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Die Schulen sollen digitaler unterrichten. Dafür sollen alle Lehrer in Bayern Dienst-Laptops bekommen - das hatte Kultusminister Piazolo Anfang Oktober 2020 versprochen. Doch vielfach sind die Geräte immer noch nicht da. Woran liegt das?

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Der Digitalpakt und fehlende Lehrer-Laptops: Woran hakt es?

Der Unterricht an bayerischen Schulen soll digitaler werden. Damit das klappt, hatte Kultusminister Michael Piazolo Anfang Oktober 2020 allen Lehrern Dienst-Laptops versprochen. Doch vielfach sind die Geräte immer noch nicht da. Woran liegt das?

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Von
  • Sebastian Kirschner

Birgit Dittmer-Glaubig ist verärgert. Die Konrektorin und ihre Kollegen der Mittelschule an der Simmernstraße in München müssen ihren Distanzunterricht nach wie vor über ihre privaten Laptops bestreiten. Immerhin habe sich die Ausstattung der Schüler verbessert. "Da haben wir wirklich gut zulegen können und auch nochmal einen Schwung bekommen, sodass also alle Schülerinnen oder Schüler, die jetzt den Bedarf hatten, sich ein iPad leihen konnten", erzählt Dittmer-Glaubig.

Aber Laptops für Lehrkräfte? "Für Lehrer ist noch gar nichts da." Wie ihnen geht es vielen anderen: Erst ein Fünftel der 155.000 Lehrkräfte in Bayern hat einen Dienst-Laptop. Dabei waren die Geräte längst versprochen. Woran hakt es also? Am Geld offensichtlich nicht.

Karliczek: Mit Anschaffung der Laptops schon begonnen

Eine halbe Milliarde Euro hat der Bund den Ländern dafür in Aussicht gestellt. Und zwar schon Ende November. Unterzeichnet und offiziell angenommen haben die Länder das Angebot aber erst jetzt – zwei Monate später, sagt Bundesbildungsministerin Karliczek. Sie hätte sich gefreut, wenn das Ganze ein bisschen schneller gegangen wäre, so Karliczek. "Aber, und das will ich an dieser Stelle auch klarstellen, überall konnte trotz der fehlenden Unterschriften schon mit der Anschaffung der Laptops begonnen werden."

Diese halbe Milliarde Euro ist Teil des sogenannten Digitalpakts. Darin ist festgelegt, dass die Bundesregierung beispielsweise Hardware für Schulen bezahlen darf. Die Schulen konnten sogar rückwirkend Geräte abrechnen, die sie seit Juni gekauft hatten. Wenn also genug Geld da ist – warum fehlen dann immer noch so viele Leih-Laptops? Aus Sicht von Alfred Lippl, Schulleiter am Ammersee-Gymnasium, liegt es vielfach an den Strukturen bei den Eigentümern einer Schule, den sogenannten Sachaufwandsträgern. Also zumeist Landkreise oder Kommunen. Sie sind dafür zuständig, die nötige Hardware einzukaufen.

IT-Fachleute sind gefragt - verdienen woanders aber mehr

"Wie eine Schule ausgestattet ist, hängt von sehr vielen Faktoren ab", erklärt Lippl. "Erst mal: Wie viele Schulen muss ein Sachaufwandsträger bedienen. Dann ist die Frage bei den Sachaufwandsträgern: Gibt es genug Personal oder haben die auch Engpässe? Gibt es Personal in diesen technischen Bereichen?"

IT-Fachleute sind derzeit gefragt. Und in der freien Wirtschaft verdienen sie oft deutlich mehr als im öffentlichen Dienst. Das heißt: Sehr wenig Personal muss nun sehr viele Aufträge ausschreiben. Und das kann dauern.

"Die Kommunen, die die Gelder einsetzen, müssen natürlich auch Rechenschaft ablegen, dass sie die Gelder sachgerecht eingesetzt haben, dass sie auch sachgerecht die Aufträge vergeben haben", so Lippl. Es gelte nun mal das Vergaberecht. Das sei vielen nicht bekannt. "Wenn man jetzt im größeren Stil für so einen Landkreis Rechner beschafft und es geht an die 300.000 Euro, dann kann man das nicht mehr einfach so lokal ausschreiben."

Trotz Geld vom Bund: Finanzen bleiben Knackpunkt

Das muss dann vielleicht europaweit geschehen – mit eigenen, oft komplexen Regeln, Formalien und Fristen, sagt Schulleiter Lippl. Bei den Lehrer-Laptops geht es bayernweit um ein Volumen von insgesamt 93 Millionen Euro, oder um 93.000 Geräte.

Und auch wenn der Bund das Geld zur Verfügung stellt, sind die Finanzen ein Knackpunkt. Folgekosten wie etwa die Wartung der Geräte sind aus Sicht der bildungspolitischen Sprecherin der Bayern-SPD, Simone Strohmayr, noch nicht ausreichend eingerechnet: Die Kommunen schätzen, etwa ein Drittel der Kosten selbst tragen zu müssen, so Strohmayr.

Digitalisierung: Finanzstarke Kommunen im Vorteil

Finanzstarke Kommunen sind daher im Vorteil – Pfaffenhofen an der Ilm etwa konnte so die Berufsschule von Schulleiter Hubert Ruisinger sehr schnell ausstatten.

"Unsere Hardware-Ausstattung ist aus meiner Sicht optimal", sagt Ruisinger. Die Lehrer hätten alle einen dienstlichen Laptop, der ihnen rund um die Uhr zur Verfügung stehe. "Das bedeutet, er kann ihn dann natürlich auch mit nach Hause nehmen und dort seinen Unterricht vorbereiten und natürlich zu Hause auch entsprechend nutzen."

Es hakt auch woanders

Am Ende hängt es aber nicht nur an den Sachaufwandsträgern: Bayern hat zwar schon Anfang Dezember der Zusatzvereinbarung zum Digitalpakt zugestimmt. Dass damit die Kosten aber rückwirkend bis Juni über den Bund abgerechnet werden können – das erfuhren die Sachaufwandsträger vom Freistaat erst am 11. Januar.

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