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Förderer und Feindbild: Microsoft-Gründer Bill Gates wird 65 | BR24

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Bill Gates

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    Förderer und Feindbild: Microsoft-Gründer Bill Gates wird 65

    Lang vorbei die Zeiten, in denen Bill Gates wegen seiner Brille oder Frisur belächelt wurde. Seit der ehedem reichste Mann der Welt zu deren Verbesserung beitragen will, hagelt es Kritik und Anfeindungen von vielen Seiten. Doch Gates gibt sich immun.

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    Mit 31 Jahren war er der reichste Mann der Welt. Mit 65 steht Bill Gates immer noch auf Platz drei der Forbes-Liste, obwohl er mittlerweile etliche Milliarden Dollar in seine gemeinnützige Stiftung gesteckt hat - das von seiner alten Garagen-Firma Microsoft entwickelte Betriebssystem Windows läuft bis heute lukrativ auf hunderten Millionen Computern weltweit.

    Allerdings: Gäbe es eine Liste der meistgehassten Menschen der Welt, wäre ihm auch darauf ein Spitzenplatz sicher. Milliardär mit Kassenbrille, Nerd, Machtmensch und Wohltäter: Bill Gates polarisiert.

    Ein reicher, etwas seltsamer Junge

    Privilegiert war Gates, der am 28. Oktober 1955 in der US-Ostküstenmetropole Seattle zur Welt kam, von Anfang an. Als Sohn eines Anwalts und einer Lehrerin konnte er eine Privatschule besuchen, an der er seine Leidenschaft fürs Programmieren entdeckte. Schon nach kurzer Zeit beherrschte der ebenso hochbegabte wie eigenwillige Junge die Computersprache Basic meisterhaft.

    Während des Studiums an der Eliteuniversität Harvard entwickelte Gates dann mit seinem Schulfreund Paul Allen eine Software für den Heimcomputer Altair 8800. Der große Durchbruch: ab 1980 lieferten Gates und Allen dem Computerriesen IBM das Betriebssystem MS-DOS.

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    Bill Gates und Paul Allen 1981

    "Ein Computer in jedem Heim"

    Als geschickter Verhandler rang Bill Gates seinen übermächtigen Vertragspartnern bei IBM die Lizenz ab, sein System auch an andere PC-Hersteller zu verkaufen. Während der Rest der Welt noch Maschinengetipptes durchs Faxgerät jagte, arbeitete Gates an seiner Vision: "A computer on every desk and in every home": ein Computer auf jedem Schreibtisch und jedem Haushalt.

    Ein bis heute funktionierendes Riesengeschäft - auch wenn Microsoft den Boom des World Wide Web beinahe verschlafen hätte. Denn der Konzern schreckt nicht davor zurück, die Marktmacht seines Betriebssystems offensiv gegen innovative Netz-Konkurrenten wie den Browser-Anbieter Netscape einzusetzen. Die damalige US-Justizministerin Janet Reno klagt:

    "Microsoft nutzt sein Monopol auf ungesetzliche Weise, um seine Alleinherrschaft zu verteidigen und zu erweitern."

    Die Reaktionen der Politik auf diesen "Browserkrieg" erinnern an das aktuelle Kartellverfahren gegen Google, die Proteste gegen die Übermacht von Amazon oder auch Facebook und Apple. Langfristig geschadet haben sie Microsoft nicht.

    Vom Tüftler zum Stifter

    Die zweite große Wende im Leben von Bill Gates bahnt sich 1993 an einem Strand in Sansibar an. Eigentlich wollen Bill und seine Verlobte Melinda auf einer Safari-Tour mit Freunden feiern. Doch dann kommt ihnen die afrikanische Wirklichkeit dazwischen.

    "Unsere Zeit in Ostafrika war unsere erste wirkliche Begegnung mit extremer Armut. Es war sowohl augenöffnend als auch herzzerreißend."

    So jedenfalls stellt es Melinda später in ihrem Blog dar. Alte Überlegungen, einen Teil ihres Vermögens für gemeinnützige Zwecke zu spenden, nehmen wenig später konkrete Gestalt an: Die Bill & Melinda Gates Foundation.

