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Die Lage in Sri Lanka nach den Anschlägen | BR24

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Lage in Sri Lanka

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Die Lage in Sri Lanka nach den Anschlägen

Unsere ehemalige Kollegin Judith Dauwalter betreibt seit einem Jahr ein kleines Hotel in Mirissa, im Süden Sri Lankas. Mirissa ist ein Touristenzentrum und zieht jedes Jahr tausende Touristen an, vor allem aus Deutschland. Wie ist die Lage vor Ort?

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Die Anschläge in Sri Lanka ereigneten sich am frühen Vormittag. Die Sprengsätze explodierten den Angaben von Medien zufolge fast gleichzeitig in der St Antony's Kirche in der Hauptstadt Colombo, in der St. Sebastian Kirche im Touristenort Negombo und in einer weiteren Kirche in Batticaloa, im Osten der Insel.

Überall im Land herrscht Entsetzen

Auch die Gäste von Judith Dauwalter reagierten geschockt auf die Nachricht. Unsere ehemalige BR-Kollegin betreibt in Mirissa, im Süden des Landes, ein kleines Hotel. Einer ihrer Gäste stellte gestern Abend seinen Onkel im Hotel vor. Vor wenigen Stunden erfuhren sie, dass der Onkel bei den Anschlägen ums Leben kam. Ihre deutschen Gäste vor Ort reagierten deshalb geschockt.

Ausgangssperre und keine Weiterreise möglich

Viele ihrer Gäste wollten heute weiterreisen, sowohl ins Landesinnere als auch zum Flughafen von Colombo. Nach der offiziellen Anweisung der Regierung gibt es eine Ausgangssperre. Die Menschen sollen ihre Häuser nicht verlassen. Öffentliche Plätze und der öffentliche Nahverkehr sollen gemieden werden.

Lage in Sri Lanka

Nach wochenlanger politischer Krise hat Sri Lanka erst seit wenigen Monaten eine neue Regierung. Präsident Maithripala Sirisena ernannte im Dezember Ranil Wickremesinghe als Ministerpräsident. Judith Dauwalter bezeichnet die Lage vor Ort als instabil. Bei den Einheimischen erlebt unsere ehemalige BR-Kollegin großen Verdruss. Es kommt täglich zu mehrstündigen Stromausfällen. Vor allem die enormen Steuererhöhungen belasten die Menschen vor Ort. Die Unzufriedenheit mit der Regierung wächst.

Tourismus ist wichtige Einnahmequelle

Seit 2010 ist die Zahl der deutschen Ankömmlinge in Sri Lanka fast jedes Jahr um rund 20 Prozent oder mehr gestiegen. Der Grund, warum Sri Lanka lange von vielen Touristen gemieden wurde, war ein 26 Jahre andauernder Bürgerkrieg, der erst 2009 endete. Der wichtigste internationale Flughafen von Sri Lanka heißt Bandaranaike und liegt nördlich von Colombo. In der Hochsaison landen dort täglich bis zu 200 Flugzeuge.

Sri Lanka: ein beliebtes Reiseziel

Der Reiseführer "Lonely Planet Best in Travel" führt die zehn Top-Länder und Top-Städte und -Regionen für das jeweilige Reisejahr auf. Das angesagteste Land 2019 ist dabei Sri Lanka.

„2019 wurde Sri Lanka als das wichtigste Reiseziel von Lonely Planet ausgewählt. Die jährlichen Ankünfte stiegen von nur 448.000 am Ende des Bürgerkriegs in Sri Lanka im Jahr 2009 auf über 2,1 Millionen im Jahr 2017 - eine Zahl, die sich die Regierung bis 2020 verdoppeln will.“ Lonely Planet

Auch Judith Dauwalter spricht von einem regelrechten Ansturm deutscher Besucher in dieser Saison, die im Süden gerade zu Ende geht.

Viele Ethnien in Sri Lanka vertreten

Rund drei Viertel der Bewohner der Insel sind buddhistische Singhalesen, etwa 18 Prozent meist hinduistische Tamilen. Die Christen stellen eine Minderheit im Land dar. Ausschreitungen gegen die Gruppe gab es in der Vergangenheit nicht. Im praktischen Leben, so Judith Dauwalter, leben alle religiösen Gruppen friedlich zusammen. Nur vereinzelt gab es im vergangenen Jahr Ausschreitungen, aber das Land ist nach wie vor geprägt von jahrelangen Kämpfen zwischen den einzelnen Glaubensrichtungen.

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Die frühere BR-Mitarbeiterin Judith Dauwalter lebt seit einem Jahr auf Sri Lanka. Nach der Anschlagsserie auf Kirchen und Hotels berichtet sie in der Rundschau: "Die Gewalt ist plötzlich sehr nahe gerückt."