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Fahrrad-Boom hält unvermindert an | BR24

© picture alliance/Tobias Hase/dpa

Immer mehr Menschen steigen auf Fahrräder um.

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Fahrrad-Boom hält unvermindert an

Fahrradhändler zählen weiter zu den großen wirtschaftlichen Gewinnern der Corona-Pandemie. Die Nachfrage ist besonder bei Einstiegs- und Kinderrädern hoch. Doch es gibt auch Engpässe.

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Der Ansturm auf Fahrradläden während der Corona-Krise hält weiter an. "Der Mai war der stärkste Monat, den die Branche jemals erlebt hat", sagte David Eisenberger, Verbandssprecher vom Zweirad-Industrie-Verband (ZIV).

Ein Großteil der Hersteller habe dadurch die Corona-bedingten Einbußen wieder aufholen können. Insgesamt geht Eisenberger davon aus, dass die Umsätze vergleichbar zum Vorjahresniveau liegen werden. Vorausgesetzt, es gebe keinen erneuten Lockdown.

Engpässe auch durch Hygieneauflagen

Dem Verband zufolge haben Hersteller und Händler allerdings mit Engpässen und Verzögerungen zu kämpfen. Besonders nachgefragt sind Einstiegs- und Kinderräder, auch E-Bikes sind im Trend. Einige Modelle seien dadurch bereits vergriffen.

"Es wird mit Hochdruck nachproduziert, aber bei den Herstellern gibt es ebenfalls Einschränkungen durch Hygieneauflagen", so der Verbandssprecher. Er empfiehlt, bei der Fahrradsuche gleich mehrere Händler aufzusuchen und sich außerhalb der Ballungsgebiete umzuschauen.

Lieferengpässe könnten noch bevorstehen

Die größten Lieferengpässe könnten aber noch bevorstehen. "Der Ausfall asiatischer Vorlieferanten wird erst in ein bis zwei Monaten richtig relevant werden", sagt Tobias Hempelmann, stellvertretender Vorsitzender vom Verband des Deutschen Zweiradhandels (VDZ).

Trotzdem sei dieses Jahr auch ohne Corona-Krise ein super Fahrrad-Jahr. Das sei vor allem dem guten Wetter geschuldet. Da gerade in Städten viele Menschen vom Nahverkehr auf das Rad ausweichen, sei die Nachfrage enorm gestiegen. Das bedeutet auch Überstunden für Händler und Mitarbeiter. "Die Branche arbeitet an der Grenze des Machbaren", so Hempelmann, der selbst Händler ist. Für ihn seien 80-Stunden-Wochen derzeit Normalität.

Wann sich Lieferketten und daraus resultierende Engpässe wieder komplett normalisieren, sei noch nicht absehbar. Die Verbände rechnen damit aber nicht vor Ende des dritten Quartals.

Ruf nach mehr Platz für Radfahrer

Trotz Fahrrad-Boom käme der Wandel in der Infrastruktur nur sehr langsam in Gang, kritisiert der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC). In den letzten Monaten gab es deswegen deutschlandweit Demonstrationen, so wie in Würzburg oder Augsburg, um mehr Platz für Radwege zu schaffen.

Vorläufige Lösungen wie Pop-up-Bike-Lanes, also kurzfristig eingerichtete Radwege, hätten bundesweit nur eine Handvoll Nachahmer gefunden. In München sollen befristet bis Ende Oktober Teile der Rosenheimer-, der Zweibrücken-, sowie der Theresien- und der Gabelsbergerstraße in temporäre Fahrradwege umgewandelt werden. “Der Bedarf nach mehr und besseren Radwegen war schon vor Corona da - die Engpässe verschärfen sich jetzt durch den Corona-Radboom“, sagt ADFC-Sprecherin Stephanie Krone.

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In der Corona-Krise gibt es einen Gewinner: Die Fahrrad-Branche. Im Mai haben die Händler so viele Radl wie noch nie verkauft. Das heißt aber auch: Es könnte enger werden in den Städten.