    💡 Stichwort: Gates Stiftung

    Die "Bill & Melinda Gates-Foundation" beschäftigt sich mit drei Schwerpunkten: Im Bereich Gesundheit fördert sie die Erforschung und Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen und deren Verbreitung. Um den Hunger in der Welt zu bekämpfen, kümmert sich die Stiftung auch um den Bereich Landwirtschaft. Sie will produktive Pflanzen erforschen lassen und Landwirte unterstützen, vor allem in Afrika. Außerdem engagiert sich die Stiftung in Bildungsprogrammen für Jugendliche in den USA.

    Viel Geld, viel Kritik

    Ab der Jahrtausendwende zieht sich Gates schrittweise aus dem von ihm gegründeten Konzern zurück, bezieht dafür aber immer mehr Stellung in Fragen der Entwicklungshilfe und der globalen Gesundheitspolitik. Es ist erkennbar mehr als das luxuriöse Hobby eines reichen Mannes. Und wieder steht Gates im Zentrum der Aufmerksamkeit. Als er 2017 zusammen mit Entwicklungshilfeminister Gerd Müller an der Münchner TU auftritt, wollen 11.000 Menschen dabei sein.

    "Wenn wir den Indern sagen: Hey, hört auf Kohle zu verheizen!, dann haben wir nicht wirklich eine Antwort für sie. Deshalb brauchen wir jetzt eine Revolution, und zwar schnell, weil der Klimawandel jeden Tag schlimmer wird." Bill Gates 2017 in München

    Von den 1.000, die einen Platz im Audimax bekommen, kann Gates die meisten überzeugen.

    Das ist nicht überall so. Kritiker werfen der Stiftung vor, durch ihre hohe finanzielle Unterstützung die Entwicklungshilfe zu dominieren und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Übermaß zu beeinflussen. Tatsächlich war die Gates-Stiftung in den Jahren 2018 und 2019 mit rund 367 Millionen Dollar der größte private Beitragszahler der WHO und stellte damit mehr Geld bereit als etwa Deutschland.

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    Anti-Bill-Gates-Demonstrant in Berlin

    "Feind-Bill" der Verschwörungstheoretiker

    Der Werdegang des Bill Gates lässt sich auch am Wandel seiner Gegner ablesen. Am Anfang sind es Windows-Genervte und andere Kritiker des übermächtigen Microsoft-Konzerns, die den Slogan "Gib Gates keine Chance" - angelehnt an eine alte Anti-Aids-Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung - auf ihre T-Shirts drucken.

    Nach der Jahrtausendwende dreht die Kritik weiter auf links. Bei der Verwaltung des Stiftungsvermögens, bemängeln Kapitalismus-Kritiker, agiere Gates als knallharter Unternehmer, investiere in Ölmultis wie Exxon und BP - und spare durch seine Stiftung Steuern.

    Die neuesten und härtesten Angriffe aber kommen von Impfgegnern und Corona-Leugnern. Vieles davon ist bizarr. So kursieren im Netz Gerüchte, die Corona-Pandemie sei nur eine Erfindung, um Menschen mit den Impfstoffen rückverfolgbare Mikrochips zu implantieren. Andere spinnen Bill Gates in die Verschwörungsmythen der Qanon-Bewegung ein.

    "Menschen, die eine einfache Erklärung suchen"

    Gates selbst begegnet den Anfeindungen äußerlich gelassen. Die heißlaufende Fake-News-Produktion sei einfach "eine schlechte Kombination von einer Pandemie und Internet-Netzwerken und Menschen, die nach einer einfachen Erklärung suchen", so Gates in einem CNN-Interview.

    Beirren lassen will sich der Multimilliardär davon nicht. Und bekommt in Kürze wohl einen prominenten Nachahmer: Amazon-Boss Jeff Bezos - Gates' Nachfolger als reichster Mann der Welt - will immerhin zehn Millionen seines 130-Milliarden-Dollar-Vermögens für Klimazwecke spenden.

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