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Festnahme im Fall Lübcke: Was wir über Stephan E. wissen | BR24

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Stephan E. (zweiter von rechts) bei einer NPD Veranstaltung im August 2002 in Kassel - Am Wochenende wurde er als Tatverdächtiger im Fall Lübcke festgenommen.

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Festnahme im Fall Lübcke: Was wir über Stephan E. wissen

Stephan E. soll über Jahre in der rechten Szene aktiv gewesen sein. In dieser Zeit hat er mehrere rassistisch motivierte Verbrechen begangen. Am Wochenende wurde er als Tatverdächtiger im Fall Lübcke festgenommen. Was wir über Stephan E. wissen.

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Am 2. Juni wurde der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke auf der Terrasse seines Wohnhauses mit einem Kopfschuss getötet. Am Wochenende dann wurde Stephan E. als "dringend tatverdächtig" festgenommen. Seine DNA war am Tatort gefunden worden. Mittlerweile hat die Bundesanwaltschaft den Fall an sich gezogen. Sie stuft den Fall Lübcke als "politisches Attentat" ein - wohl auch weil der Tatverdächtige Stephan E. zumindest in der Vergangenheit als Rechtsextremer bekannt war. Wegen rassistisch motivierter Gewalttaten ist er vorbestraft.

Stephan E. - der Gewalttäter

Stephan E. hatte als 20-Jähriger im Jahr 1993 versucht, einen Bombenanschlag auf ein Asylbewerberheim zu verüben. Durch einen aufmerksamen Bewohner wurde damals die Explosion eines selbstgebauten Sprengsatzes aus einem Installationsrohr und Treibladungen aus Schreckschusspatronen verhindert. 1995 wurde Stephan E. "wegen versuchter Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion in Tateinheit mit Sachbeschädigung und Fahrens ohne Fahrerlaubnis" zu einer Jugendstrafe von sechs Jahren verurteilt. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft Wiesbaden auf BR-Anfrage.

Der "NPD-Stephan"

In den Jahren nach dem gescheiterten Bombenattentat hat sich Stephan E. in Kassel im Umfeld der NPD bewegt. Fotos sollen ihn zeigen, wie er mit NPD-Aufklebern Anfang der 2000er Jahre Wahlkampf für die rechtsextreme Partei machte. Laut Informationen der Süddeutschen Zeitung stammt aus dieser Zeit der Spitzname "NPD-Stephan".

Wie "Der Spiegel" berichtet, hatte Stephan E. auch Kontakte zu der verbotenen rechtsextremen Terrorgruppe "Combat 18". Dem ARD-Magazin Panorama liegen Aufnahmen von Stephan E. vor, die ihn 2007 bei einer Neonazi-Demonstration in Essen zeigen sollen. Dabei trägt er ein Schild mit der Aufschrift "Schluss mit der Verteufelung deutscher Patrioten". Des weiteren soll Stephan E. 2009 mit anderen Neonazis eine DGB-Kundgebung in Dortmund angegriffen haben.

Stephan E. - Mitglied im Schützenverein

Stephan E. ist 45 Jahre alt und Familienvater. Er lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in einem Einfamilienhaus im Kasseler Stadtteil Forstfeld. Darüber hinaus ist bekannt, dass Stephan E. Mitglied in einem Schützenverein war. Im Schützenclub mit dem Slogan "Wir treffen immer ins Schwarze" soll er für die Abteilung der Bogenschützen zuständig gewesen sein. Der Vorstand der Vereins, Reiner Weidemann, betonte in mehreren Interviews, dass Stephan E. im Verein keinen Zugang zu scharfen Waffen behabt habe.

Stephan E. - der bekannte Rechtsextreme

Stephan E. war 2015 auch Thema im hessischen NSU-Untersuchungsausschuss. So hat die Partei Die Linke in einem Beweisantrag zur aktiven Neonazi-Szene in Hessen Stephan E. aufgelistet. Zusammen mit weiteren von der Fraktion als extremistisch eingeschätzten Personen.

Stephan E. schweigt nach ARD-Informationen zum Fall Lübcke.