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Fenster auf im Klassenzimmer: Nur Kippen reicht nicht | BR24

© BR/Anna Giordana

Regelmäßig die Klassenzimmer zu lüften, das empfiehlt das Umweltbundesamt den Kultusministern als Corona-Regel an Schulen. Problem dabei: Kippen reicht nicht. Räume mit Fenstern, die sich nicht öffnen lassen, seien nicht für den Unterricht geeignet.

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Fenster auf im Klassenzimmer: Nur Kippen reicht nicht

Regelmäßig die Klassenzimmer zu lüften, das empfiehlt das Umweltbundesamt den Kultusministern als Corona-Regel an Schulen. Problem dabei: Kippen reicht nicht. Räume mit Fenstern, die sich nicht öffnen lassen, seien nicht für den Unterricht geeignet.

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Regelmäßiges Lüften senkt die Virenlast im Klassenzimmer und reduziert damit das Ansteckungsrisiko - das hat Umweltbundesamt schon in mehreren Stellungnahmen erklärt. An vielen Schulen wird das auch umgesetzt, erzählt zum Beispiel die 8-jährige Lou aus München:

"Wir sollten den Pullover und 'ne Decke für die Woche im Klassenzimmer dalassen, damit, wenn wir lüften, wir uns die Decke oder den Pullover anziehen können- Damit es nicht so kalt ist." Lou, Schülerin, acht Jahre

Kein erhöhtes Erkältungsrisiko bei regelmäßigem Stoßlüften

Die Kinder müssen sich in diesem Winter auch weiterhin warm anziehen: Nicht nur in den Pausen zwischen den Schulstunden soll gelüftet werden, sondern alle 20 Minuten, auch während des Unterrichts - und zwar für drei bis fünf Minuten bei weit geöffneten Fenstern. So heißt es in der aktualisierten Empfehlung des Umweltbundesamtes (UBA).

Die entsprechende Handreichung wurde der Kultusministerkonferenz am Donnerstag vorgelegt und wird in den kommenden Wochen an alle Schulen in Deutschland verteilt. Bereits im Vorfeld hagelte es Kritik, weiß Heinz Jörn Moriske vom Umweltbundesamt.

"Gerade der letzte Punkt mit dem Lüften alle 20 Minuten hat zu heftigen Diskussionen geführt, ob da nicht die Klassenräume zu sehr auskühlen und ähnliches. Mediziner haben uns nachweisen können, dass selbst, wenn es draußen kalt ist, die Raumlufttemperatur nur um zwei bis drei Grad kälter wird. Das Erkältungsrisiko steigt dadurch überhaupt nicht, dass ist von allen Kinderärzten bestätigt worden." Heinz Jörn Moriske, Umweltbundesamt

Die pauschale Regel, alle 20 Minuten zu lüften, kann und sollte je nach Klassenstärke und Raumgröße ein bisschen angepasst werden. Das UBA empfiehlt in dem knapp vierseitigen Schreiben, zusätzlich sogenannte CO2-Ampeln in den Klassenräumen aufzustellen. Diese messen, wie verbraucht die Luft genau ist - und erinnern damit ans Lüften.

Raumluftreiniger höchstens als Ergänzung zum Lüften

Von mobilen Raumluftreinigern hält das Umweltbundesamt dagegen nicht viel. Versuche, bei denen die Virenlast mit Hilfe solcher Reiniger reduziert worden ist, seien nämlich nur im Labor durchgeführt worden, erklärt Moriske: "In der Praxis sieht es aber im Realraum vollkommen anders aus: Erstens wissen sie nicht, ob sie nur eine Person haben, die Viren abgibt, und diese eine Person oder mehrere geben die auch nicht nur einmal, sondern vielleicht über die ganze Unterrichtsstunde ab."

Raumluftreiniger seien allenfalls als Ergänzung zum aktiven Lüften geeignet – wenn zum Beispiel die Abstände im Klassenzimmer nicht eingehalten werden können.

Müssen einzelne Schulklassen nun umziehen?

Räume, die sich nicht gründlich lüften lassen, weil die Fenster zum Beispiel nur gekippt werden können, sind laut UBA für den Schulunterricht nicht geeignet. Diese Aussage wird einige Schulen in Bedrängnis bringen. Ob in bestimmten Klassenräumen nun die Fenster ausgetauscht werden müssen, darauf antwortet der bayerische Kultusminister Piazolo im BR-Interview eher ausweichend:

"Das ist natürlich die Verantwortung der örtlichen Sachaufwandsträger, die da aber auch einen Blick drauf haben. Es gibt aber auch den einen oder anderen Raum, wo das vielleicht nicht möglich ist, aus technischen oder Sicherheitsgründen. Dort, haben wir gesagt, muss man überhaupt sehen, ob man die Räume zur Beschulung nutzt." Michael Piazolo, bayerischer Kultusminister, Freie Wähler

Ob Schulklassen nun in andere Räumlichkeiten umziehen müssen, ist damit nicht klar. Piazolo weist aber darauf hin, dass den kommunalen Sachaufwandsträgern in Bayern 37 Millionen Euro für die Verbesserung der Raumluftbedingungen zur Verfügung gestellt werden. Zum Umbau ganzer Gebäude dürfte das kaum reichen – aber zumindest erstmal für die Anschaffung von CO2-Ampeln.

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