanspruchnahme von Vorsorgemaßnahmen", sagt Dragano. Ein schlechteres Gesundheitsverhalten sei mitunter darauf zurückzuführen, dass besser gestellte Menschen mit Vorsorgemaßnahmen besser erreicht werden.

Ärmere häufiger Infektionsrisiko ausgesetzt

Ob finanziell Schwächere einem höheren Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind, ist in Bezug auf Corona noch schlecht untersucht. Laut einer aktuellen Studie aus den USA haben sich in einigen Städten die Bewohner von ärmeren Stadtvierteln häufiger infiziert. Sie mussten selbst während eines Lockdowns regelmäßig öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Die Orte, die sie aufsuchen, sind häufiger klein und überfüllt.

Ähnliche Erkenntnisse gab es laut Dragano auch bei früheren Pandemien: "Höhere Infektionszahlen bei ärmeren Menschen sind bereits bei der Spanischen Grippe dokumentiert." Weniger Rückzugsmöglichkeiten, die Nutzung von Bus und Bahn sowie Berufe ohne Homeoffice-Option mit viel Menschenkontakt – diese Faktoren steigern während der Corona-Pandemie das Ansteckungsrisiko.

Unterstützung während der Pandemie

Viele Ursachen der oben genannten Missstände lassen sich von der Politik nicht kurzfristig beheben. "Soziale Ungleichheit ist der Kern des Problems und muss adressiert werden", sagt Dragano. Er empfiehlt deshalb, Kommunen zu stärken: "Unterstützungsmaßnahmen, die den Menschen zugutekommen, die es nicht einfach haben, müssen aufrechterhalten und ausgebaut werden." Die Schließung von Hilfsangeboten wie der Tafel oder der Arche seien während der Pandemie keine gute Idee. Vielmehr müssten kreative Konzepte erarbeitet werden, damit diese die Menschen auch während eines Lockdowns sicher erreicht werden können.

"Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!