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"Dirndl-Koalition" in Österreich? | BR24

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"Dirndl-Koalition" in Österreich?

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"Dirndl-Koalition" in Österreich?

Am Sonntag wird in Österreich ein neues Parlament gewählt. Laut Umfragen bleiben Ex-Kanzler Sebastian Kurz und seine ÖVP die mit Abstand stärkste Kraft und werden die Regierung bilden - möglicherweise in einer "Dirndl-Koalition".

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Die ÖVP mit Spitzenkandidat und Ex-Kanzler Sebastian Kurz liegt laut Umfragen zwischen 33 und 35 Prozent. Die Konservativen stellen also voraussichtlich erneut den Kanzler. Aber die ÖVP braucht Koalitionspartner. Eine der möglichen Regierungs-Kombinationen ist die sogenannte Dirndl-Koalition: aus Schwarz, Grün und Pink, den NEOS.

Trotz Ibiza: FPÖ weiter als Koalitionspartner denkbar

Sebastian Kurz schließt keine Koalition aus - auch eine Neuauflage von "Schwarz-Blau" käme in Frage.

"Die inhaltliche Arbeit mit der FPÖ war eine ganz ausgezeichnete, aber ja: Ich habe viel aushalten müssen, bis hin zu immer wieder antisemitischen Ausreden." Sebastian Kurz, Spitzenkandidat der ÖVP

Schwieriger Wahlkampf für ÖVP

Der Wahlkampf der ÖVP lief dieses Mal nicht gerade glatt: Nachdem die Regierung im Mai geplatzt war, schredderte ein ÖVP-Mitarbeiter Druckerfestplatten des Kanzleramts unter falschem Namen und bezahlte die Rechnung nicht.

Außerdem veröffentlichten österreichische Medien interne ÖVP-Dokumente über deren Parteifinanzen: Sie zeigen eine hochverschuldete Partei, die die Regeln für Wahlkampfausgaben großzügig auslegt. Zudem wurden hohe Rechnungen über Berater, Friseur und Schönheitspflege des 33-jährigen Ex–Kanzlers publik. Das schadete diesem in Umfragen ganz und gar nicht, so Barbara Toth von der linksliberalen Wochenzeitung Falter, die die internen ÖVP-Unterlagen veröffentlicht hat.

Strache ist für FPÖ Klotz am Bein

Die konservative ÖVP könnte zudem von ihrem Ex-Koalitionspartner FPÖ profitieren. Denn das verdeckt gefilmte Ibiza-Video mit Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache beendete dessen politische Karriere. Doch der frühere Vizekanzler funkte im Wahlkampf ständig dazwischen. Der neue FPÖ-Chef Norbert Hofer hofft unterdessen auf ein Weiterregieren mit der ÖVP.

"Wir sind bereit, diesen Weg fortzusetzen, aber ich sage auch eines in Richtung ÖVP, damit das auch sonnenklar ist: Wir bitten nicht um die Regierung. Wir können Opposition sehr gut." Norbert Hofer, FPÖ-Chef

Koalition mit der SPÖ?

Laut Umfragen könnte die ÖVP auch eine weitere große Koalition eingehen mit der SPÖ. Das ist auf beiden Seiten unbeliebt, denn die persönlichen Verletzungen sind groß. Eine Koalition mit der rechten FPÖ im Bund hat SPÖ-Spitzenkandidatin Pamela Rendi-Wagner ausgeschlossen. Sie fragte Sebastian Kurz in einer ORF-Runde mit Blick auf rechte und antisemitische Ausfälle der FPÖ:

"Was haben sie aus 80 sogenannten Einzelfällen während ihrer Regierungsperiode mit ihrem Koalitionspartner gelernt? Weil wenn ich von ihrer ordentlichen Mitte-Rechts-Politik höre, die sie nach dem 29. fortsetzen wollen: Das heißt Fortsetzung dieser Politik - Spaltung, Hetze, Einzelfälle." Pamela Rendi-Wagner, SPÖ
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Umfragen zufolge könnte es nach der Wahl in Wien eine Neuauflage der schwarz-blauen Koalition geben. Das klingt so, als bliebe alles beim Alten. Aber stimmt das? Was bewegt die Österreicher? Eine Reportage von Andrea Beer und Clemens Verenkotte