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Folgen des Insektensterbens: Weniger Mandeln, viele Kuhfladen | BR24

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Bei der Hälfte der gut 500 Bienenarten in Deutschland schrumpfen die Populationen. Das belegt der neue Insektenatlas, der heute von der Heinrich-Böll-Stiftung und dem Bund für Umwelt und Naturschutz in Berlin vorgestellt wurde.

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Folgen des Insektensterbens: Weniger Mandeln, viele Kuhfladen

Der BUND und die Heinrich-Böll-Stiftung haben den Insektenatlas 2020 vorgestellt. Dessen Botschaft: Die Folgen des Insektensterbens sind deutlich sichtbar, auf den Feldern und Wiesen, aber auch auf den Tellern.

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Insekten sind wichtig für den Boden, für die Pflanzen zum Bestäuben, aber auch, um zum Beispiel Kuhdünger aufzuarbeiten. Insekten räumen die Kuhfladen weg! All das passiert mittlerweile viel zu wenig. Das Insektensterben hat überall auf der Welt bedrohliche Ausmaße angenommen. Laut Insektenatlas, herausgegeben vom BUND und der Heinrich-Böll-Stiftung, nehmen 40 Prozent aller Insektenarten weltweit ab, ein Drittel ist vom Aussterben bedroht. Diese Zahlen stammen aus einer Studie der Universität Sydney.

Massive Auswirkungen auf Wiesen, Feldern und Tellern

Der BUND und die Heinrich-Böll-Stiftung warnen: Wenn sich das Insektensterben so fortsetzt wie in den letzten Jahren, wird das auch der Verbraucher deutlich spüren. Werden die Pflanzen nicht mehr bestäubt, sagen Experten massive Ernteausfälle bei Obst und Gemüse voraus. Gurkenpflanzen sind besonders anfällig, sie werde es schlicht nicht mehr geben. Die Kirschenernte werde um 40 Prozent einbrechen, bei Mandeln könnten es sogar bis zu 90 Prozent sein. Insgesamt könnten landwirtschaftliche Produkte im Wert von 1,3 Milliarden Euro wegfallen. Es sei denn, der Mensch bestäubt per Hand. In China ist dies mittlerweile Alltag. Wenn aber keine Käfer und Fliegen mehr die Kuhfladen auf der Weide vertilgen, wer räumt die dann weg?

Insektenschutz an der Ladentheke

Ginge es nach dem Willen von BUND und der Heinrich-Böll-Stiftung, müssten nun zuerst zwei wesentliche Punkte angegangen werden. Sie fordern faire Preise an der Ladentheke. Fair im Sinne der Insekten ist damit gemeint, die Produkte würden schlicht teurer, weil die Bauern, die sich um Insektenschutz bemühen, mehr Geld bekommen würden. Bei den fünf großen Handelskonzernen in Deutschland sei aber keine Einsicht zu erkennen, berichtet Olaf Bandt von Gesprächen mit Edeka, Aldi und Co. Beim Runden Tisch zum Thema Insektenschutz im Bundeslandwirtschaftsministerium hätten sich die Handelskonzerne dafür nicht zuständig gefühlt, so Bandt.

Insektenschutz global gedacht

Selbst wenn sich Europa auf einheitliche Standards für den Insektenschutz verständigen würde, ginge das Insektensterben weltweit dennoch weiter. In der extensiven Landwirtschaft in Südamerika oder in Asien werden enorme Mengen an Pestiziden eingesetzt, unter anderem produziert von deutschen Chemieunternehmen wie Bayer. Der BUND und die Heinrich-Böll-Stiftung fordern deshalb ein Exportverbot für in Europa verbotene Pestizide. Das wäre ihrer Ansicht nach genauso sinnvoll für einen globalen Insektenschutz wie ein Stopp des Handelsabkommens Mercosur – dieses sehe nämlich keinerlei Zölle für Pestizide vor.

Insektenschutz mit Agrarsubventionen

BUND und die Heinrich-Böll-Stiftung betonen gleichlautend, sie gehörten nicht zu den Organisationen, die die EU-Agrar-Subventionen streichen wollen. Die Vorsitzende der Heinrich-Böll-Stiftung, Barbara Unmüßig, fordert stattdessen eine Neuausrichtung der milliardenschweren Zahlungen: "Macht die Agrarsubventionen zukunftsorientiert, macht sie gemeinwohlorientiert", sagt sie.