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FAQ: Was Sie über die Warn-App NINA wissen müssen | BR24

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Warn-App "NINA"

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    FAQ: Was Sie über die Warn-App NINA wissen müssen

    Hochwasser, Waldbrand, Terroranschlag: Drei Szenarien, vor denen die Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes (NINA) warnt. Doch was bringt das Programm? Und wie zuverlässig sind die Warnungen? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

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    Am 10. September findet der erste bundesweite Warntag statt. Um 11 Uhr wird gleichzeitig in Landkreisen und Kommunen in allen Bundesländern ein Probealarm ausgelöst. Dabei wird getestet, ob die Probewarnung überall ankommt, wo sie ankommen soll, etwa bei Sirenen, Rundfunksendern, digitalen Infotafeln - oder auf der Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes, kurz NINA.

    Bei welchen Gefahren warnt die App?

    Die NINA-App kann Warnmeldungen für verschiedene Gefahrenlagen anzeigen, zum Beispiel, Großbrände, Unwetter, Hochwasser, Stromausfall, die Ausbreitung eines Gefahrstoffes oder Terroranschläge. Absender sind die für den Katastrophenschutz zuständigen Behörden, die ihre Warnungen über das Modulare Warnsystem (MoWaS) des Bundes absenden sind. Alle Geräte bzw. Warnmultiplikatoren, die an MoWas angeschlossen sind, wie eben zum Beispiel die NINA-App, zeigen diese Gefahrenmeldungen an.

    Wer steckt hinter der App?

    Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Das BBK ist eine Fachbehörde des Bundesinnenministeriums. Zu seinen Aufgaben gehört es unter anderem, die vorhandenen Hilfspotenziale des Bundes und die der Länder, vor allem Feuerwehren und Hilfsorganisationen, besser miteinander zu verzahnen.

    Wie funktioniert die App?

    Die Warn-App NINA empfängt per Satellit die Warnmeldungen aus MoWaS. Darüber hinaus liefern auch andere Behörden und Organisationen (Deutscher Wetterdienst, Hochwasserportal der Länder sowie die privaten Warnsysteme Katwarn und BIWAPP) über speziell abgesicherte Webschnittstellen ihre Warnungen und Informationen an die Warn-App NINA. Laut BBK vergehen maximal 30 Sekunden zwischen Eingang und Versand der Warnmeldungen.

    Ist die App personalisierbar?

    Ja. Nutzerinnen und Nutzer können Orte eingeben, für die sie aktuelle und wichtige Gefahrenmeldungen ihrer örtlichen Behörden erhalten wollen, in der Regel der eigene Wohnort. Per Schieberegler lässt sich der Umkreis um einen auf der Karte frei wählbaren Punkt einstellen, für den Gefahrenmeldungen angezeigt werden sollen: 1 km², 9km², die ganze Gemeinde oder der ganze Landkreis. Wer die Funktion "Aktueller Standort" aktiviert, bekommt auch die Warnmeldungen des Ortes in Deutschland angezeigt, an dem er sich gerade aufhält.

    Nutzer können selbst einstellen, ab welcher Gefahrenstufe (Gefahreninformation, Gefahr, extreme Gefahr) sie etwa per Push benachrichtigt werden wollen.

    Wie häufig sind Gefahrenmeldungen?

    Im Jahr 2019 wurden 1.124 Warnmeldungen über das Modulare Warnsystem versendet. Neben 376 Warnungen vor Bränden waren z.B. 44 Warnungen zu Wetterfolgen oder acht Hochwasserwarnungen dabei. Im Jahr 2020 waren es bislang 793 Meldungen, wovon 68 auf Bayern entfallen (Stand: 2. September).

    Warum sollte ich sie als Nutzer herunterladen?

    Das BBK nennt drei Gründe, NINA zu nutzen:

    • Mit der Warn-App NINA kann man alle Warnmeldungen, die Bund, Länder und Gemeinden über das Modulare Warnsystem herausgeben, empfangen. Darüber hinaus kann NINA auch Warnungen der Behörden aus den privat betriebenen Warnsystemen BIWAPP und KATWARN anzeigen. Die behördlich betriebene Warn-App NINA ist laut BBK die einzige Warn-App in Deutschland, die die Warnungen aller drei Systeme weitergibt.
    • Die Push-Funktion der Warn-App NINA macht Nutzerinnen und Nutzer schnell auf neue Warnungen aufmerksam.
    • Die Warn-App enthält eine Reihe von allgemeinen Notfalltipps und Handlungsempfehlungen für Gefahren wie Hochwasser, Feuer oder Stromausfall. Diese Tipps sind auch offline verfügbar und sollen "ein Stück weit zur eigenen Sicherheit beitragen".

    Seit Mai gibt es in der App auch einen Reiter mit Informationen zum Coronavirus: Wie er sich verbreitet, wie man sich vor Ansteckung schützt, was man bei einem Corona-Verdacht tun soll oder Informationen zum Umgang mit dem Virus im Alltag.

    Was kostet die App?

    Die NINA-App ist kostenlos. Wie bei anderen Apps auch können bei der mobilen Nutzung von NINA Gebühren durch den Mobilfunkanbieter anfallen. "Dies wird aber in der Regel durch marktübliche Mobilfunktarife für die mobile Internetnutzung abgedeckt", schreibt das BBK. Die NINA-App gibt es seit 2015, sie ist bislang mehr als 7,6 Millionen Mal heruntergeladen worden.

    Auf welchen Betriebssystemen läuft die App?

