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Religiöse Feste, private Feiern: So geht die Welt mit Corona um | BR24

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Weihnachten in Corona-Zeiten (Symbolbild)

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    Religiöse Feste, private Feiern: So geht die Welt mit Corona um

    An diesem Weihnachtsfest müssen wir mit Einschränkungen leben, auf Rituale und Traditionen verzichten. Das ist während der Pandemie auch in anderen Weltgegenden so. Unsere Korrespondenten berichten, wie dort in Corona-Zeiten gefeiert wurde und wird.

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    Von
    • Nils Kopp

    Lena Bodewein aus dem ARD-Studio Singapur betreut in Südostasien ein großes und multireligiöses Berichtsgebiet. Es gehören buddhistische Länder dazu wie auch muslimisch geprägte Länder wie Indonesien oder die Philippinen, Australien und Neuseeland mit christlicher Prägung. Das heißt auch, dass es in diesem Gebiet in den letzten Monaten immer wieder Anlässe gegeben hat, bei denen eigentlich hätte gefeiert werden sollen – doch Feiern wegen Corona im üblichen Umfang nicht möglich war.

    In Neuseeland ist der Osterhase systemrelevant

    Wie die Menschen darauf reagiert haben, schildert Lena Bodewein mit einem Beispiel aus Neuseeland: Dort gab es im April einen harten Lockdown, die Neuseeländer durften nicht zum Einkaufen die Supermärkte betreten. Viele Kinder fragten sich: Was ist mit dem Osterhasen? Die Premierministerin Jacinda Ardern hatte eine Antwort darauf: Auch der Osterhase sei systemrelevant und die Familien haben daraufhin Ostereier gebastelt und in ihren Fenstern aufgehängt. So konnten die Kinder beim Spaziergang Eier mit den Augen suchen.

    Abgespeckte Feste von Indonesien bis Australien

    Die Einschränkungen beim Ramadan trafen die Gläubigen in Indonesien und Malaysia hart: Reisen, um Familienangehörige zu treffen, waren teilweise nicht möglich. Vieles wurde ins Internet verlegt. Auf den Gang in die Moscheen wurde verzichtet. Den Menschen sei auch bewusst gewesen, meint Lena Bodewein, "wenn wir dadurch andere gefährden, ist das nicht gottgefällig".

    Und auch das buddhistische Vesakh-Fest, Buddhas Geburtstag, das normalerweise mit langen Gängen um die Tempel verbunden war, lief jetzt in abgespeckter Form übers Netz.

    Was private Feste betrifft: Lena Bodenwein erzählt von einer Hochzeitsfeier in Australien. Dort war das Tanzen erlaubt, allerdings nur für genau zehn Paare, diese zehn Paare wurden für die ganze Feier ausgewählt, es durfte nicht gewechselt werden. Doch damit hätten sich die Gäste arrangiert.

    In Brasilien gibt es weiter Samba

    Anne Herrberg im ARD-Studio Buenos Aires stellt dagegen fest, dass auch im Corona-Hotspot Brasilien immer noch gefeiert wird, teilweise auch gegen die Vorgaben der Behörden. "Brasilien ist ja ein Völkchen, das sehr gerne feiert", sagt Anne Herrberg im Weltspiegel-Podcast. Dennoch sei das Feiern in diesem Jahr "durchwachsen", wie sie es einschätzt. Sie hat den Eindruck, dass viele Menschen die Pandemie dort teilweise nicht ernst nähmen. Die Menschen treffen sich, es wird Samba-Musik gespielt, man trinkt Bier, man lässt den Mundschutz gerne locker bis ist aufs Kinn rutschen. Hinzu kommt, dass dort gerade Sommer ist, die Menschen können raus ins Freie, im Gegensatz zu uns.

    Dass Einschränkungen nicht sonderlich ernst genommen werden, meint Anne Herrberg, könnte auch auf den Umgang von Präsident Jair Bolsonaro mit Corona zurückzuführen sein. Er sei ständig auf Fotos zu sehen ohne Mundschutz. Covid-19 hält er nur für ein "Grippchen", wie er sagte. Das sei ein fatales Signal an die Bürgerinnen und Bürger des Landes: "Wenn die Oberen sich so verhalten, warum soll ich das dann ernst nehmen?" fragen sie sich.

    Botschaften an die Meeresgöttin

    Große Silvester-Partys werden diesmal aber auch in Brasilien nicht stattfinden, es gibt dennoch auch alte Rituale, die auch in diesem Jahr weiterhin umgesetzt werden – unter Einhaltung der Vorsichtsmaßnahmen. So praktizieren viele Brasilianerinnen und Brasilianer jedes Mal zum Jahreswechsel einen Brauch, in dem sie – in weiß gekleidet – der Meeresgöttin ein Opfer bringen wollen und dazu eine Zeremonie am Strand durchführen. Das findet diesmal nicht statt wie zuvor, aber es gibt eine Alternative: Wünsche und Hoffnungen fürs nächste Jahr werden auf Zettel geschrieben, die werden auf ein Holzboot gelegt, das Boot wird von einem kleinen Team zum Strand getragen und aufs Wasser gesetzt. "Da stehen auch Sachen drauf, die man einfach von sich wegspülen möchte", es sei eine Botschaft an die Wellen, erzählt Anne Herrberg.

    In den USA wird "ordentlich gefeiert"

    Auch im Berichtsgebiet von Peter Mücke vom ARD-Studio New York wurde gefeiert: Thanksgiving, das amerikanische Erntedankfest, gab es Ende November, die jüdische Gemeinden feierten Chanukka Mitte Dezember und dann kommt Weihnachten und Neujahr. Viele Anlässe, um Verwandte zu besuchen, wenn auch im kleinen Kreis. "Es wurde ordentlich gefeiert, leider, muss man sagen", schildert Peter Mücke seine Wahrnehmung: "Die Leute sind durch die Welt gejettet, haben ihre Familie besucht." Entgegen den Warnungen der Experten. Eine neue Welle von Corona-Infektionen droht. Anthony Fauci, der Chef-Immunologe des Weißen Hauses, habe schon gewarnt: Es kämen dunkle Zeiten auf uns zu.

    Das Positive: Gerade in New York ist Peter Mücke aufgefallen, dass dort auch das Gemeinschaftsgefühl gestärkt wurde. Freiwillige helfen sich in der Nachbarschaft, es gibt immer wieder Sammelaktionen für Bedürftige, sowie auch kleinere Aktionen, wie dass ein Kühlschrank auf der Straße aufgestellt wird, worin Menschen Essen hinterlegen können für andere, die es brauchen. "Hier gibt es diesen Geist, diesen Spirit, sich gegenseitig zu helfen", meint Peter Mücke, weil man sich in den USA nicht auf staatliche Hilfe verlassen könne.

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