Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt
Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt

Festgesetzter Öltanker: London sucht diplomatische Lösung | BR24

© picture-alliance dpa

Öltanker Stena Impero

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Festgesetzter Öltanker: London sucht diplomatische Lösung

Nachdem der Iran zwei britische Öltanker gestoppt hat, ist eines der Schiffe nach wie vor unter Kontrolle Teherans. Die Regierung in London drohte zwar mit "ernsten Konsequenzen", will jedoch eine diplomatische Lösung finden.

Per Mail sharen

Nachdem der Iran zwei britische Öltanker gestoppt hat, ist eines der Schiffe nach wie vor unter Kontrolle Teherans. Die Regierung in London drohte zwar mit "ernsten Konsequenzen", will jedoch eine diplomatische Lösung finden.

Lage spitzt sich weiter zu

Nach mehreren Zwischenfällen in der Straße von Hormus ist die Situation am Persischen Golf erneut eskaliert. Die Krise zwischen der Regionalmacht Iran und dem US-Verbündeten Großbritannien spitzte sich zu, nachdem der Iran innerhalb kurzer Zeit zwei britische Tanker stoppte. Eines der Schiffe konnte seine Fahrt später wieder fortsetzen. Der britische Außenminister Jeremy Hunt drohte der Führung in Teheran mit "ernsten Konsequenzen", sollte sie nicht auch den anderen Tanker bald freigeben. In einem Interview des Senders SkyNews sagte er aber auch, militärische Optionen würden nicht erwogen.

"Wir halten nach einem diplomatischen Weg Ausschau, um diese Situation zu lösen." Britischer Außenminister Jeremy Hunt

Hunt erklärte vor einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats (Cobra) in London, er habe mit US-Außenminister Mike Pompeo über die Situation gesprochen. Versuche, mit dem iranischen Außenminister Mohammed Dschawad Sarif zu telefonieren, seien zunächst nicht erfolgreich gewesen, da er sich auf einer Flugreise befand.

Regierung warnt britische Schiffe

Nach der Cobra-Sitzung teilte ein Regierungssprecher mit, dass allen britischen Schiffen dazu geraten werde, die Straße von Hormus und umliegende Gewässer bis auf Weiteres zu meiden. Die betroffene Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman ist eine der wichtigsten Seestraßen der Welt. Fast ein Drittel des globalen Ölexports wird durch die Meerenge verschifft.

Das US-Militär teilte mit, es habe Aufklärungsflugzeuge im Einsatz, um die Lage in der Straße von Hormus zu beobachten. Die Flugzeuge operierten im internationalen Luftraum. Man stehe zudem in Kontakt mit US-Schiffen in der Gegend, um deren Sicherheit zu garantieren.

"Stena Impero" in Richtung iranischer Küste gebracht

Die Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) hatten nach eigenen Angaben zunächst den unter britischer Flagge fahrenden Öltanker "Stena Impero" in der Straße von Hormus gestoppt und in Richtung iranischer Küste gebracht. Zur Begründung hieß es, der Tanker habe internationale Vorschriften missachtet. Die schwedische Reederei "Stena Bulk", der das Schiff gehört, teilte dagegen mit, der Tanker habe sich an sämtliche internationalen Vorschriften gehalten.

Laut den Behörden in der südiranischen Provinz Hormusgan wurde die "Stena Impero" in den Hafen der Stadt Bandar Abbas eskortiert. Der Tanker habe sein GPS-Signal ausgeschaltet und sei vom südlichen Teil der Straße von Hormus, der nur für den Ausgang der Schiffe vorgesehen ist, in die Meerenge eingefahren und habe damit eine Kollision mit anderen Schiffen riskiert, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Tasnim. Dies verstoße gegen die maritimen Vorschriften am Golf. Außerdem solle der Tanker auch umweltschädigende Materialien an Bord haben, die derzeit von der Umweltbehörde in Bandar Abbas untersucht würden.

Mehrere unbekannte kleinere Boote

Der schwedische Eigner sprach von einem "Angriff" auf das Schiff. Mehrere unbekannte kleinere Boote und ein Hubschrauber hätten sich genähert, als der Tanker in internationalen Gewässern kreuzte. Wie Daten der Internetseite Marine Traffic zeigen, verließ die "Stena Impero" gegen 17.30 Uhr MESZ ihren Kurs, als sie die Straße von Hormus passiert hatte. Das Schiff war unterwegs vom Hafen Fudschaira in den Vereinigten Arabischen Emiraten in Richtung Al-Dschubail in Saudi-Arabien.

Tanker "Mesdar" in Richtung Iran abgedrängt

Kurz darauf wurde auch der unter liberianischer Flagge fahrende Tanker "Mesdar" des britischen Unternehmens Norbulk Shipping UK in Richtung Iran abgedrängt. Wie das Unternehmen mitteilte, wurde die "Mesdar" bald darauf aber wieder freigegeben. Nach dreieinhalb Stunden sei die Kommunikation mit der Besatzung wiederhergestellt worden. Die bewaffneten Sicherheitskräfte hätten das Schiff wieder verlassen und die "Mesdar" könne die Reise fortsetzen.

Die halbstaatliche Nachrichtenagentur Fars berichtete, die Besatzung sei routinemäßig von der iranischen Marine über die Umweltvorschriften im Persischen Golf aufgeklärt worden und anschließend weitergefahren.

Wenige Stunden zuvor hatte der Oberste Gerichtshof von Gibraltar beschlossen, den Anfang Juli aufgebrachten iranischen Öltanker "Grace 1" für weitere 30 Tage festzusetzen. Die Behörden des britischen Überseegebiets verdächtigen den Iran, Syrien unter Verstoß gegen internationale Sanktionen mit Öl beliefern zu wollen.

Mehrere Zwischenfälle mit Tankern und Drohnen

Die Spannungen in der Region hatten sich in den vergangenen Monaten immens verschärft. Die Handelsschifffahrt wurde in den Konflikt zwischen den USA und dem Iran hineingezogen. Es kam zu mehreren Zwischenfällen mit Tankern und Drohnen. US-Präsident Donald Trump erklärte am Donnerstag, ein US-Marineschiff habe in der Straße von Hormus eine iranische Drohne zerstört. Teheran widersprach.

Großbritannien und der Iran streiten zudem über einen in Gibraltar festgesetzten iranischen Öltanker. Nach den Vorfällen am Freitag kündigte Trump an, sich eng mit Großbritannien abstimmen zu wollen. Er betonte aber auch, dass die USA nicht viele Tanker hätten, die in dem Seegebiet unterwegs seien. Die Vereinigten Staaten treiben derzeit eine Initiative namens "Operation Sentinel" zum Schutz von Handelsschiffen in der Region voran. Dabei soll es vor allem darum gehen, die Straße von Hormus mit erhöhter Militärpräsenz in der Region besser zu überwachen.