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Fahrverbote in Tirol: Landeschef kontert Kritik aus Bayern | BR24

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Um Österreich vom Tranistverkehr zu entlasten und die Mautflucht zu bekämpfen, hat Tirol Landstraßen für Transitreisende zeitweise gesperrt. Die Kritik aus Bayern prallt an Landeschef Platter ab: Die Bayern sollten nicht die Beleidigten spielen.

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Fahrverbote in Tirol: Landeschef kontert Kritik aus Bayern

Um Österreich vom Transitverkehr zu entlasten und die Mautflucht zu bekämpfen, hat Tirol Landstraßen für Transitreisende zeitweise gesperrt. Die Kritik aus Bayern prallt an Landeschef Platter ab: Die Bayern sollten nicht die Beleidigten spielen.

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Erst in dieser Woche hat der EuGH nach einer Klage Österreichs die deutschen Maut-Pläne gestoppt. Nun kommen auf Transitreisende während der Ferienzeit im österreichischen Bundesland Tirol erhebliche Einschränkungen zu. Seit gestern gilt zeitweise ein Fahrverbot auf Landstraßen, damit dort keiner von den mautpflichtigen Autobahnen abfährt. Die bayerische Staatsregierung ist empört.

Sperrung gilt an allen Wochenenden bis Mitte September

Die Sperrung soll an allen Wochenenden von Samstag um 7.00 Uhr bis Sonntag um 19.00 Uhr und auch an verlängerten Wochenenden gelten - und zwar bis Mitte September. Nicht betroffen sind Autofahrer, die direkt nach Innsbruck oder in die umliegenden Dörfer wollen, so der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter. Die Fahrverbote gelten für den gesamten Verkehr, egal, ob Auto, Lkw oder Motorrad.

Platter will nach eigenen Angaben Dörfer auf österreichischer Seite vom Transitverkehr entlasten. Die Umfahrung von Staus oder mautpflichtigen Routen ist für Urlauber damit erschwert.

Betroffen sind laut der österreichischen Nachrichtenagentur APA die Ausfahrten zwischen Hall und Zirl auf der Inntalautobahn (A12), sowie bei Patsch und bei Gries am Brenner auf der Brennerautobahn (A13). Die Brennerstraße selbst ist von den Verboten nicht betroffen.

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Gesperrte Landstraßen in Tirol

Bayern: "Tiroler Verhalten ist unsäglich und reine Schikane!"

Bayerns Staatsregierung reagierte mit Empörung und Unverständnis auf die Ankündigung.

"Das Tiroler Verhalten ist unsäglich und reine Schikane. Ich erwarte, dass die EU-Kommission dieses Verhalten sehr schnell unterbindet und für freien Reiseverkehr in Europa sorgt." Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU)

Außerdem sei das Vorgehen des Nachbarlandes rechtswidrig. Reichhart stellte auch Gegenmaßnahmen in Aussicht: "Sollte die EU-Kommission dieses Verhalten durchgehen lassen, dann muss es auch für die stark belasteten bayerischen Autobahnen und Landstraßen in der Grenzregion gelten." Mit Tirol seien Gespräche vereinbart. Von deren Ausgang wolle man Bayerns Reaktion abhängig machen.

Platter: "Nicht die Beleidigten spielen"

Der Tiroler Landeshauptmann Platter weist die Kritik aus Bayern zurück:

"Ich nehme an, dass die bayerische Politik noch nicht wirklich begriffen hat, um was es bei dieser Maßnahme geht. Nur weil unsere Nachbarn bei der Pkw-Maut eine empfindliche Niederlage einstecken mussten, sollen sie jetzt nicht die Beleidigten spielen, sondern mit uns aktiv an der Entlastung der Bevölkerung arbeiten." Tiroler Landeshauptmann Günther Platter

Tirol werde seinen Kampf gegen die massive Verkehrsbelastung auf jeden Fall fortsetzen. "Wenn die Dörfer vom Ausweichverkehr derart verstopft sind, dass es nicht einmal mehr für die Rettungsdienste ein Durchkommen gibt, dann können und dürfen wir nicht tatenlos zusehen", sagte Platter.

Polizei kontrolliert Mautflüchtlinge

Wer versucht, sich auf den Landstraßen die Maut zu sparen oder Staus zu umfahren, wird kurz nach der Ausfahrt von der Polizei gestoppt, erklärt der Leiter der Tiroler Verkehrspolizei, Markus Widmann, gegenüber dem Bayerischen Rundfunk. Wenn die Beamten feststellen, dass die Autofahrer zum Brenner oder in Richtung Deutschland fahren wollen, werden sie direkt zurück zur Autobahn geschickt.

Wie die österreichischen Beamten Mautflüchtlinge von Tirol-Besuchern unterscheiden wollen, liegt im Ermessen der Polizisten vor Ort. Jährlich fahren nach Angaben der Tiroler Wirtschaftskammer über 11 Millionen Pkw und 2,5 Millionen Lkw über den Brenner.

Navis zeigen Umfahrungen nicht mehr an

Inzwischen seien auch Vorkehrungen getroffen worden, dass die Navigationsgeräte die Umfahrungen nicht mehr anzeigen, hieß es weiter. Dazu seien den Navi-Betreibern die aktuellen Verkehrsdaten in Zusammenhang mit dem Verbot zur Verfügung gestellt worden, zitiert APA den Leiter der Tiroler Verkehrspolizei, Markus Widmann. Da aber nicht sicher sei, dass die Navi-Anbieter die neuen Daten auch einspeisen, sollten bereits am Donnerstag an den gesperrten Ausweichrouten auch Polizeistreifen kontrollieren.

Blockabfertigung führt zusätzlich zu Stau

Die Blockabfertigung von Lastwagen hat am Freitagmorgen zu kilometerlangen Staus auf der Inntalautobahn in Richtung Süden geführt. "Derzeit steht der Verkehr auf über 20 Kilometern Länge - Tendenz steigend", sagte ein Polizeisprecher am Morgen. Der Rückstau gehe aktuell vom Grenzübergang Kiefersfelden bis zur Ausfahrt Reischenhart.

Zum wiederholten Mal lässt die Tiroler Landesregierung aus Umweltschutzgründen pro Stunde nur eine bestimmte Anzahl Lastwagen die Grenze passieren. Auf deutscher Seite werden Autofahrer auf der linken Spur an den stehenden Lastwagen vorbeigelotst.

Ob die umfangreiche Sperrung der Landstraßen zusätzlich für den Stau verantwortlich ist, kann die Polizei noch nicht abschätzen. "Zu den Auswirkungen dieser zusätzlichen Maßnahme haben wir aktuell noch keine Erfahrungen", erklärte ein Polizeisprecher.

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Auf Transitreisende kommen während der Ferienzeit im österreichischen Bundesland Tirol erhebliche Einschränkungen zu. Seit heute gilt ein Fahrverbot auf Landstraßen für den Reiseverkehr.