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Explosion in Beirut: Wie das Ammoniumnitrat in den Hafen kam | BR24

© BR/Christina Nagel

Von der gefährlichen Fracht, die im Hafen von Beirut lagerte, haben viele lange gewusst. Schon 2014 gab es Schlagzeilen um das Schiff eines dubiosen Geschäftsmannes, das das Ammoniumnitrat geladen hatte und im Hafen von Beirut festgesetzt wurde.

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Explosion in Beirut: Wie das Ammoniumnitrat in den Hafen kam

Von der hochgefährlichen Fracht, die im Hafen von Beirut lagerte, haben viele gewusst. Schon 2014 gab es Schlagzeilen um das Schiff eines dubiosen Geschäftsmannes, das das Ammoniumnitrat geladen hatte und im Hafen von Beirut festgesetzt wurde.

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Als in den libanesischen Medien der Name des Schiffes auftauchte, das das Ammoniumnitrat geladen hatte, wurde der russische Investigativjournalist Ruslan Lewijew vom Conflict Intelligence Team hellhörig: ein Schiff unter moldauischer Flagge, das einer Firma gehörte, die im Besitz des russischen Geschäftsmannes Igor Gretschuschkin war, der auf Zypern lebt. Und: eine explosive Ladung, die von Georgien aus nach Mosambik verschifft werden sollte. Er fing an zu recherchieren und stieß schnell auf alte Schlagzeilen:

Die "Rhosus", erzählt er, sei 2013 von den libanesischen Behörden im Hafen von Beirut festgesetzt worden: weil sie den Anforderungen nicht entsprochen habe.

Kurz darauf ließen Gretschuschkin und seine Firma Teto Shipping sowohl das Schiff, als auch die Mannschaft sitzen, berichtet Lewijew: "Das war schon damals ein Skandal, denn der größte Teil der Besatzung waren ukrainische Staatsbürger. Nach vielen Komplikationen durfte ein Teil der Besatzung gehen. Vier Personen mussten auf dem Schiff bleiben - fast ein ganzes Jahr, bis sie Dank der Bemühungen der ukrainische Botschaft und ihrer Diplomaten das Schiff verlassen durften."

Ammoniumnitrat ohne Sicherheitsvorkehrungen im Hafen gelagert

Die gefährliche Fracht, die zur Herstellung von Düngemitteln, aber auch zur Herstellung von Sprengstoff gebraucht wird, blieb an Bord. Auch weil sich kein Käufer gefunden habe, so Investigativjournalist Lewijew. Das lasse sich unter anderem aus früheren Aussagen von Anwälten rekonstruieren. Am Ende entschieden die libanesischen Behörden dann aber doch, die Ladung in ein Lager im Hafen zu verfrachten. Allerdings ohne große Sicherheitsvorkehrungen.

Was aus dem Schiff wurde, von dem der Kapitän sagt, es sei untergegangen, sei unklar, so Lewijew. Es fänden sich keine Angaben in irgendwelchen Datenbanken. Auch nicht darüber, ob es irgendwohin weitergefahren ist, vielleicht unter einem anderen Namen. Allem Anschein nach sei es dort geblieben. Der Investigativjournalist hält es für möglich, dass es schon längst auseinander genommen worden ist. Darüber sei aber nichts bekannt.

Russischer Eigentümer des Schiffs offenbar untergetaucht

Was man allerdings weiß, ist, dass es nicht ungewöhnlich ist, Ammoniumnitrat zu verschiffen. Der georgische Hafen Batumi ist einer der üblichen Umschlagplätze, was der Nähe zu einem großen Hersteller von Mineral- und Stickstoffdünger geschuldet ist. Ein Großteil der Produktion ist für den Export bestimmt. Die Produkte gehen in rund 20 Länder. Aus eben jener Fabrik in Rusavi soll auch das Ammoniumnitrat auf dem Schiff stammen.

Was aus Gretschuschkin und seiner Firma wurde, sei, so Lewijew, nicht bekannt. Seit 2014 habe es keine Nachrichten und Meldungen mehr über ihn oder seine Firma gegeben.

Für die hochexplosive Fracht fühlte sich offenbar niemand mehr zuständig. Sie wurde weder an einem sicheren Ort gelagert noch – wie sonst üblich – versteigert oder entsorgt. Das führte jetzt zur Katastrophe.

© BR

Die Bilder von den Explosionen in Beirut gestern Nacht - sie sahen aus wie aus einem Katastrophenfilm. Aber die Katastrophe ist real: die halbe Stadt ist getroffen.

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