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Fall Lübcke: Stephan E. bis zuletzt in Kontakt mit Neonazis | BR24

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Stephan E. soll in den vergangenen Jahren nicht mehr als Rechtsextremist aufgefallen sein. Fotos, die Monitor vorliegen, zeigen ihn jedoch zusammen mit "Combat 18"-Mitgliedern bei einer rechtsextremen Veranstaltung - im März 2019.

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Fall Lübcke: Stephan E. bis zuletzt in Kontakt mit Neonazis

Stephan E. soll in den vergangenen Jahren nicht mehr als Rechtsextremist aufgefallen sein. Fotos, die Monitor vorliegen, zeigen ihn jedoch zusammen mit "Combat 18"-Mitgliedern bei einer rechtsextremen Veranstaltung - im März 2019.

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Der nach dem Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke tatverdächtige Stephan E. hat noch 2019 an einem konspirativen Treffen von Mitgliedern neonazistischer Organisationen teilgenommen.

Das belegen Fotos, die das ARD-Magazin Monitor in Zusammenarbeit mit einem Gutachter ausgewertet hat. Bisher wurde angenommen, dass Stephan E. möglicherweise keinen Kontakt mehr zur rechtsextremen Szene hatte.

Mit "Combat 18" auf rechter Veranstaltung

Nach den neuen Erkenntnissen nahm Stephan E. aber am 23. März dieses Jahres an einer konspirativen rechten Veranstaltung im sächsischen Mücka teil, wo er zusammen mit Mitgliedern der neonazistischen Organisation "Combat 18" (deutsch: "Kampftruppe Adolf Hitler" - die Zahlen 1 und 8 stehen für den ersten und achten Buchstaben des Alphabets, A und H) und der neonazistischen Vereinigung "Brigade 8" fotografiert wurde.

© Pixelarchiv

Noch im März dieses Jahres traf sich Stephan E. mit Rechtsextremen im sächsischen Mücka.

Experten sehen Verwurzelung in rechtsextremer Szene

Für Matthias Quent vom Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft ist die Teilnahme von Stephan E. an der konspirativen Veranstaltung ein Beleg dafür, wie gut die Kontakte des mutmaßlichen Mörders in die rechtsextreme Szene seien. "Die Teilnahme von Stephan E. an einer konspirativen Veranstaltung noch im März dieses Jahres zeigt, dass der mutmaßliche Mörder gut vernetzt war, sonst hätte er diese Zugänge nicht. Die Tatsache, dass er in jüngster Zeit nicht straffällig geworden ist, bedeutet nicht, dass er sich von der rechtsextremen Szene losgesagt hatte.“

Für Andreas Köhler vom Forschungsinstitut für Radikalisierung (GIRDS) belegt die Teilnahme am Treffen eine "enge und vertrauensvolle Beziehung" Stephan E.s zu diesem Kreis, der mutmaßliche Mörder scheine auch nach 2009 "ein knallharter Neonazi geblieben zu sein".

Nicht mehr als Rechtsextremist aufgetreten?

Verfassungsschutzpräsident Thomas Haldenwang hatte noch am Dienstag gesagt, der Tatverdächtige im Mordfall Lübcke habe sich zwar viele Jahre in rechtsextremen Kreisen bewegt, sei aber in den vergangenen zehn Jahren nicht mehr so deutlich wie früher als Rechtsextremist in Erscheinung getreten.

Die von Monitor ausgewerteten Fotos von dem Treffen in Mücka zeigen außer Stephan E. unter anderem auch Stanley R., der als eine zentrale Figur von "Combat 18" in Deutschland gilt. Beide haben eine gemeinsame Vergangenheit in der Neonazi-Szene und hatten zum Beispiel im Jahr 2002 gemeinsam an einer NPD-Wahlkampfveranstaltung teilgenommen.

Experte hält Existenz von Komplizen für wahrscheinlich

Quent hält genau diese Verbindungen von Stephan E. für einen blinden Fleck in der Aufklärung, eine Tatsache, die die Behörden nicht auf dem Schirm gehabt hätten. "Angesichts dieser Bilder stellt sich die Frage einer möglichen Mittäterschaft von weiteren Rechtsextremisten mit großer Dringlichkeit", so der Experte.