    NINA wird für iOS und Android angeboten. Im Unterschied zur Corona-Warn-App läuft die NINA-App auch auf älteren Versionen, bei iOS ab 10.0, bei Android ab 4.4. Zum Vergleich: Bei der Corona-Warn-App sind mindestens die Versionen 13.5 (iOS) und 6.0 (Android) nötig.

    Warnt die App auch vor Corona-Infektionen?

    Warnungen zur Corona-Pandemie, wenn etwa die Ansteckungsrate im gewählten Ort bzw. Landkreis über die kritische Marke von 35 Infektionen pro 100.000 Einwohner steigt, werden in der App nicht angezeigt. Stattdessen zeigt die App allgemein eine Gefahreninformation zum Coronavirus durch das Bundesgesundheitsministerium an - und zwar für ganz Deutschland.

    Allerdings zeigt die App die aktuellen Corona-Fallzahlen an, wobei diese Funktion ein bisschen versteckt ist: Dazu muss man im Reiter "Corona" auf "aktuelle Fallzahlen" tippen und anschließend auf den Punkt, der den eigenen Standort anzeigt. Dann geht ein Fenster mit dem entsprechenden Ort auf, in dem Fälle, Fälle pro 100.000 Einwohner, Todesfälle und Einwohnerzahl angezeigt werden. Hier geht es aber immer um die Gesamtzahl seit Ausbruch der Pandemie, nicht um die aktuelle Infektionsrate.

    Was ist der Unterschied zur Corona-Warn-App?

    Die NINA-App informiert allgemein über das Virus und seine Verbreitung. Sie erfasst keine persönlichen Gesundheitsdaten und tauscht auch keine Informationen über Begegnungen mit anderen Nutzern der NINA-App aus.

    Die Corona-Warn-App ist dafür gedacht, das persönliche Ansteckungsrisiko zu ermitteln. Und zwar, indem sie via Bluetooth Schlüsselcodes mit Smartphones von Nutzern, denen man begegnet ist und die die Corona-Warn-App ebenfalls installiert haben, austauscht. Wenn man Kontakt zu einer infizierten Person hatte, die ihre Infektion auch gemeldet hat, bekommt man eine Benachrichtigung.

    Welche Probleme gab es mit der NINA-App?

    Beim Warntag 2018 in Nordrhein-Westfalen sendeten mehrere Leitstellen der Landkreise gleichzeitig Probe-Warnmeldungen. In Kombination mit einer landesweiten Warnung führte das zu Lastspitzen. Daraufhin wurde die Kapazität der Infrastruktur der Warn-App NINA erweitert. Der bundesweite Warntag am 10. September ist ein großer Lasttest für die Warn-App. "Sollte das System noch Schwachstellen aufweisen, gibt uns dieser Test die Möglichkeit, sie zu beheben", schreibt das BBK auf BR24-Anfrage.

    Manchmal bekommen Nutzer eine Warnmeldung angezeigt, obwohl sie gar nicht betroffen sind. So hatte NINA 2019 nach einem Rohrbruch den Großraum Hannover vor Problemen mit der Trinkwasserversorgung gewarnt, obwohl nur eine Netzleitung defekt und zwei kleine Ortschaften betroffen waren. Grundsätzlich entscheiden die vor Ort zuständigen Behörden darüber, für welche Ereignisse und für welchen Bereich sie eine Warnung herausgeben. Die NINA-App transportiert diese Meldungen nur. Seit der NINA 3.0-Version, die im Frühjahr 2020 erschienen ist, können Nutzerinnen und Nutzer bei der Ortswahl eine genauere Auswahl treffen, sodass sie nur für sie relevante Warnungen erhalten.

    Wie gut ist der Datenschutz in der App?

    Die NINA-App speichert auf einem T-Systems-Server folgende Nutzerdaten: IP-Adresse, Datum und Uhrzeit, konkrete Zieladresse, Name der aufgerufenen Datei, übertragene Datenmenge sowie eine Meldung, ob der Zugriff erfolgreich war.

    Patrick Bellmer, Redakteur bei Heise Online, findet, dass das "ein ganzer Batzen an Daten" ist. Es sei zwar verständlich, dass ein Anbieter wissen wolle, welche Features der App wie genutzt werden, um sein Angebot darauf auszurichten. Die Speicherung der IP-Adresse sei dazu aber nicht nötig, sagt er zu BR24. Kritisch sieht er auch, dass die IP-Adressen - wenn auch teilweise anonymisiert - für Webanalyse und Entwicklungszwecke an den Google-Dienst Firebase weitergeleitet werden. "Warum muss es ein US-Unternehmen, warum muss es Google sein?", fragt Bellmer.

    Außerdem heißt es in der Datenschutzerklärung der App:

    "Daten, die beim Zugriff auf das Angebot der Warn-App NINA protokolliert wurden, werden an Dritte nur übermittelt, soweit wir rechtlich dazu verpflichtet sind. Eine Weitergabe in anderen Fällen erfolgt nicht." Aus der Datenschutzerklärung der NINA-App

    Bellmer verweist in diesem Zusammenhang auf die Tatsache, dass die bayerische Polizei vereinzelt Corona-Kontaktlisten aus Restaurants zur Verfolgung von schwerwiegenden Delikten verwendet hat. Die Frage sei, "wie viel Vertrauen in den Staat verspielt worden ist oder noch vorhanden sei".

    Das BBK betont auf der Website zur NINA-App: "Ihre Standortdaten werden dabei zu keinem Zeitpunkt an das BBK oder seine Partner übermittelt. Die Standortüberprüfung erfolgt nur auf Ihrem Gerät." Bellmer geht davon aus, dass die Standortdaten von NINA-Nutzern nicht missbraucht werden.

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