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Flugzeugabsturz im Iran: Was wir wissen - und was nicht | BR24

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Nach dem Flugzeugabsturz im Iran werden die Flugdatenschreiber der verunglückten Boeing 737 von untersucht. Die ukrainische Botschaft im Iran zog ihre bisherige Darstellung zurück, wonach das Unglück auf Triebwerksprobleme zurückzuführen sei.

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Flugzeugabsturz im Iran: Was wir wissen - und was nicht

Beim Absturz einer ukrainischen Passagiermaschine nahe Teheran sind alle 176 Insassen ums Leben gekommen. Erste Meldungen, wonach es deutsche Opfer gibt, bestätigte das Auswärtige Amt nicht. Was wir bisher wissen.

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Was über den Absturz bekannt ist:

Am Mittwochmorgen ist kurz nach dem Start vom Imam-Chomeini-Flughafen in der iranischen Hauptstadt Teheran eine Boeing 737-800 der Ukraine International Airlines aus einer Höhe von 2.400 Metern abgestürzt. An Bord waren 176 Personen. Nach Angaben des ukrainischen Außenministeriums überlebte keiner der 167 Passagiere und neun Crew-Mitglieder.

Welche Nationalität hatten die Opfer:

Es befanden sich 82 Iraner, 63 Kanadier, elf Ukrainer, zehn Schweden, vier Afghanen und drei Briten an Bord. Erste Meldungen, wonach auch drei Deutsche an Bord gewesen sein sollen, kann das Auswärtige Amt bislang nicht bestätigen. "Wir haben derzeit keine Erkenntnisse, nach denen sich deutsche Staatsangehörige unter den Opfern des Flugzeugabsturzes in Iran befinden", hieß es am Nachmittag von der Behörde. "Unsere Botschaft in Teheran bemüht sich mit Hochdruck um Aufklärung." Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur sollen drei Menschen an Bord gewesen sein, die in Deutschland als Schutzsuchende registriert waren.

Was sagt der Iran zur möglichen Unglücksursache?

Die iranische Luftfahrtbehörde nannte als Grund für das Unglück einen technischen Defekt, so der iranische Nachrichtensender Chabar unter Berufung auf einen Sprecher der Behörde. Eines der Triebwerke der Maschine habe Feuer gefangen, sagte Kassem Binias, ein Sprecher des Straßen- und Verkehrsministeriums, nach einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Irna. Daraufhin habe der Pilot die Kontrolle über das Flugzeug verloren. Weitere Erkenntnisse erhoffen sich die Rettungskräfte vom Flugschreiber, der mittlerweile gefunden wurde.

Die Behörden in Teheran weigern sich, die Flugschreiber zur Auswertung an die USA zu übergeben. US-Außenminister Mike Pompeo rief zu einer "vollständigen Zusammenarbeit" bei sämtlichen Ermittlungen zur Unglücksursache auf, ohne den Iran direkt zu nennen.

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Beim Absturz einer ukrainischen Passagiermaschine im Iran sind alle Insassen ums Leben gekommen. Die Maschine war kurz nach dem Start in Brand geraten.

Wie reagiert die Ukraine?

Die Ukraine distanziert sich mittlerweile von ihrer anfänglichen Erklärung zur Absturzursache. Die ukrainische Botschaft im Iran teilte in einer zweiten Stellungnahme mit, die Ursachen des Absturzes seien nicht ermittelt. Frühere Einschätzungen dazu seien nicht offiziell gewesen. In der ersten Stellungnahme war noch von Triebwerksversagen die Rede gewesen und "Terrorismus" als Ursache ausgeschlossen worden.

In Kiew wurde der ukrainische Ministerpräsident Oleksij Hontscharuk von Journalisten gefragt, ob das Flugzeug von einer Rakete abgeschossen worden sein könnte. Er warnte daraufhin vor Spekulationen, bevor die Ergebnisse einer Untersuchung bekannt seien. Zuvor hatte auch Präsident Wolodymyr Selenskyj vor Spekulationen gewarnt. Der Generalstaatsanwalt sei angewiesen worden, ein Strafverfahren zu eröffnen, sagte er. Die Kommission, die den Absturz untersuchen soll, werde aus Vertretern der staatlichen Ermittlungsbehörden und den Experten für zivile Luftfahrt bestehen.

Was ist über den Flugzeugtyp bekannt:

Bei dem Flugzeugtyp Boeing 737-800 handelt es sich um einen Mittelstreckenjet, wie er von Airlines weltweit eingesetzt wird. Es ist eine der modernsten Versionen des bewährten Flugzeugtyps - und nicht zu verwechseln mit der Boeing 737 Max, die nach zwei folgenschweren Abstürzen mit weltweiten Flugverboten belegt wurde.

Was die Fluggesellschaft sagt:

Der Fluggesellschaft Ukraine International zufolge war die Maschine vom Typ Boeing 737 mit dem Baujahr 2016 direkt beim Hersteller erworben worden. Das Flugzeug sei technisch in einwandfreiem Zustand gewesen und habe erst am Montag die reguläre technische Überprüfung durchlaufen - also erst vor zwei Tagen. Dennoch werde man die gesamte Flotte noch einmal genau untersuchen. "Es war eins unserer besten Flugzeuge, mit einer ausgezeichneten zuverlässigen Mannschaft", betonte der Präsident des Unternehmens, Jewgeni Dychne. "Die Wahrscheinlichkeit für einen Fehler der Besatzung ist minimal", sagte der Vizepräsident der Fluggesellschaft Igor Sosnowski.

Wie reagieren andere Fluggesellschaften:

Lufthansa strich einen für Mittwoch geplanten Flug von Frankfurt nach Teheran. Am Donnerstag allerdings will die Fluggesellschaft ihre Flüge nach Teheran wieder aufnehmen. Der Anflug auf die Stadt sei sicher, sagte ein Lufthansa-Sprecher.

Überflüge jedoch würden vermieden, so ein Sprecher der Fluggesellschaft. Er ergänzte: "Wir überfliegen derzeit weder Iran noch Irak."

In der Nacht hatte bereits die US-Luftfahrtbehörde FAA für amerikanische Airlines die Nutzung des Luftraums über Iran und Irak sowie dem Golf von Oman untersagt. Die FAA erklärte, dies sei wegen der verstärkten Militäraktivitäten und gewachsener politischer Spannungen im Nahen Osten notwendig. Eine entsprechende Empfehlung sprach auch die russische Luftfahrtbehörde aus. Auch andere Fluggesellschaften meiden die Gefahrenzone.