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Symbolbild: Traurig oder nicht

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    #FacetheDepression: Die Krise hinter dem schönen Selfie

    Mit #FacetheDepression haben viele Menschen mit Fotos aus Zeiten einer psychischen Krise auf die Krankheit aufmerksam gemacht. Sie twitterten Bilder, auf denen sie vermeintlich glücklich aussehen, tatsächlich aber mit einer Depression kämpften.

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    Von
    • Claudia Steiner

    Sie lächeln und grinsen in die Kamera, gelöst, albern - vermeintlich glücklich. Doch zum Zeitpunkt der Aufnahme kämpften sie in Wirklichkeit mit einer Depression. Mit dem Aufruf #FacetheDepression (Stelle dich der Depression) haben zahlreiche Twitterer mit Fotos aus Zeiten einer psychischen Krise auf die Krankheit aufmerksam gemacht. Ein Nutzer schreibt: "Depression hat viele Gesichter. Und eins davon ist dafür da, das Problem vor der Außenwelt zu verstecken. In der Zeit, in der es mir am schlimmsten ging, gab es die meisten 'Happy Grinsebilder' von mir. Achtet auf euer Umfeld."

    "Lasst uns der Krankheit ein Gesicht geben"

    Eine Twitternutzerin, die auf einem Foto ein strahlendes Lachen zeigt, schreibt: "Das Bild ist alt und während der schlimmsten depressiven Phase entstanden." Ein anderer Nutzer postet neben seinem Foto: "Lasst uns der Krankheit ein Gesicht geben. Unseres. Und lasst uns dabei nicht vergessen: Nur weil draußen die Sonne scheint und ich ein farbenfrohes Selfie poste, scheint sie noch lange nicht in mir drinnen." Und ein anderer schrieb: "Was für ein genialer Hashtag. Man sieht es einem Menschen nicht unbedingt an, dass er unter Depressionen leidet."

    "Ich habe absolut nichts gefühlt"

    Eine Frau veröffentlicht auf Twitter einen Schnappschuss von sich mit Sonnenbrille und einem angedeuteten Kussmund - dazu ihr Kommentar: "Tag am See, Sonne scheint, ich schaue verschmitzt in die Kamera. Leute sehen das Foto, sagen mir 'Wie schön, dass du einen tollen Tag hattest' und ich habe es so versucht, einen tollen Tag zu haben, aber ich habe absolut nichts gefühlt."

    Viele treffen auf Unverständnis

    Viele Twitter-Nutzer berichten auch von Unverständnis aus ihrem Umfeld: "Wenn man den Kollegen versucht zu erklären, dass man etwas anfälliger ist für Schichtwechsel und man nur ein 'Da müssen wir doch alle durch' kommt." oder "Man sieht dir das gar nicht an, du kannst gar nicht depressiv sein." Einer anderen Frau wurde gesagt: "Ach, komm. So schlimm kann‘s nicht sein."

    Viele Menschen von Depressionen betroffen

    Eine Depression beeinflusst das Denken, Fühlen und Handeln der Betroffenen und macht sich der Stiftung Deutsche Depressionshilfe zufolge auch durch Störungen von Körperfunktionen bemerkbar. Erkrankte können sich demnach selten allein von ihrer Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit und ihren negativen Gedanken befreien. Die Stiftung weist auf Möglichkeiten der Behandlung mit Medikamenten und Psychotherapie hin. Den Angaben zufolge hat etwa jede vierte Frau und jeder achte Mann im Laufe des Lebens eine Depression.

    9.396 Suizide in Deutschland

    2018 nahmen sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 9.396 Menschen in Deutschland das Leben. Mehr als 100.000 Menschen unternahmen einen Suizidversuch. Umgerechnet heißt das, dass hierzulande alle fünf Minuten ein Mensch versucht, sich das Leben zu nehmen.

    Vermittlung von Psychotherapie

    Wenn Sie akut Hilfe benötigen: Die Terminservicestelle (TSS) der Kassenärztlichen Vereinigung zur Vermittlung von Psychotherapie in Bayern ist 24 Stunden, sieben Tage die Woche erreichbar. Sie sind dazu verpflichtet, dass die Wartezeit zwischen Ihrem Anruf und Ihrem Termin maximal fünf Wochen beträgt, bei Terminen für eine Akutbehandlung maximal zwei Wochen. Die Nummer ist: 116117. Hier geht es zur Website.

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