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Bildrechte: picture alliance/dpa | Moritz Frankenberg

Die Bundeswehr hat einen ersten Evakuierungsflug aus Afghanistan durchgeführt - mit nur sieben Passagieren an Bord. Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer sprach von einer sehr gefährlichen Situation am Flughafen in Kabul.

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Bundeswehr-Maschine verlässt Kabul – sieben Personen ausgeflogen

Der Bundeswehr hat einen ersten Evakuierungsflug aus Kabul durchgeführt. Dabei waren allerdings nur sieben Passagiere an Bord. Die Verteidigungsministerin sprach von einer sehr gefährlichen Situation am Flughafen der afghanischen Hauptstadt.

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  • BR24 Redaktion

Die Bundeswehr hat mit ihrem ersten Evakuierungsflug nur eine kleine Gruppe von Menschen aus Kabul ausfliegen können. Zuvor war die Maschine vom Typ A400M für den Evakuierungseinsatz in Afghanistan nach stundenlanger Verzögerung unter schwierigen Bedingungen auf dem Flughafen Kabul gelandet.

Sieben Menschen an Bord

Inzwischen wurde die Zahl der Passagiere bestätigt. Wie der CDU-Außenpolitiker und Unionsvize Johann Wadephul dem Deutschlandfunk sagte, wurden nur sieben Personen von der Maschine, die notfalls zu 150 Menschen aufnehmen könnte, ausgeflogen. Man habe nur einen Slot von 30 Minuten für die Maschine gehabt. "Und wir konnten nur die mitnehmen, die jetzt da waren. Es wäre auch unverantwortlich gewesen, weil gar nicht sicher war, dass die Maschine landen konnte, mehr dort jetzt schon zum Flughafen zu bringen."

Der wesentliche Zweck des Fluges sei aber gewesen, "robuste Kräfte" nach Kabul zu bringen. Diese Soldaten würden nun die Voraussetzungen dafür schaffen, dass weitere Maschinen in Kabul landen und starten könnten.

Ähnlich äußerte sich Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) im ARD-Morgenmagazin: "Wir hatten nur ganz wenig Zeit, und deswegen haben wir nur die mitgenommen, die jetzt wirklich auch vor Ort waren, und die konnten gestern wegen der chaotischen Situation noch nicht in einer größeren Zahl am Flughafen sein."

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte, aufgrund der "chaotischen Umstände am Flughafen und regelmäßiger Schusswechsel am Zugangspunkt" sei nicht gewährleistet gewesen, dass weitere deutsche Staatsangehörige und andere zu evakuierende Personen ohne Schutz der Bundeswehr überhaupt Zugang zum Flughafen erhalten würden. Von den "Partnern, die die Sicherheitsverantwortung am Flughafen ausüben", sei dieser Zugang nicht ermöglicht worden.

Rollfeld und Landebahn inzwischen geräumt

Die A400M war am Montag fünf Stunden lang über dem Flughafen gekreist, der wegen chaotischer Zustände auf dem Rollfeld vorübergehend gesperrt war. Das Benzin hätte nicht mehr lange gereicht, hieß es. Zuvor hatte bereits eine andere Transportmaschine der Bundeswehr den Anflug auf Kabul abbrechen und zum Nachtanken nach Taschkent fliegen müssen.

Die Landebahn und das Rollfeld sind nach Angaben eines westlichen Sicherheitsbeamten inzwischen frei. Nach der Übernahme Kabuls durch die militant-islamistischen Taliban hatten sich am Montag auf dem Flughafen dramatische Szenen abgespielt. Verzweifelte Menschen versuchten, auf Flüge zu kommen, wie Videos und Bilder in sozialen Medien zeigten. Sie liefen auf das Rollfeld, kletterten unter anderem über Drehleitern, um in ein Flugzeug zu gelangen. Daraufhin wurde der Flugverkehr vorübergehend eingestellt.

Fallschirmjäger schirmen Evakuierung ab

"Wir haben eine sehr unübersichtliche, gefährliche, komplexe Situation am Flughafen, vor allen Dingen durch die Menschenmengen", sagte Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer. "Wir haben es geschafft, in einer wirklich halsbrecherischen Landung unsere Maschine zu Boden zu bringen. Wir haben vor allen Dingen Soldaten dorthin gebracht, die jetzt absichern, damit die Leute, die wir rausfliegen wollen, auch überhaupt die Möglichkeit haben, zum Flugzeug zu kommen. Das war der Hauptauftrag", so die Ministerin.

