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Existenzangst: Freie Journalisten leiden unter der Corona-Krise | BR24

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Durch Corona sind viele freie Journalisten in wirtschaftliche Schwierigkeiten gekommen. Eine Umfrage des Deutschen Journalistenverbands zeigt, dass Freie allein im letzten Jahr durchschnittlich über die H ihrer Einnahmen verloren haben.

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Existenzangst: Freie Journalisten leiden unter der Corona-Krise

Durch Corona sind viele freie Journalisten in wirtschaftliche Schwierigkeiten gekommen. Eine Umfrage des Deutschen Journalistenverbands zeigt, dass Freie allein im letzten Jahr durchschnittlich über die Hälfte ihrer Einnahmen verloren haben.

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Von
  • Robert Fishman
  • Ingo Lierheimer

Andreas Peter Förster aus Dachau hat vor Beginn der Corona-Pandemie viel für die Lokalausgabe der Süddeutschen Zeitung geschrieben. Nachdem die Kulturveranstaltungen im Landkreis absagt waren, sind diese Aufträge weggefallen. Sein Einkommen hat sich in den letzten zehn Monaten halbiert auf rund 12.000 Euro.

Er suchte sich neue Abnehmer. Nachts schrieb er für wenig Geld Fernsehkritiken für ein Online-Portal. Dann schlossen die Schulen. Nun muss er morgens seine Tochter zu Hause unterrichten. Nachtarbeit kann er deshalb nicht mehr leisten. Die kleine Familie lebt von seinen Ersparnissen und dem Einkommen seiner Ehefrau.

Weit verbreitete Existenzangst

Schlecht bezahlt waren vor allem freie Lokaljournalisten schon vor Corona. Viele Lokalzeitungen zahlen für einen Artikel mit Foto 30 oder 50 Euro, manche noch weniger. Eine bundesweite Umfrage des Deutschen Journalistenverbands DJV und des Forschungsprojekts "Prekarisierung im Journalismus" an der Ludwig-Maximilians-Universität in München zeigt nun, dass rund 80 Prozent der freiberuflichen Journalistinnen und Journalisten seit Beginn der Pandemie deutlich weniger verdienten. Mehr als die Hälfte, so die Studie, leide unter Existenzangst.

Zwei von drei beschrieben ihre Arbeitsbedingungen als prekär.

Nicht alles geht online

Caroline Schmidt-Gross unterrichtete bis Anfang 2020 Zeitungs-Volontäre vor allem im Fach Moderation. Online funktioniere das nicht. Mitte März war schlagartig Schluss.

"Als bei mir der erste Volontärskurs abgebrochen wurde, stand ich ja da und wusste nicht, wie geht es weiter. Also für 9,35 Euro Mindestlohn habe ich bei der Biobäckerei im Nachbardorf eben Brot ausgefahren, bin die Supermärkte angefahren, bin um 5 Uhr morgens aufgestanden, habe Kisten geschleppt und habe erst mal so mein Geld verdient, weil keiner wusste, wie es weitergeht." Caroline Schmidt-Gross

Doch das Geld reichte für die alleinerziehende Mutter mit drei Kindern nicht. Im Gegensatz zu vielen anderen hatte sie Glück im Unglück. Nachdem der Norddeutsche Rundfunk über sie berichtet hatte, vermittelten ihr Bekannte eine Teilzeitstelle als Pressesprecherin im nahen Kiel.

Qualitätsverlust

Carola Dorner arbeitet im Vorstand der Freischreiber, dem Berufsverband der freien Journalistinnen und Journalisten. Sie zeichnet ein differenziertes Bild: Viele Medizin- und Wissenschaftsjournalistinnen und -Journalisten seien zwar nach wie vor gefragt. Aber die Mehrheit ist durch Corona unter Druck geraten, auch weil die Verlage die Honorare drückten:

"Wir arbeiten meistens schon an der Grenze des Wirtschaftlichen. Was soll da noch gekürzt werden? Und welche Qualität vor allem wird dann noch erwartet? Also was ich ganz klar sage ist: für weniger gibt es auch weniger. Weniger Recherche, weniger Text, weniger Aufwand. Anders funktioniert das sonst einfach nicht mehr." Carola Dorner, 'Freischreiber'

"Alarmierend" nennt der DJV die wirtschaftliche Lage der freien Journalistinnen und Journalisten: Jeder zehnte Freelancer habe überhaupt keine Aufträge mehr. Staatliche Hilfen hätten nur jeder und jede Vierte erhalten.

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