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Familie in Niederlanden hauste jahrelang in Keller | BR24

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Sie warteten offenbar auf den Weltuntergang: In den Niederlanden hat ein Familienvater mit fünf Kindern jahrelang in einem Keller gelebt. Ein anderer Mann, der wohl Pächter des Anwesens war, wurde vorläufig festgenommen.

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Familie in Niederlanden hauste jahrelang in Keller

Sie warteten offenbar auf den Weltuntergang: In den Niederlanden hat ein Familienvater mit fünf Kindern jahrelang in einem Keller gelebt. Ein anderer Mann, der wohl Pächter des Anwesens war, wurde vorläufig festgenommen.

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Im Norden der Niederlande ist eine Familie entdeckt worden, die offenbar jahrelang völlig isoliert im Keller eines abgelegenen Bauernhofs lebte und dort auf "das Ende der Zeit" wartete. Auf dem Hof in der Nähe des Dorfes Ruinerwold in der Provinz Drenthe seien ein Mann, mutmaßlich der Familienvater, und fünf seiner zwischen 18 und 25 Jahre alten Kinder gefunden worden, teilte die Polizei mit.

Vor Ort nahmen die Polizisten einen anderen, 58 Jahre alten Mann fest. Bei dem Festgenommenen handelt es sich um einen gebürtigen Wiener, wie das österreichische Außenministerium Medienberichte bestätigte. Er war offenbar der Pächter des Hofes und soll laut Nachbarn regelmäßig mit einem Auto und Anhänger auf den Hof gefahren sein. In dem Fall seien noch viele Fragen ungeklärt und es werde in alle Richtungen ermittelt, erklärte die Polizei.

"Sie haben isoliert gelebt"

Sie war nach eigenen Angaben auf die Familie aufmerksam geworden durch Hinweise von jemandem, der wegen ihrer Lebensumstände besorgt gewesen sei. "Sie haben isoliert gelebt", sagte Polizeivertreter Roger de Groot bei einer Pressekonferenz. "Mir ist so etwas noch nie zuvor begegnet." Die Familie habe bereits seit neun Jahren derart von der Außenwelt abgeschirmt gelebt, einige der Kinder stünden nicht einmal im Geburtenregister.

Der örtliche Sender RTV Drenthe, der als erster über den Fall berichtet hatte, gab an, die Familie habe in dem Keller seit Jahren auf das "Ende der Zeit" gewartet. Ernährt habe sie sich von einem Gemüsegarten und einer Ziege auf dem Hof.

Nach ihrer Entdeckung habe sich herausgestellt, dass einige Familienmitglieder nicht einmal gewusst hätten, dass es noch andere Menschen auf der Erde gibt. Der Vater habe offenbar vor ein paar Jahren einen Schlaganfall erlitten und daher im Bett gelegen. Von der Mutter der Kinder gab es dem Bericht zufolge keine Spur.

25-Jähriger führte Polizei zum Kellerversteck

Die Polizei wurde laut RTV Drenthe von einem 25-Jährigen, dem mutmaßlichen ältesten Sohn der Familie, zu dem Versteck geführt. Er sei am Sonntagabend in eine Dorfschenke gekommen und habe erst einmal fünf Bier getrunken.

Dann habe der ungewaschene und zerzauste junge Mann erzählt, "dass er in den vergangenen neun Jahren nicht 'draußen' war", sagte der Besitzer des Lokals, Chris Westerbeek, dem Lokalsender. "Er sagte, dass er nie zur Schule gegangen ist und er wirkte sehr verwirrt. Er sprach auf eine kindliche Weise."

Westerbeek erzählte weiter, der junge Mann habe ihm gesagt, dass er von zuhause weggelaufen sei und dringend Hilfe brauche. "Also habe ich die Polizei angerufen."

Auf dem entlegenen Bauernhof angekommen, entdeckten die Polizisten eine versteckte Treppe hinter einem Schrank, die in einen Keller führte. Dort fanden sie einen Mann, der sich als Vater der Familie ausgab und fünf weitere Menschen, wahrscheinlich die Kinder des Mannes. Die Familie wurde zunächst in einer nahegelegenen Ferienanlage untergebracht.