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Man könne die Rente nicht von einer steigenden Lebenserwartung des Menschen abkoppeln, so Prof. Axel Börsch-Supan, Direktor des Max-Planck-Instituts. Eine Rente mit 68 wurde jedoch nie vom Wissenschaftsbeirat in dem Gutachtern gefordert.

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Experte: Man kann Rente nicht von der Lebenserwartung entkoppeln

Bald Rente mit 68? Berater der Bundesregierung empfehlen eine Anhebung des Rentenalters bei steigender Lebenserwartung. Der Gutachter Axel Börsch-Supan präzisiert, die Rente und die Lebenserwartung müssten in einem "natürlichen Zusammenhang" stehen.

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Von
  • Margit Ehrlich

Eben erst ist es bekanntgeworden: Berater der Bundesregierung empfehlen, das Rentenalter bei weiter steigender Lebenserwartung anzuheben. Doch dass in dem Gutachten bereits eine schrittweise Anhebung auf 68 Jahre empfohlen wird, sei nicht richtig, erklärte der Volkswirt und Mathematiker Axel Börsch-Supan im Rundschau Magazin im BR-Fernsehen.

Börsch-Supan ist Direktor am Münchner Max-Planck-Institut und Mitglied der Leopoldina, die die Bundesregierung berät. Er hat das aktuelle Gutachten zu den Renten maßgeblich mitverfasst.

Lebensalter und Rente "in natürlichem Zusammenhang"

Die Zahl 68 stehe nicht in dem Gutachten, präzisierte der Wissenschaftler. Das Gutachten stelle lediglich fest, dass Lebenserwartung und Rentenalter "in natürlichem Zusammenhang stehen" müssten. Wenn also die Lebenserwartung weiter wie bisher steige, dann sei in 21 Jahren ein Rentenalter von 68 Jahren nötig.

Der Experte betonte aber, die Lebenserwartung könne stärker steigen als derzeit oder auch sinken. Im Augenblick gebe es sogar Hinweise, dass die Lebenserwartung stagniere oder sogar zurückgehe. Dann müsse das Rentenalter gesenkt werden.

Börsch-Supan: Beamte sollen in staatliche Rente einzahlen

Börsch-Supan sprach sich außerdem dafür aus, dass Beamte und Selbstständige künftig in die staatliche Rente einzahlten. Bei den Beamten sei es eine Frage der Gerechtigkeit gegenüber den Angestellten und bei den Selbstständigen sei es wichtig, weil viele von ihnen derzeit im Alter nicht gut abgesichert seien.

Die private Vorsorge kann nach Ansicht des Wissenschaftlers die Rentendefizite nicht ausgleichen. Der Aufbau einer kapitalgedeckten Rente dauere 30 bis 40 Jahre. Das sei zu spät für die Baby-Boomer. "Ich denke schon, dass wir ein Umlageverfahren brauchen, damit die weniger gut Betuchten eine gleichmäßige Rente bekommen, aber nicht so viel, dass wir unsere Kinder dabei überlasten", präzisierte Börsch-Supan.

"Glaube nicht, dass man Rentensystem grundsätzlich überdenken muss"

Das Rentensystem Schwedens, das auf drei Säulen ruht – staatliche Grundrente, Betriebsrente, private Altersvorsorge – "wäre interessant gewesen, wenn man es in den 80er-Jahren eingeführt hätte", sagte Börsch-Supan. Jetzt sei es dafür zu spät. Das System in Österreich, bei dem man zum Einstieg eine relativ hohe Rente bekommt, die aber nicht an die Lohnentwicklung gekoppelt ist, sei für Menschen, die sehr alt würden, von Nachteil.

"Ich glaube nicht, dass man unser Rentensystem ganz grundsätzlich überdenken muss. Aber wenn man denkt, man muss sich überhaupt nicht ändern, obwohl wir mehr Ältere werden und weniger Jüngere, dann fährt man das Rentensystem an die Wand", betonte Börsch-Supan.

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Rente mit 68: Der Reformvorschlag wird heftig diskutiert. Die Spanne in anderen europäischen Ländern reicht von 30 Prozent in Litauen bis zu 90 Prozent in Österreich. In Deutschland liegt das Rentenniveau knapp unter dem Durchschnitt der OECD-Länder.

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