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Folgen der Corona-Krise: Kaum noch Blut auf Vorrat | BR24

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Wegen des derzeit stark eingeschärnkten Spendenbetriebs der Blutspendedienste wird in vielen Teilen Deutschlands das Spenderblut statt. Nicht notwendige Operationen müssen mittlerweile teilweise abgesagt werden.

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Folgen der Corona-Krise: Kaum noch Blut auf Vorrat

Die Blutspendedienste schlagen Alarm: In der Corona-Krise gehen die Blutkonserven aus. In manchen Regionen reichen die Vorräte gerade einen Tag. Das liegt nicht allein an mangelnder Spendenbereitschaft.

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Die Situation ist außergewöhnlich: In vielen Regionen Deutschlands werden die Blutkonserven extrem knapp. Wie außergewöhnlich das ist, das merkt man an den Worten von Eberhard Weck vom Blutspendedienst Baden-Württemberg und Hessen: "Das ist der niedrigste Stand, den ich in meinem Berufsleben erlebt habe."

In den beiden Bundesländern kann das Rote Kreuz aktuell nicht einmal den Bedarf eines durchschnittlichen Tages decken, wenn der Zulauf so bleibt. Ähnlich schlecht ausgestattet sind die Blutbänke in Berlin, Brandenburg, Sachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein: Dort reicht der Vorrat - also das, was beim Roten Kreuz im Kühlhaus liegt - exakt einen Tag.

Vorrat an Blutkonserven bei deutschen Blutspendediensten

  • BRK-Blutspendedienst (Bayern): 4,3 Tage
  • DRK-Blutspendedienst West (Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland) 2,5 Tage
  • DRK-Blutspendedienst NSTOB (Niedersachsen, Bremen, Sachsen-​Anhalt, Thüringen, Mecklenburg- Vorpommern) 2,0 Tage
  • DRK-Blutspendedienst Nord-Ost )Berlin, Brandenburg, Sachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein) 1,0 Tage
  • DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg-Hessen (Baden-Württemberg, Hessen) 0,9 Tage

Ein größerer Notfall darf nicht passieren

Die Lage würde dann dramatischer, wenn ein größerer Notfall passieren würde, sagt Stephan Küpper vom Blutspendedienst West. "Dann haben wir tatsächlich ein großes Problem", erklärt er. "In diesen Fällen muss man tatsächlich zur Kühlschranktür gehen können und die bereits bearbeiteten und getesteten Präparate herausnehmen." Das sei in so einem Fall nicht mehr gewährleistet. Trotzdem sei man gerüstet und könnte sich dann unter den Bundesländern jeweils aushelfen.

Ein klein wenig besser ist die Situation zum Beispiel im Westen. Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und das Saarland kämen etwa zweieinhalb Tage über die Runden - trotzdem eigentlich zu wenig. In Bayern ist es noch etwas entspannter. Da würden die Blutkonserven viereinhalb Tage reichen - und das bezeichnet das Rote Kreuz als "gut".

Bayern ist aber die Ausnahme. Deshalb muss Blut sozusagen gespart werden. Das heißt in der Praxis: Nicht notwendige Operationen müssen teilweise abgesagt oder verschoben werden.

Zu wenig Gelegenheit zum Spenden

Das Rote Kreuz deckt etwa 70 Prozent des Bedarfs an Blutkonserven in Deutschland ab, manche Unikliniken oder Kommunen haben vereinzelt aber zusätzlich eigene Dienste. Trotzdem: Der größte Player ist momentan unterversorgt.

Der Grund dafür, dass es gerade so wenig Blut auf Vorrat gibt, ist die Corona-Pandemie. Aber: Es liege nicht daran, dass zu wenige Menschen Interesse haben, Blut zu spenden, sagt Küpper. Es gebe einfach nicht genügend Gelegenheiten. Die großen Stützen wie öffentliche Termine sowie Termine an Firmen, Schulen oder Hochschulen, "die sind uns alle weggebrochen, weil die Menschen schlicht und ergreifend im Homeoffice sitzen oder eben zuhause lernen".

"Jetzt muss jeder Blut spenden, der kann und möchte"

Ein Ende der Situation ist nicht in Sicht. Das Rote Kreuz geht davon aus, dass noch das ganze Jahr über kein normaler Spendenbetrieb möglich ist. Einzige Lösung: Zu den wenigen Terminen, die es gibt, sollten mehr Leute kommen. "Wir wissen, dass wir den Menschen da draußen in der Form auch etwas abverlangen", sagt Küpper. "Wir rauben ihnen dann Zeit. Es verzögert sich alles."

Küppers Kollege Weck ergänzt: "Jetzt muss jeder Blut spenden gehen, der kann und möchte." In zwei Wochen könnte die Situation schon wieder besser sein, hofft er.