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Trauer in Hanau - und Fragen nach der Ursache: Warum war der Täter von Hanau nicht auf dem Radar der Sicherheitsbehörden, fragt sich auch der Extremismusforscher Hans-Gerd Jaschke. Der Gewalt von Rechts müsse mehr entgegengestellt werden, sagt er.

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Extremismusforscher: mehr tun gegen rechte Gewalt

Trauer in Hanau - und Fragen nach der Ursache: Warum war der Täter von Hanau nicht auf dem Radar der Sicherheitsbehörden, fragt sich auch der Extremismusforscher Hans-Gerd Jaschke. "Er ist kein Einzeltäter im klassischen Sinne", sagt er.

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Nach dem Anschlag von Hanau mit insgesamt elf Toten geht die Debatte um die Ursachen weiter. Der mutmaßliche Täter soll der 43-jährige gebürtiger Hanauer Tobias R. sein, der zuvor nicht einschlägig bekannt war. Es gibt ein angebliches Bekennerschreiben, außerdem mehrere Videos, die sich dem Verdächtigen zuordnen lassen. Darin äußert R. wirre Verschwörungstheorien, die auf ein rassistisches Weltbild schließen lassen; es gibt aber keine konkreten Hinweise auf eine bevorstehende Gewalttat.

Ein "Einzeltäter" - juristisch, nicht gesellschaftlich

Der Politikwissenschaftler und Extremismusforscher Prof. Hans-Gerd Jaschke sieht im Interview mit der radioWelt auf Bayern 2 nun auch die Sicherheitsbehörden gefordert.

"Der Täter von Hanau war nicht auf dem Radar der Sicherheitsbehörden. Ich gehe davon aus, er hat kommuniziert mit anderen. Er ist kein Einzeltäter im klassischen Sinne. Warum wussten die Sicherheitsbehörden darüber nicht Bescheid? Das sind Dinge, über die man reden muss."

Dabei mache im juristischen Sinne der Begriff "Einzeltäter" einen Sinn, weil nach Mittätern geforscht werde. "Aber im gesellschaftlichen Sinne gibt es keine Einzeltäter", betonte Jaschke. Im Prozess der Radikalisierung müsse der Täter von Hanau über Monate und Jahre hinweg kommuniziert haben, so Jaschke. "Und insofern ist er natürlich kein Einzeltäter."

Zivilgesellschaft, Verfassungsschutz, Prävention

Der Gewalt von Rechts müsse mehr entgegengestellt werden, fordert der Extremismusforscher.

"Ich sehe das vor allem auf drei Ebenen: das eine ist die zivilgesellschaftliche Ebene, das haben wir auch gestern gesehen, dass viele Menschen sich wehren, versammeln, demonstrieren, gegenhalten. Das zweite ist die Ebene von Repression, also Polizei, Verfassungsschutz. Und die dritte Ebene ist die sehr langfristig angelegte Ebene der Prävention."