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Experte zum Lübcke-Mord: Neue Stufe des Rechtsterrorismus | BR24

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Nach der Ermordung des CDU-Politikers Walter Lübcke warnt der Leiter des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft, Matthias Quendt: Die Gesellschaft müsse sich dringend und intensiv mit der militanten Neonazi-Szene auseinandersetzen.

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Experte zum Lübcke-Mord: Neue Stufe des Rechtsterrorismus

Nach der Ermordung des CDU-Politikers Walter Lübcke warnt der Leiter des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft, Matthias Quendt: Die Gesellschaft müsse sich dringend und intensiv mit der militanten Neonazi-Szene auseinandersetzen.

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Die Ermordung des CDU-Politikers Walter Lübcke bedeutet nach Meinung des Rechtsextremismus-Forschers Matthias Quendt eine Zäsur in der Geschichte des Rechtsterrorismus.

"Erstmals seit 1945 hat hier mutmaßlich ein Rechtsradikaler einen amtierenden Politiker ermordet. Rechte Gewalt war auch schon vorher tödlich, hat vor allem Menschen aus Einwandererfamilien, hat Linke betroffen, aber nicht den Staat so offensiv direkt angegriffen." Matthias Quendt

Parallelen zu NSU-Terrorismus

Der politische Werdegang von Stephan E., dem Haupt-Verdächtigen im Fall Lübcke, erinnere an die Generation der NSU-Terroristen, die sich in den 1990er Jahren politisch radikalisierten, die als junge Neonazis Anschläge begingen und später rechtsterroristische Anschläge und Morde verübten. Wie die NSU-Terroristen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe hatte Medienberichten zufolge auch Stephan E. Kontakte in die bundesweit und international vernetzte "Combat 18"-Szene. Eine Neonazi-Szene, die sich selbst als "Kampfgruppe Adolf Hilter" bezeichnet. Sie besteht nach Einschätzung von Matthias Quendt aus tickenden Zeitbomben.

"Man macht Waffentrainings, man organisiert Rechtsrockkonzerte, man propagiert den terroristischen Kampf und aus dieser Strömung im Rechtsradikalismus sind eben auch schon der NSU und andere rechtsextreme Gewalttäter hervorgegangen. Dass diese Gruppe trotzdem nicht in Deutschland verboten ist, das versteht keiner." Matthias Quendt

Militante Szene hat keine feste Struktur

Das Combat 18 Netzwerk sei dabei keine Organisation mit festen Mitgliedern. Es kursierten Todeslisten von politischen Gegnern. Das Fehlen einer festen Struktur mache die Aufklärung und Verfolgung von potentiell rechtsterroristischen Gruppierungen besonders schwierig, sagt der Rechtsextremismus-Experte Quendt heute in München. Quendt leitet das Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft in Jena.

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Im Mordfall Lübcke geht die Bundesanwaltschaft von einem rechtsextremen Hintergrund aus. Noch ist unklar, ob der Festgenommene ein Einzeltäter war oder einem rechten Netzwerk angehört.