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#Faktenfuchs: Wie viel Geld verdienen Paketzusteller? | BR24

© Ralph Kerpa/picture alliance/imageBROKER

DHL ist der größte Paketdienst in Deutschland.

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    #Faktenfuchs: Wie viel Geld verdienen Paketzusteller?

    Mehr als 300 Millionen Sendungen tragen Paketzusteller zur Weihnachtszeit aus. Wie viel sie verdienen, ist extrem unterschiedlich. Teilweise sind die Arbeitsbedingungen prekär.

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    In den Monaten November und Dezember sind Paketzusteller besonders ausgelastet. Unter Zeitdruck müssen sie ihre Sendungen an die Wohnungen und Häuser in ihrem Bezirk liefern - und oft ist dann nicht einmal jemand zu Hause, um das Paket zu empfangen. Die Boten müssen dann am nächsten Tag wieder dort auftauchen. Zur diesjährigen Weihnachtszeit liefern sie um die 330 Millionen Pakete aus, 30 Millionen mehr als im Vorjahr.

    Insgesamt haben die Deutschen 2017 mehr als drei Milliarden Pakete verschickt, allein die Hälfte davon haben sie im Internet bestellt. Und es werden immer mehr: Der Bundesverband Internationaler Express- und Kurierdienste (BIEK) rechnet damit, dass bis zum Jahr 2022 noch einmal eine Milliarde Sendungen hinzukommen.

    Viele Hilfskräfte, wenig Fachkräfte

    Die Zahlen für die Branche hat die Bundesagentur für Arbeit auf Anfrage des Linken-Bundestagsabgeordneten Pascal Meiser ausgewertet: Demnach waren im vergangenen Jahr fast eine halbe Million Menschen bei Post- und Paketdiensten beschäftigt.

    Von ihnen arbeiteten 70 Prozent als Hilfskräfte, vorwiegend in Teilzeit oder als Minijobber. In Vollzeit verdienten sie im Mittel 2.044 Euro brutto im Monat. Nur 30 Prozent der Beschäftigten hatten eine Ausbildung gemacht, zum Beispiel zur Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen. Am Ende des Monats bekamen vollbeschäftigte Fachkräfte im Mittel 2.601 Euro.

    Die Linke kritisiert, dass damit mehr als die Hälfte der Hilfskräfte und jeder Fünfte der Fachkräfte unter der Niedriglohnschwelle* von 10,50 Euro pro Stunde lande. Dabei sei in der Aufstellung der Arbeitsagentur noch nicht einmal die wachsende Zahl von ausländischen Subunternehmen berücksichtigt, die noch weniger bezahlen würden.

    © BR-Grafik/KEP-Studie

    Mehr als drei Milliarden Pakete haben die Deutschen im vergangenen Jahr verschickt. Und es werden immer mehr.

    Zweiklassengesellschaft bei Paketzustellern

    Auch die Gewerkschaft Verdi beobachtet, dass Postdienste seit einiger Zeit vermehrt private Subunternehmer beauftragen. Und spricht dabei von teilweise mafiösen Strukturen. Im Gegensatz zu den Mutterkonzernen sind die Subunternehmen nicht an Tarifverträge gebunden und können die Löhne frei festlegen. Laut Verdi hört das Problem hier aber nicht auf: Denn einzelne Subunternehmen würden wiederum andere Subunternehmen beauftragen, um die Kosten erneut zu senken und Löhne zu drücken. So gehe das teilweise weiter bis zum dritten Subunternehmen, erklärt David Merck, bei Verdi Bayern zuständig für die Postdienste. Er berichtet etwa von Postzustellern, die in ihren LKW schlafen müssen, weil sie sich die Miete nicht leisten können.

    Während die Deutsche Post mit der Tochterfirma DHL Delivery die Sendungen zum Großteil von ihren eigenen Angestellten austragen lässt, geben zum Beispiel FedEx und UPS die Hälfte der Lieferungen an Subunternehmen ab. Bei Hermes sind es 95 Prozent und bei DPD alle.

    Bei den Paketzustellern entsteht so eine Zweiklassengesellschaft: Diejenigen, die bei Unternehmen wie der Deutschen Post AG, der Tochter DHL Delivery oder UPS angestellt sind, werden nach ausgehandelten Tarifverträgen bezahlt. Ein neu eingestellter Paketzusteller verdient zum Beispiel bei der DHL Delivery 13,31 Euro in der Stunde und damit 2.223 Euro brutto im Monat. Ab Januar 2019 betrage der Einstiegslohn 15 Euro in der Stunde. In den Subunternehmen könne es laut Verdi-Mann Merck hingegen vorkommen, dass Beschäftigte Beträge unter dem Mindestlohn bekämen. Der liegt momentan bei 8,84 Euro pro Stunde, ab kommendem Jahr bei 9,19 Euro.

    Fazit: Unternehmen wie die Deutsche Post AG, die Tochterfirma DHL, UPS oder FedEx bezahlen ihre Angestellten nach mit der Gewerkschaft verhandelten Tarifen. Problematisch kann es werden, wenn Postdienste ihre Zustellung auslagern und Subunternehmen engagieren. Hier bekommen Paketboten laut Verdi Löhne, die teilweise unter dem Mindestlohn liegen.

    * Niedriglohnschwelle: Im Moment bezeichnet man einen Bruttolohn als zu niedrig, wenn er 10,50 Euro pro Stunde unterschreitet und das Geld trotz Vollzeitbeschäftigung nicht mehr reicht, um davon zu leben.