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Fast 300 wichtige Arzneimittel zurzeit nicht lieferbar | BR24

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Die Arzneimittel-Knappheit macht sich laut der zuständigen Bundesbehörde derzeit bei 300 wichtigen Präparaten bemerkbar - darunter bei Krebs-Medikamenten und Narkose-Mitteln. Bayerns Gesundheitsministerin Huml fordert schnelle Abhilfe.

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Fast 300 wichtige Arzneimittel zurzeit nicht lieferbar

Die Arzneimittel-Knappheit macht sich laut der zuständigen Bundesbehörde derzeit bei 300 wichtigen Präparaten bemerkbar - darunter bei Krebs-Medikamenten und Narkose-Mitteln. Bayerns Gesundheitsministerin Huml fordert schnelle Abhilfe.

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In Deutschland sind derzeit fast 300 wichtige Arzneimittel nicht lieferbar. Dazu zählen auch Krebs-Medikamente sowie Narkose-Mittel. Das schreibt die "Welt am Sonntag". Laut ihrem Bericht fordern mehrere Gesundheitsminister der Länder, dass wieder mehr Medikamente in Deutschland und Europa produziert werden.

Politik will Pharmafirmen in die EU locken

Die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) spricht demnach von einer wachsenden Abhängigkeit von außer-europäischen Ländern bei lebenswichtigen Arzneien, gegen die schnell etwas getan werden müsse. Auch andere Bundesländer plädieren für eine Rückverlagerung oder Neu-Ansiedlung von Pharmazie-Fertigungsstätten in die Europäische Union. Vom Verband forschender Arzneimittelhersteller hieß es hingegen, ein "Zurückdrehen der Globalisierung" sei wenig aussichtsreich.

Hersteller ziehen sich zurück

Ärzte sehen die Lieferengpässe für Medikamente weltweit mit Sorge. "Es betrifft uns in unserer täglichen Arbeit. Das kostet Zeit, die in unserer Arbeit sehr wertvoll ist", erklärte etwa Stephan Hofmeister vom Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung (KBV). Aus Sicht der Fachleute sind komplexe Lieferketten für einen Teil der Schwierigkeiten verantwortlich. Diogo Piedade vom Generika-Herstellerverband Medicines for Europe sprach von einer einseitigen Fixierung auf den Preis, die Folgen habe: "Die Hersteller ziehen sich von verschiedenen Märkten zurück."

Billige Arznei-Produktion in Fernost

Gerade wegen des Kostendrucks lassen viele Pharmahersteller ihre Pillen, Impfstoffe und anderen Arzneien in Fernost herstellen, oft in Indien und China. Die EU diskutiere deshalb mit China und Indien über eine verlässliche Versorgung mit Medikamenten in hoher Qualität, sagte Andrzej Rys von der Generaldirektion Gesundheit der EU. Eine Option sei auch, die Produktion nach Europa zurückzuholen. Da stelle sich jedoch die Frage, wie man die Industrie zu diesem Schritt bewegen könne. Eine europäische Autarkie bei der Versorgung sei jedoch kein Allheilmittel, meinte der Ärztevertreter Ulrich Montgomery. Fiele dann - etwa nach einem Fabrikbrand - die Produktion eines Impfstoffs aus, hätte das monatelange Folgen. Nötig seien deshalb Abkommen mit produzierenden Ländern.

Grüne fordern Frühwarnsystem

Die Grünen fordern angesichts der anhaltenden Lieferprobleme die Einführung eines Frühwarnsystems. Künftig solle der Großhändler bereits dann Alarm schlagen und unverzüglich das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte informieren, wenn er erkennt, dass sich die Regale in seinem Lager leeren und ein Lieferengpass sich abzeichnet. Auch der Sozialverband SoVD verlangt schon seit Wochen ein Einschreiten der Bundesregierung gegen die anhaltenden Lieferprobleme bei Medikamenten.

Medikamentenhersteller verlangen Änderung im EU-Recht

Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie hatte die Lieferengpässe schon im vergangenen Monat als "politisch hausgemacht" bezeichnet:

"Solange Krankenkassen die Preise von Medikamenten bis in den Cent-Bereich pro Tagesbehandlung oder Packung drücken können, wird die Versorgung der Patienten gefährdet." Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie

Um die Situation grundlegend zu verbessern, verlangen die Medikamentenhersteller unter anderem, EU-weit das Vergaberecht zu ändern und bei künftigen Ausschreibungen den "Zuschlag an einen pharmazeutischen Unternehmer mit Produktionsstätte in Europa" verbindlich vorzuschreiben.

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