Aus dem Auswärtigen Amt hieß es, mit Unterstützung der jetzt in Kabul eingetroffenen Fallschirmjäger der für Evakuierungsaktionen speziell ausgebildeten Division Schnelle Kräfte arbeite man jetzt "unter Hochdruck daran, dies im Laufe der nächsten Stunden für erste Evakuierungsgruppen zu ermöglichen."

Taschkent fungiert als logistisches Drehkreuz

Die Flugzeuge der Bundeswehr sollen deutsche Staatsbürger und afghanische Ortskräfte, die früher für die Bundeswehr oder Bundesministerien gearbeitet haben oder noch arbeiten, zunächst nach Usbekistan bringen. Vom dortigen Drehkreuz Taschkent soll es dann mit Chartermaschinen weiter nach Deutschland gehen.

Die beiden A400M waren am Morgen vom niedersächsischen Wunstorf Richtung Kabul gestartet und in Baku in Aserbaidschan zwischengelandet. Ein dritter deutscher A400M, der für medizinische Transporte ausgerüstet ist, sowie ein Airbus A310 MRTT starteten am Montag vom niedersächsischen Wunstorf nach Taschkent.

DSK-Einheit soll Evakuierung von Deutschen vorbereiten

Kramp-Karrenbauer will bis zu 600 Bundeswehrsoldaten zur Absicherung der Evakuierungsaktion in Afghanistan bereitstellen. Das sagte die CDU-Politikerin am Montag in Berlin in der Unterrichtung der Fraktionsvorsitzenden des Bundestags, an der auch Bundeskanzlerin Angela Merkel teilnahm. Neben den speziell für solche Einsätze ausgebildeten Fallschirmjägern der Division Schnelle Kräfte (DSK) sollen beispielsweise auch Feldjäger und Sanitäter zum Einsatz gekommen.

Am Mittwoch will das Bundeskabinett den entsprechenden Mandatsentwurf beschließen, der Bundestag soll in der kommenden Woche darüber entscheiden. Darin könnten die 600 Soldaten, über die zuerst der "Spiegel" berichtete, als Obergrenze festgeschrieben werden.

Taliban haben Macht übernommen

Die Taliban hatten in den vergangenen Wochen nach dem Abzug der ausländischen Truppen, darunter der Bundeswehr, in rasantem Tempo praktisch alle Provinzhauptstädte eingenommen - viele kampflos. Am Sonntag rückten sie auch in Kabul ein. Kämpfe gab es keine.

Hunderte oder vielleicht auch Tausende Menschen hatten sich seit Sonntag zum Flughafen aufgemacht, um aus dem Land zu kommen. Die deutsche Botschaft warnte jedoch davor, sich ohne Aufforderung dorthin zu begeben. Dies könne gefährlich sein. Es gab zudem am Sonntag erste noch unbestätigte Berichte, Menschen seien am Flughafen zu Tode gekommen. Davor hatte es geheißen, US-Soldaten, die den Flughafen absichern, gäben Warnschüsse ab.

Taliban besetzen Polizeistationen in Kabul

Die Lage in der Stadt Kabul selbst war am Montag angespannt, aber zunächst ruhig. Die Taliban besetzten überall in Kabul Polizeistationen und andere Behördengebäude, wie Bewohner der Deutschen Presse-Agentur berichteten. Bewaffnete Kämpfer fuhren in Militär- und Polizeiautos sowie anderen Regierungsfahrzeugen durch die Stadt. Gleichzeitig errichteten sie weitere, eigene Kontrollpunkte in manchen Straßen.

Nach der faktischen Machtübernahme durch die Taliban sollen Gespräche zwischen Politikern und Vertretern der Islamisten laufen. Das teilte ein Sprecher des ehemaligen Präsidenten Hamid Karsai mit. In einem ersten Schritt habe man betont, dass das Leben und das Vermögen der Bevölkerung sowie die öffentliche Infrastruktur geschützt werden müssten, sagte der Sprecher weiter.

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